nj o- 5: ti~ □ 'i CD ■ a □ ; m Nordisches Plankton Zoologischer Teil Erster Band Eier und Larven von Fischen, andere Eier und Cysten Kiel und Leipzig Verlag von Lipsius & Tisch er Lf-i-oi^) Inhalt. I. Eier und Larven von Fischen . . Von Prof. Dr. Ehrenbaum 1905, pag. 1—216 1909, „ 217-414 II. Eier und Cysten Von Prof. Dr. Loh mann '' 1910, pag. 1—20 \ / 7 5- Eier und Larven von Fischen des Nordischen Planktons von E. Ehrenbaum-Helgoland. ^=^^)(^^s=^ Kiel und Leipzig. Verlag von Lipsius & Tischer. 1905-1909. Anmerkung für den Buchbinder: Teil I bildet = Lieferung 4 des „Nord. Planittons" 1905 ,. li „ == ,, lu ,, „ ,1 lyuy Inhaltsverzeichnis Seite Familie Labridae .4 Labrus berggylta Asc. . 6 „ rupestris (L). 7 Coris Julis L. 9 Familie Percidae 11 Perca fluviatilis L. 11 Stizostedium lucioperca (L). 13 Acerina cernua L. 14 Roccus labrax (L.) 16 Polyprion americanum (Bl. Sehn.) 18 Serranus cabrilla (L). 18 Familie Sparidae 20 Familie Mullidae 21 MuUus surmuletus L. 21 Familie Bramidae 24 Pterycombus brama Fr. 24 Brama raji (Bl.) 24 Familie Carangidae 26 Capros aper Lacep. 26 Caranx trachurus L. 27 Familie Scombridae 31 Scomber scombrus L. 31 Familie Xiphiidae 35 Xiphias gladius L. 35 Familie Lamprididae 36 Lampris pelagicus (Gunn.) 36 Familie Trachinidae 37 Trachinus vipera Cuv. 37 ,, draco L. 41 Familie Batrachidae 45 Batrachus didactylus Bl. 45 Familie Pediculati 46 Antennarius histrio L. 46 Lophius piscatorius L. 46 Familie Scorpaeiiidae 51 Scorpaena dactyloptera Delar. 51 Sebastes marinus (L.) 51 Familie Cottidae ... 53 Cottus gobio L. . 54 „ scorpius L. . 55 „ bubaiis Euphr. 58 „ quadricornis L. 60 Gymnocantlms ventralis (C. u. V.) 61 Centridermichthys hamatus (Kröy.) 63 Triglops pingeli Rhdt. 64 Familie Triglinae . . . . 66 Trigla gurnardus L. . 66 „ lucerna L. 70 „ pini Bl. . . . 73 Familie Agonidae . . . . 75 Agonus catapliractus (L.) 75 „ decagonus Sehn. 77 Familie Blenniidae . . . . 79 Lumpenus lampretiformis Walb. 79 ,, medius Rhdt. 81 Blennius pholis L. . 81 „ ocellaris L 82 „ galerita L. . . . 84 Chirolophis galerita (L.) Walb. 85 Pholis gunnellus (L). 87 Familie Cepolidae 90 Cepola rubescens (L.) 90 Familie Anarrhichndidae 91 Anarrhichas lupus L. 91 Familie Gobiidae. 94 Gobius niger L. 95 „ minutus Fall. 97 „ microps Kr. 99 „ flavescens Fabr. 99 Aphya niinuta Risso 100 Crystallogobius nilssoni v. Düb. und Kor. . 101 Familie Callionymidae 103 Callionymus lyra L. 103 „ maculatus Bp. 106 Familie Cyclopteridae 109 Cyclogaster montagui Donov. 109 „ liparis L. 112 ., fabricii Kr. 115 Cyclopterus lumpus L. 116 Eumicrotremus spinosus (Müll ) 119 Familie Gobiesocidae 120 Lepadogaster bimaculatus Donov. 120 „ microcephalus Brook 121 „ candollei Risso 122 „ gouani Lacep 123 Familie Cyttidae 124 Zeus faber L. 124 Familie Trachypteridae 125 Trachypterus arcticus (Brunn) 125 Regalecus glesne Asc. 128 Familie Atherinidae 129 Atherina presbyter L. 129 III Familie Mu^ilidae 132 Familie Scombresocldae ' . 134 Rhaniphistoma belone (L.) . 134 Scombresox saurus Walb. . 136 Familie Pleuronectidae 138 Solea vulgaris Quensel 138 „ variegata (Donov.) Flem. 143 lutea Bp. 145 „ lascaris Bp. 149 Pleuronectes limanda L. . 151 „ platessa L. 156 „ flesus L. 161 „. microcephalus Donov. 166 „ cynoglossus L. 171 Hippoglossus vulgaris Flem. 177 Platysomatichthys hippoglossoides Walb. 181 Drepanopsetta platessoides Fabr. 182 Platophrys laterna (Walb.) . 189 - „ grohtnanni (Bp.) 192 Rhombus maximus L. 194 „ laevis Rondel. 198 Lepidorhombus whiff (Penn.) Walb. 202 Zeugopterus punctatus (Bl.) 206 Scophthalmus norvegicus (Gthr.) 210 „ unimaculatus (Risso) 214 Familie Gadidae 217 Gadus aeglefinus L. 219 „ morrhua L. 224 „ saida Lepechin 229 „ merlangus L. 231 „ luscus L. 235 „ minutus 0. F. Müller 240 „ virens L. 244 „ pollachius L. 249 „ esmarki Nilss. 252 „ poutassou Risse 256 Gadiculus argenteus Guich. 258 Merlucius merluccius L. 260 Molva dipterygia Penn. 264 „ molva L. 267 „ elongata Risso 271 Lota vulgaris Cuv. 273 Phycis blennoides Brunn. . 274 Gattung Onos Risso 277 Onos cimbrius L. 280 „ mustela L. . . • 284 . Raniceps raninus L. 289 Brosmius brosme Asc. 292 Familie Ammodytidae 297 Ammodytes tobianus L. 297 „ lanceolatus Lesauv. 299 Familie Macrurldae 301 „ Ophldiidae . . 305 Fierasfer dentatus Cuv. 305 IV Familie Lycodidte . . . . 310 Enchelyopus viviparus L. . 310 Gymnelis viridis Fabr. 311 Gattung Lycodes 312 Familie Ortiiagorlscidae 314 Gattung Orthagoriscus 314 Familie Gasterosteidae 316 Gasterosteus spinachia L. 316 „ aculeatus L. 318 „ pungitius L. 319 Familie Syngnatiiidae 322 Hippocampus antiquorum Leach 322 Syngnathus acus L. 323 „ rostellatus Nilss. 324 typhle L. 325 Nerophis aequoreus L. 326 ,. ophidion L. 328 „ lumbriciformis Yarr. 329 Familie Cyprlnidae 331 Cyprinus carpio L. 332 Gobio fiuviatilis Rondel. 334 Phoxinus aphya L. 336 Leuciscus rutilus L. 337 „ idus L. 339 Alburnus lucidus Heckel 341 Familie Salmonidae 343 Osmerus eperlanus L. 343 Mallotus villosus 0. F. Müll. 346 Argentina silus Ascan. 347 „ sphyraena L. 351 Familie Scopelidae 354 Myctophum glaciale Reinh. 355 Gattung Argyropelecus 357 Maurolicus mülleri Gmel. 359 Incertae sedis 360 Familie Clupeidae 361 Clupea harengus L. 361 „ sprattus L. 366 Engraulis encrasicholus L. . 370 Clupea pilchardus Walb. 373 Familie Esocidae 376 Esox lucius L. 376 Familie Anguiilidae 379 Gattung Tilurus 379 Anguilla vulgaris Turt. 380 Conger niger Cuv. 384 Synaphobranchus pinnatus Gronov. 387 Familie Ampliioxldae 389 Branchiostoma lanceolatum Pallas 389 Nachträge und Verbesserungen 393 Register 397 */ I. Eier und Larven von Fischen. Von E. Ehrenbaum', Helgoland, Die Jugendformen aller Fische, auch derjenigen, die im erwachsenen Zustande auf oder im Boden des Meeres leben, gehören dem Plankton an, in der Regel während der ganzen Dauer ihrer Larvenzeit, d. h. bis sie die Form des ausgebildeten Fisches erreicht haben, oft auch noch darüber hinaus. Anders verhalten sich die Ei e r. Viele Fische befestigen dieselben einzeln oder in kleineren und größeren Ballen am Grunde im Sande, an Pflanzen, Steinen und anderen Organismen oder leblosen Gegenständen. Viele dagegen, und hierzu ge- hört die große Mehrzahl der Nutzfische in den nordischen Meeren, haben plank- tonische Eier; dieselben treiben einzeln frei im Meere, meist in den oberflächlichen Wasserschichten, aber auch noch in Tiefen von 20 bis 40 m und darüber. Auch eine dritte Gruppe von Eiern ist wahrscheinlich im Meere vertreten, welche in ihrem Verhalten die Mitte zwischen den festsitzenden und den plank- tonischen Formen einnimmt, insofern als diese Eier auf oder nahe dem Grunde flottieren wie viele Salmoniden-Eier und die Eier der Maifische im Süßwasser; doch sind derartige Formen aus dem Meere noch nicht sicher bekannt. Merkwürdig ist, daß in der Schwimmfähigkeit der Eier kein generisches Merk- mal gesehen werden darf: so haben Angehörige derselben Gattung, z. B. der Gattung Clupea,Labrus u. a. in einigen Arten planktonische, in anderen festsitzende Eier. Es hat sich infolgedessen nicht vermeiden lassen, daß in den folgenden Blättern, die sich eigentlich nur mit den Eiern und Larven des Planktons be- schäftigen, oft auch Hinweise auf nahestehende oder zur gleichen Art gehörige Formen des Benthos gegeben wurden. Ebenso ist bei der Beschreibung der Entwickelungsformen, welche planktonisch leben, oft auf die unmittelbar vorauf- gehenden oder anschließenden Stadien, die am Grunde vorkommen, hingewiesen. Die Eier vieler Arten von Fischen, sowohl planktonische als festsitzende, haben eine oder mehrere Ölkugeln in ihrem Dotter. Das Vorhandensein oder Fehlen solcher öltropfen ist in den meisten Fällen ein Merkmal der Gattung, aber nicht immer, da es auch Gattungen gibt, z. B. Clupea, bei denen einige Arten Eier mit Ölkugeln, andere solche ohne Öl haben. Für die Charakteristik der einzelnen Formen, Eier sowohl als Larven, spielen deren Maße eine große Rolle. Es ist möglichst Sorge getragen worden, daß alle im Folgenden gegebenen Ziffern sich auf Abmessungen des Nord. Flankton. I 1 12 E. Ehrenbaum. frischen oder lebenden Objekts beziehen. Wenn dies nicht immer gelungen ist, so liegt das daran, daß in der Literatur die Angabe darüber, ob das frische oder konservierte Objekt gemessen wurde, häufig fehlt. Bei Maßen, die vom konservierten Objekt genommen wurden, hat es sich im allgemeinen als zu- lässig gezeigt, die Reduktion auf das frische Objekt durch Annahme einer Schrumpfung von ca. 10% auszuführen, wenn es sich um Konservierung in Alkohol oder ein Balsampräparat handelt; bei Formolkonservierungen kann die Schrumpfung vernachlässigt werden. Die Maße der Eier beziehen sich alle auf frisches Material. Bezüglich der Eigröße, des spezifischen Eidurchmessers, handelt es sich, wie in der Arbeit von Heincke und Ehrenbaum (Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. 111 1900. S. 127 ff.) auseinandergesetzt ist, nicht um eine absolute, sondern in bestimmten Grenzen variable Größen. Diese Grenzen sind im Nachfol- genden tunlichst angegeben. Da aber von vielen Arten nur eine geringe Zahl von Eiern bisher gemessen werden konnte, so haben die Angaben über die Größe der Variabilität bei den einzelnen Arten nur beschränkten Anspruch auf Genauigkeit und bedürfen der Ergänzung durch weitere Beobachtungen. Im allgemeinen zeigt sich, daß die Variabilität des Eidurchmessers einer Spezies um so größer ist, je größere Verbreitungsgebiete und je verschiedenere Phasen der Laichzeit berücksichtigt werden. Ähnliches gilt von der Größe der ölkugeln in den Eiern. Auch muß im Auge behalten werden, daß die charakteristische Größe der einzelnen Larven- stadien um so variabeler ist, je ausgedehnter das Verbreitungsgebiet ist, welches in Betracht gezogen werden kann. Bei den Abbildungen, welche den Text begleiten, ist, soweit Eier in Betracht kommen, immer tunlichst derselbe Maßstab von 30/1 bei der Ver- größerung benutzt worden, so daß die Eigrößen in den Figuren direkt unter einander vergleichbar sind. Bei den Larvenformen konnte ein gleiches Ver- fahren natürlich nicht inne gehalten werden. Neben den Körperdimensionen spielt die Zahl der Flossenstrahlen eine erhebliche Rolle bei der Identifizierung der Entwickelungsstadien von Fischen. Diese Strahlenzahl ist in der üblichen Weise, meist nur für die Rückenflossen (D) und Afterflossen (A) angegeben, seltener auch für die Schwanz- flosse (C) sowie die Brustflossen (P) und Bauchflossen (V). Wenn mehrere Rücken- und Afterflossen vorhanden sind, so sind die Strahlenzahlen derselben durch ein einfaches -\-- aneinander gefügt; eine Unterscheidung zwischen ge- gliederten und ungegliederten Strahlen ist nicht gemacht, da bei den Ent- wickelungsstadien solche Unterschiede noch nicht in Betracht kommen. Ganz besonderen Wert besitzt die Anzahl der Wirbel als Erkennungs- merkmal bei den Jungfischen und oft auch schon bei Larvenstadien, da die Wirbel schon frühzeitig in ihrer definitiven Zahl angelegt sind und durch ge- eignete Präparier- und Färbe -Methoden kenntlich gemacht werden können. Freilich darf nicht außer acht gelassen werden, daß auch die Zahl der Wirbel eine gewisse Variabilität zeigt, wenn auch keine so große wie z. B. die der Flossenstrahlen. Die Differenzen sind hier im wesentlichen durch die Ver- Eier und Larven von Fischen. I 3 schiedenheit des Vorkommens bedingt, in geringerem Maße aber auch indivi- duell. Ihre volle Bedeutung als diagnostisches Hilfsmittel erhalten die Wirbel aber erst, wenn die Trennung in Rumpf- und Schwanz-Wirbel gelingt, die jedoch nicht immer mit gleicher Leichtigkeit ausführbar ist. Zwar sind die Rumpfwirbel durch den Besitz von Rippen ausgezeichnet, die mit den Quer- fortsätzen artikulieren, während die Schwanzwirbel auf ihrer Unterseite ge- schlossene untere (hämale) und in einen Fortsatz (Hämaldorn) auslaufende Bogen besitzen. Besser als diese Eigentümlichkeiten ist aber bei den Ent- wicklungsformen sehr häufig ein andres Merkmal ausgeprägt: ein länglicher gerader oder nach vorn konkaver Knochen, den man am besten als Stütz- knochen bezeichnet, da er am hinteren Rande des Eingeweidesackes liegend, diesen als eine Art Beckenknochen stützt! Dieser Stützknochen, der zugleich der Träger des ersten Flossenstrahls der Analflosse ist oder — häufiger — mehr oder weniger selbständig unmittelbar vor diesem liegt, lehnt sich mit seinem anderen dorsalen Ende gegen den Hämaldorn des ersten Schwanzwirbels und bezeichnet auf diese Weise die Grenze zwischen Rumpf- und Schwanz- Wirbelsäule. Wo im nachfolgenden Texte die Wirbelzahl (Vert) als eine Summe an- geführt ist, geben die beiden Summanden immer die Zahl der Rumpf- und der Schwanz-Wirbel an. Von besonderer Wichtigkeit für die Erkennung von Eiern und Larven ist ihre Pigmentierung und zwar sowohl in ihrer Nuance wie besonders in ihrer Verteilung. Leider ist aber nur bei einem Teil des Materials und meist nur bei den Eiern und den jüngsten Larvenformen die Pigmentierung am lebenden Organismus beobachtet und beschrieben worden, da die größeren Formen gewöhnlich nur im konservierten Zustande den Untersuchern zugänglich gewesen sind. Das kommt natürlich in der Lückenhaftigkeit der Beschreibungen zum Ausdruck, und diesem Mangel wird erst durch lange fortgesetzte und variierte Beobachtungen mit der Zeit abgeholfen werden können. Im allge- meinen werden trotzdem die vorliegenden Angaben über die Pigmentierung schon ein wesentliches Hilfsmittel für die Identifizierung der Formen bilden, zumal das mit Hilfe dieses Führers zu bestimmende Material auch nur in einem kleinen Teil aller Fälle lebend in die Hände des Untersuchers gelangen wird. Was diesen letzten Punkt anbelangt, so darf man sich nicht der Illusion hingeben, daß konserviertes — auch tadellos konserviertes — Material sich immer mit Sicherheit bestimmen läßt. Bei den Larven mag dies der Fall sein, wenn es sich nicht um wenig bekannte Formen handelt, bei den Eiern keines- wegs. Auf die Identifizierung der Eier kann nur dann mit einiger Sicherheit gerechnet werden, wenn am frischen Material jedesmal festgestellt worden ist, welche Formen für den betreffenden Fang überhaupt in Betracht kommen. Schließlich soll noch darauf hingewiesen werden, daß die vorliegende Arbeit der Natur der Sache nach im wesentlichen kompilatorischer Natur ist, und daß auch die begleitenden Abbildungen in der Mehrzahl den neueren Werken entnommen sind, welche die Eier und Larven der Seefische behandeln, und welche am gegebenen Orte jedesmal namhaft gemacht worden sind. Es 1 1* I 4 E. Ehrenbaum. sind aber auch in die Darstellungen zahlreiche eigene und zum großen Teil noch unveröffentlichte Beobachtungen des Verfassers eingeflochten und durch beigegebene Original-Abbildungen erläutert. Freilich soll ein Teil der Original- figuren bereits Bekanntes nur in neuer Form illustrieren; in vielen Fällen aber, die dem Eingeweihten nicht entgehen werden, geben die Originalabbildungen bisher unbekannte Entwickelungsstadien wieder, die durch die intensivere Tätigkeit des Reichsforschungsdampfers „Poseidon" und durch die Verbesserung der auf demselben verwandten Netze und Fischereigeräte in den letzten Jahren dem Studium in kaum geahnter Menge zugänglich gemacht worden sind. Für die systematische Anordnung der Formen ist das vortreffliche Hand- buch von F. A. Smitt, „A History of Scandinavian Fishes" zu Grunde ge- legt, welches die zweite Auflage des älteren gleichnamigen Werkes von B. Fries, C. U. Ekström und C. Sundevall darstellt und 1893—95 in Stockholm und Berlin erschienen ist. Farn. Labridae. Lippfische. Die Lippfische sind Bewohner der heißen und gemäßigten Zonen, fehlen aber im arktischen Gebiet. Sie bevorzugen den Aufenthalt zwischen pflanzen- bewachsenen Felsen und halten sich in mittleren Tiefen auf, selten tiefer als 30 Faden. Die Zahl der nordatlantischen Arten ist klein im Verhältnis zur Menge der Mittelmeerformen; erstere kommen fast alle (ausgenommen L. exoletus L.) auch im Mittelmeer vor. Die Laichzeit der Labriden fällt in die Frühlings- und Sommermonate. Die meisten Arten produzieren Eier, die einzeln am Grunde liegen oder kleben, oder auch in Nestern vereinigt sind; eine kleinere Zahl hat planktonische Eier zum Teil mit einer Ölkugel (Coris, Julis), zum Teil ohne eine solche (Ctenolabrus, Tautoga). In jedem Falle sind die Eier klein und selten mehr als 1 mm im Durchmesser. Folgende Labriden der nordeuropäischen Meere, welche wahrscheinlich alle nichtplanktonische Eier erzeugen, sind in ihren zweifellos dem Plankton angehörigen Larven-Formen noch unbekannt. Labrus (Acantholabrus) palloni (Risso) bevorzugt den Aufenthalt in größeren Tiefen als andere Lippfische und ist deshalb bisher selten beobachtet. Labrus mixtus (L.) Kr. kommt an allen europäischen Küsten — mit Ausnahme des Eismeeres und der Ostsee — vor, wenn auch nicht so häufig wie im Mittelmeer. Die Laichzeit dauert wahrscheinlich vom Mai bis August. Die Eier werden in Nestern abgelegt (nach Moreau). Labrus (Centrolabrus) exoletus L., eine kleine, nur sporadisch beobachtete Art, welche nur in den nordischen Gewässern vorkommt, nicht jedoch bei Grönland, obwohl Fabricius dies vermutet. Labrus (Crenilabrus) melops L., nächst L. rupestris, eine der häufigeren Formen, welche vereinzelt auch in der westlichen Ostsee beobachtet ist. Nach Kröyer (Danmarks fiske I. 521) findet eine Art Begattung statt; nach Gerbe (Rev. et mag. zool. 2 ser. XVI p. 337) baut diese Art Nester, meist aus Fucus-Stücken, in welchen die Eier in großer Zahl einzeln und lose, d. h. ohne angeklebt zu sein, liegen. Nach Holts Beobachtung an der irischen Küste (an Ovarialeiern) — Scient. Transact. R. Dublin Soc. 2. s. vol. IV. (1891) p. 450 — sind die Eier ca. 0,80 mm groß. Am ehesten zu erwarten ist die Beobachtung der planktonischen Larven von L. mixtus und L. melops. Dieselben werden zweifelsohne dem unten er- wähnten L. berggylta und den bisher nur aus der Adria bekannt gewordenen Larven von L. (Crenilabrus) pavo Brunn und L. tinca Val. gleichen. Vgl. List J. H., Zeitschr. f. wiss. Zool. XLV (1887) taf. 33, Fig. 38 und 39. I 6 E. Ehrenbaum. Labrus berggylta Asc. (syn: L. maculatus Bloch, L. lineatus Donov., L. ballan Walb. u. a. L. pusillus Jenyns u. Crenilabrus multidentatus Thompson -juvenes). 1884. Mc. Jntosh, W. C. Report of the Scotch trawling commission p. 28. (Jugendformen v. 9 — 20 mm.) 1887. Matthews, D. 5*'^ annual rep. fishery board Scotld. p. 245 pl. XI. 1888. Mc. Jntosh, W. C, 6^^ annual rep. fish, board f. Scotld. p. 268. 1893. Holt, E. W. L. Scientif. Transact. Roy. Dublin soc. 2. ser. V. p. 48 pl. Vll. Fig. 54 (wohl irrtümlich bestimmt, gehört vielleicht zu Ammodytes lanceolatus). An den europäischen Westküsten nordwärts bis Bergen nicht selten, namentlich an den britischen West- und Südküsten, ganz vereinzelt auch in der westlichen Ostsee beobachtet. Laichzeit Mai bis Juli. Eier von 1,01 — 1,14 mm Durchmesser kleben lose verstreut an Pflanzen, die zu Nestern vereinigt in Felsspalten stecken. Die ausschlüpfende Larve ist 3,75 mm lang mit gelbem und schwarzem Pigment auf den vorderen ^/;j des Körpers. Zwei Reihen dichter schwarzer Flecken verlaufen auf jeder Seite; je eine derselben liegt von oben gesehen unmittelbar neben der Chorda, die andere mehr seitlich; dabei fallen auf jedes Muskelsegment jederseits 4 also im ganzen 8 Pigmentflecke; die dorsalen Reihen derselben sind gegen die anderen leicht nach vorn verschoben. Von der Seite gesehen bilden die Pigmentflecke undeutlich rautenförmige Figuren. Fig. 1. Labrus berggylta Asc. Larve einen Tag alt, 3,8 mm lang, schottische Westküste, nach D. Matthews. Pigment schwarz und gelb. Auch auf dem embryonalen Flossensaum, besonders im vorderen Teil, sind unregelmäßig verstreute zarte schwarze Pigmentpunkte vorhanden. Neben dem schwarzen ist gelbes Pigment vorhanden in sehr ähnlicher Verteilung. Auf jedes Muskelsegment entfallen jederseits je 2 gelbe Flecke, der After liegt etwas hinter der Körpermitte. Altere Larven von 9— 12 und von 18— 23 mm Länge sind an der schot- tischen Küste im August und September beobachtet worden. Die Grundfarbe der kleineren ist grünlichbraun mit verschiedenen Bändern und Flecken in weiß und braun. So hat z. B. der Kopf 2 halbmondförmige weiße Flecke; ein andrer solcher Fleck liegt vor der Rückenflosse. Ein braunes Band ver- Fam. Labridae. I 7 läuft von der Augenmitte vorwärts zur Kopfspitze, ein andres nach unten und vorn; außerdem befinden sicii mehrere braune Flecke auf dem Kopfe. Die Augen sind blaßgrün, oben mit goldenem Bogen und einem braunroten Band, welches die Pupille umgibt. Der Körper ist auffällig mit 8 weißen Flecken gezeichnet, der erste nahe den Brustflossen, der letzte auf der Basis der Schwanzflosse; alle liegen oberhalb der Seitenlinie; über dem ersten liegen wieder 5 opakweiße Flecke und weitere 4 befinden sich längs des ventralen Randes, davon 2 in der Basis der Analflosse. Zwei schöne braune Flecke liegen in der Mitte zwischen Bauchflossen und After; braune Bänder finden sich ferner an der Basis der Brustflossen, auf den ersten Strahlen der Bauch- flossen und auf den ersten 2 Strahlen der Analflosse. Außerdem sind noch mehrere kleinere weiße und braune Flecke vorhanden. Die Brustflossen sind groß, etwas durchsichtig und in lebhafter vibrierender Bewegung wie bei Syngnathiden. Bei Jungfischen von 18 mm Länge ist bereits die Seitenlinie sichtbar und Schuppen sind vorhanden. Labrus (Ctenolabrus) rupestris (L.) (syn: Crenilabms rupestris Cuv., Labrus suillus L.) 1877. Malm, A. W. Göteborg och Bohusläns fauna p. 479 Taf. 2 Fig. 1. 1891. Holt, E. W. L. Scient. Transact. R. Dublin Soc. 2. s. IV. p. 465 Fig. 23, 24, 28—30. 1899. Holt, E. W. L. Ann. d. mus. d'hist. nat. de Marseille. V, 2. p. 61. pl. V. Fig. 49 pl. IX. Fig. 102. (Fig. 49 gehört sicher nicht hierher.) 1900. Heincke, Fr. u. E. Ehrenbaum. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgo- land, Bd. III, p. 266, Fig. 17. Der häufigste und weitest verbreitete von allen europäischen Labriden ist im Mittelmeer sowie an den westeuropäischen Küsten überall auf Felsgrund (z. B. auch bei Helgoland) häufig, und dringt in der Ostsee bis zur pommer- schen Küste vor. Laichzeit Mai bis August, im englischen Kanal schon im April beginnend. In der Nordsee finden sich die Eier nur in Küstennähe und fehlen auf der offenen See. Eier einzeln frei schwimmend mit homogenem Dotter ohne Öltropfen, Durchmesser 0,72 bis 0,94 mm (an der englischen Südküste bis 1,01 be- obachtet). Die Eihaut zeigt bei stärkerer Vergrößerung ein welliges Aussehen; die Mikropyle hat die Form einer central durchbohrten kleinen Scheibe von 0,02 mm Durchm. Embryonales Pigment in Form ziemlich gleichmäßig über den Körper verstreuter schwarzer Punkte tritt hervor, wenn der Embryo etwa zwei Drittel der Dotterperipherie umspannt und nimmt bis zum Aus- schlüpfen nur unwesentlich an Intensität zu. Die Inkubationsdauer ist sehr kurz und reduziert sich bei hoher Sommertemperatur (15,5 C.) bisweilen auf 48 Stunden. In solchem Fall haben die anscheinend vorzeitig ausgeschlüpften ca. 2 — 2,2 mm langen Larven (Fig. 2 b) einen stark gewölbten und nach vorn den Kopf der Larve überragenden Dottersack von nahezu 1 mm Länge. Das Pigment ist wie im Embryo verteilt, die Chorda ist einzeilig, der After liegt in I 8 E. 'Ehrenbaum. der hinteren Körperhälfte und vom Hinterrand des Dotters erheblich entfernt. Der vordere Ansatz des dorsalen Flossensaums liegt auffallend weit nach hinten. Die Resorption des Dotters vollzieht sich in etwa 8 Tagen; dabei sammelt sich das anfangs verstreute Pigment in 4—5 ventral belegenen Gruppen, von denen eine dichtere die Aftergegend einnimmt, während 2—3 in gleichen Abständen dahinter im Schwanzteil liegen, im Vorderkörper er- scheint das Pigment im Verlauf des Darms, im Stirnteil und in den Augen. Die dorsale Hälfte des Körpers bleibt überhaupt pigmentfrei. Fig. 2. Labrus rupestris (L). a) Planktonisch gefischte Eier vom 7./6. 94 Dm. 0,91 mm, Helgoland (nach Heinckeund Ehrenbaum) und vom 22.,6. 90 Dm. 0,84mm, irische Küste (nach Holt 1891). b) Larve eben ausgeschlüpft 2,2 mm lg. vom 8./6. 94, Helgoland. cu.d) „ von 2 U.8 Tagen 3,14 mm lg. vom 15.;6. 96 und 13.J. 95, Helgoland. b— d) nach Heincke und Ehrenbaum, e) Jungfisch 9 mm lang vom I7./7. 98, Helgoland. Original. Pigment bei a bis d nur schwarz, bei e außerdem auch gelb und rot. Die Körperlänge der Larve nach Abschluß der Dotterresorption beträgt etwa 3,14 mm, wovon 1,48 auf die Entfernung von der Kopfspitze bis zum Fam. Labridae. T 9 After entfallen. Bei etwas älteren Larven ist über dem vorderen Teil des Darmes die Anlage einer Schwimmblase sichtbar. Die Chorda ist in diesem Stadium nur noch in ihrem vordersten Teile einzeilig geblieben. Schon bei einer Körperlänge von 4 — 5 mm machen sich die ersten Spuren der Flossenstrahlenbildung bemerkbar. Malm bildet ein Fischchen von 4,5 mm Länge ab von Christineberg, bei welchem fast alle Strahlen schon angelegt oder ausgebildet sind. In der Nordsee pflegen Fischchen dieses Entwickelungsstadiums 6 — 7 mm lang zu sein. Die von Holt (1. c. Fig. 49) abgebildete 6 mm lange Larve, welche bei Fowey (Cornwales) gefangen wurde, ist in Form und Pig- mentierung so abweichend von anderen zuverlässig bestimmten Jungfischen von C. rupestris, daß sicher ein Irrtum in der Bestimmung vorliegt. Schon bei einer Körperlänge von 8 mm an haben die jungen Fischchen die Form des aus- gebildeten Tieres fast vollkommen erreicht; sehr charakteristisch ist in diesem Stadium eine große schwarze Pigmentzelle über dem letzten Strahl der After- flosse und eine etwas kleinere an der Basis der Schwanzflosse. Außer diesem beschränkt sich das schwarze Pigment auf das Peritoneum (besonders in der Gegend der Schwimmblase), Stirn- und Kehl-Gegend, die kleinen Bauchflossen- anlagen und einen minimalen Präanalflossen-Rest. Ferner ist lebhaft rotes Pigment in der centralen und gelbes in der dorsalen Körperhälfte vorhanden, längs der Basis des dorsalen Flossensaumes 3 braungelbe Flecken. Wenig ältere Stadien (von 10 mm an) zeigen eine bedeutend vermehrte, sehr lebhafte und abwechselnd nuancierte Pigmentierung. Damit ist auch die definitive Form des Fisches und Anordnung der Flossenstrahlen erreicht. Die nordamerikanische Art Ctenolabrus adspersus Walb. (^coeruleus Storer) verhält sich in ihren Eiern und Larven durchweg ebenso wie L. rupestris (vgl. Agassiz, Proceed. Americ. acad. arts and seien ces vol. XVII (1882) p. 290. pl. XIII— XV mit einer großen Zahl von Larvenstadien, welche denen von L. rupestris sehr ähnlich sind, und Agassiz and Whitman, Memoirs mus. comp. zool. Harvard College volXIV,! pt. I (1885) p. 18—21 pl. VIl— IX). Auch Tautoga oniti s L. (- americana Storer) ist sehr ähnlich und nur in der Pigmentierung der Larve etwas abweichend. (Ebenda p. 21—3 pl. X— XI.) Agassiz und Whitman glauben, daß diese beiden Formen andrer- seits den amerikanischen Flunderarten PI e uro nectes americanus Walb. und Paral- ichthys dentatus(L)(Pseudorhombusmelanogaster Stein.) in ihren Eiern und Larven so vollkommen gleichen, daß eine Trennung nur schwer gelingt. Indessen ist nicht zu bezweifeln, in Ansehung der Abbildungen bei Agassiz 1. c. pl. VI,1— 4 und bei Agassiz and Whitman 1. c. pl. XVI, daß die Unterscheidung dieser Arten den genannten Autoren in noch viel geringerem Maße gelungen ist, als sie selber glauben, und daß auch alle dem Pleur. americanus zugeschriebenen Eier und Larven (pl. XVI) in Wirklichkeit von einem der beiden hier erwähnten Labriden abstammen, während sie selber dies nur für die bei Agassiz pl. VI, 1—4 abgebildeten Formen von angeblich Pseudorhombus melanogaster annehmen. Coris Julis L. (syn: Labrus julis L Julis vulgaris Flem. Julis festiva Cuv.J 1888. Raffaele, F. Mitteil. Zool. Station NeapeL VIII. p. 35 tav. I. Fig. 31 tav. II. Fig. 18, 19. 1 899. H 1 1 , E. W. L. Ann. d. mus. d'hist. nat. de Marseille V,2 p. 62 pl. IX Fig. 1 03. I 10 E. Ehrertbaum. Dieser glänzend gefärbte Fisch ist im Mittelmeer ebenso gemein wie in den nordischen Meeren selten. Er ist in den britischen wie in den skandi- navischen Gewässern nur wenige Male beobachtet worden; seine Eier und Larven sind nur aus dem Mittelmeer bekannt. Die schwimmenden Eier sind sehr klein, 0,60—0,67 mm im Durchmesser, mit einer Ölkugel von 0,12—0,14 mm versehen, welche farblos, aber auch gelblich oder kupferrot sein kann. Die Entwicklung verläuft sehr schnell; im Embryo und in der ölkugel tritt spärliches schwarzes Pigment auf. Die ausschlüpfende Larve ist ca. 2.5 mm lang, hat einen ovalen 1,8 mm langen Dottersack, in dessen vorderstem Teil die Ölkugel über den Kopf der Larve nach vorn herausragt. Die Pigment- zellen sind schwarz und außer auf der ölkugel in 2 dorsalen Reihen auf dem Körper der Larve geordnet, sodaß sie der Pigmentierung von Tautoga onitis sehr ähneln. Besonders charakteristisch ist, daß der dorsale wie der ventrale Flossensaum der Larve am Rande eigentümlich gezähnelt ist. Der After liegt etwas hinter der Körpermitte. Fig. 3. Cor is j Ulis L. a) Embryo mit schwarzem Pigment, Durchm. 0,65 mm, Neapel, nach Raffaele. b) Larve eben ausgeschlüpft, 2,47 mm Ig. Marseille, nach Holt. Pigment nur schwarz. Holt hat (1. c. p. 63 Fig. 104 und in Scient. transact. Roy. Dublin Soc. 2s vol IV. (1891) p. 467 Fig. 16 und 43—45) mehrmals an der irischen Westküste und auf der Höhe von Plymouth im Juni bis August ein Ei von 0,78—0,84 mm mit Ölkugel von 0,13—0,15 mm beobachtet, aus dem eine der vorbeschriebenen Coris in jeder Beziehung ähnliche Larve ausschlüpfte; nur fehlte jene charakteristische Zähnelung des embryonalen Flossen- saumes, und die Eier waren also etwas größer als die im Mittelmeer beobachteten Coris-Eier. Obwohl es sehr wahrscheinlich ist, daß diese Eier und Larven einem Labriden zugehören, so kann man über die Art, welche in Betracht kommt, doch nur sehr unsichere Vermutungen hegen. Von den eingangs erwähnten Labriden, deren Eier man noch nicht kennt, könnten etwa L. palloni und exoletus in Betracht kommen. Indessen haben beide nicht viel Wahrscheinlichkeit für sich. Fam. Percidae. Barsche. Perca fluviatilis L. (syn: Perca vulgaris Gronov., P. italica Cuv., P. americana Schrank, Bodianus flavescens Mitsch.) 1836. Rusconi, M. Müllers Archiv f. Anatomie u. Physiologie, Jahrgg. 1836 S. 287 Tab. XIII Fig. 22 u. 23. 1855. Sundevall, C. J. Kgl. Vetensk. Akad. Handl. Stockholm Bd. I p. 9- 11 pl. II Fig. 1—6. 1877. Malm, A. W. Göteborgs och Bohusläns Fauna p. 378, Taf. III. Obwohl ein spezifischer Süßwasserfisch kommt der Barsch doch auch in der See vor und zwar besonders im Frühjahr zur Laichzeit in größeren Mengen; an den Küsten und in den Buchten der westlichen Ostsee sowohl wie bei den dänischen Inseln, im schwachsalzigen Wasser von Pommern, Preußen, Schweden, Bornholm, Gotland, im bottnischen und finnischen Meerbusen. Die Eier werden im April und Mai abgesetzt; das Ausschlüpfen erfolgt bei 10 — 120 Q in etwa 18 Tagen. Die Eier kleben in Schnüren oder liegen lose auf Pflanzen, bisweilen sollen sie auch treiben und vergrößern sich wäh- rend der Entwicklung auf 3,5 mm, d. i. etwa das Doppelte ihres ursprünglichen Durchmessers. Die ausschlüpfenden Larven sind 5 — 5,5 mm lang, liegen in der ersten Zeit meist still oder schwimmen nur stoßweise umher. Der große Dotter ist fast wasserhell oder gelblich und enthält vorn eine große Ölkugel; der After liegt etwas vor der Körpermitte (nach Sundevall dagegen dahinter); die Brustflossen entbehren noch der Strahlen; Blutkörper fehlen noch. Die 3 Tage alte Larve ist etwa 6 mm lang; das Wachstum ist fast nur dem Schwanzteil zugute gekommen, so daß der After jetzt deutlich vor der Körpermitte liegt. Flossenstrahlen und Blutkörper fehlen noch. Letztere zeigen sich zuerst bei der eine Woche alten Larve. Pigment ist spärlich vor- handen. Die 16 Tage alte Larve ist auch nur wenig mehr als 6 mm lang. Der Dotter nebst der Ölkugel ist stark vermindert; der Unterkiefer verlängert; die Flossensäume sind noch ohne Strahlen aber hinter dem After und in der Schwanzplatte verbreitert. Bei der 9 — 10 mm langen Larve sind zahlreiche Pigmentzellen aufgetreten, besonders im Peritoneum und in der Schwimmblase, aber auch auf dem Kopf und in allen Körperteilen, im Schwänze auf die hypurale Schwanzflosse aus- strahlend. Flossenstrahlen sind nur in den Brust- und in der Schwanzflosse I 12 E. Ehrenbaum. Fig. 4. Perca fluviatilis L. a) Larve eben ausgeschlüpft V.24./5. 1854. 5 mm lang b) c) d) V. Anlage der Bauchflossen. nach Sundevall vom 22./5. 02 aus der Züchterei in Reckahn drei Tage alt v. 3I./5. 1854. 6mm lang ( von 9,5 mm ^ vom 22./5. 02 aus der Zt „ 12,6 „ J bei Brandenburg. Originale. schwach angedeutet; Bauchflossen und 1. Rückenflosse fehlen noch vollständig. Der Dotter ist gänzlich resorbiert. Die 12 — 13 mm lange Larve, etwa 1 Monat alt, zeigt die Pigmentierung in der vorher angedeuteten Weise, jedoch ist auf dem Körper schon eine Gruppierung in Querstreifen erkennbar; die Schwimmblase ist groß. In den unpaaren Flossen sind mehr oder weniger alle Strahlen ausgebildet, nur in der als schmaler Saum vorhandenen 1. Rückenflosse noch fehlend; die Anlagen der Bauchflossen sind deutlich, wenn auch noch klein; auch ist noch eine an- sehnliche Präanalflosse vorhanden. Ein 25 mm langes Fischchen ist noch durchscheinend, obwohl die früher erwähnte Pigmentierung noch intensiver geworden ist. Die Anord- nung des Pigments in Quer- Binden ist erkennbar; die schwarzen Flecke der Rückenflossen aber und die rote Farbe der Bauchflossen ist noch nicht vorhanden; die Präanalflosse ist verschwunden; die Schwimmblase ist ver- längert, sodaß sie fast bis zum After reicht. Die Schwanzflosse ist schon ein- gebuchtet. Alle Wirbel und Flossenstrahlen sind ausgebildet: D: 13 — 16 -f 15—17 A: 9—12 Vert.: 21 -f 20—21. Ein jüngeres Individuum von 17 mm Länge zeigt schon ziemlich dieselbe Entwicklungsstufe. Farn. Percidae. I 13 Stizostedium lucioperca (L.) (syn: Perca lucioperca L, Lucioperca sandra Cuv., Perca volgensis Pall.) 1887. Ryder, J. A. Report U. S. Fish Commission f. 1885 pt. XIII p. 519. Fig. 45. 1903. Borodine, N. Study of young fishes and fishlarvae p. 1 — 16 Fig. 1 — 4 (in No. 8 des „Nikolsk Fish Hatchery" Journal, russisch.) Der Zander ist im östlichen Teile der Ostsee als Seefisch nicht selten und ist hier sowohl an der schwedischen wie an der finnischen Küste be- obachtet worden, während er im bottnischen Meerbusen fehlt. Fig. 5. Stizostedium lucioperca (L.) a) eben ausgeschl. künstlich gezüchtete Larve vom 15.5. 02. 5,5 mm lg. Oberförsterei Siehdichum, Mark Brandenburg. Original. b) Larve vom 2./5. 00; 6,5 mm lg. Fischzuchtanstalt Nikolsk Rußland. c) d) e) 12,5 15 19,5 b— e nach Borodine. I 14 E. Ehrenbaum. Die Laichzeit dauert von Ende April bis Mitte Juni. Der hellfarbige Laich klebt an Steinen und Pflanzen meist in Tiefen von nicht unter 10 — 16 Fuß. Die eben ausgeschlüpfte Larve des Zanders ist ca. 5,5 mm lang mit großer ölkugel im vorderen Teil des Dotters; der After liegt eine kleine Strecke, reichlich 0,5 mm, vom hinteren Dotterrande entfernt. Die Brustflossen sind angelegt. Pigment fehlt noch fast völlig namentlich auch in den Augen. Nur an der unteren Körperkontur hinter dem After sind einige zarte schwarze Pünktchen sichtbar. Diese letztere Pigmentreihe wird während der Dotter- resorption wesentlich intensiver, und die Brustflossen nehmen an Größe sehr zu. Einige ältere Stadien hatBorodine beschrieben und abgebildet. Bei 6,5 mm Länge sind die Flossenstrahlen in der Afterflosse und der zweiten Rückenflosse angelegt, während die Schwanzflosse den embryonalen Charakter noch bewahrt hat (Fig. 5b). Bei 12,5 mm Länge ist aber die hypurale Schwanz- flosse auch ausgebildet und im Begriff unter der aufgebogenen Urochorda endständig zu werden (Fig. 5 c). Dieser Prozeß ist bei einem 15 mm langen Exemplar nahezu abgeschlossen, während von der ersten Rückenflosse in diesem Stadium nur eben die erste Spur sichtbar ist (Fig. 5d). Bei 20 mm Länge (Fig. 5e) ist dann endlich auch diese Flosse soweit entwickelt, daß ihre Strahlen- zahl erkennbar ist, und jetzt scheint nur noch die Entwicklung der Bauchflossen auszustehen. D: 12—16-1-21—26 A: 13—16 Vert: 26-1-22. Acerina cernua L. (syn: Perca cernua L, Acerina vulgaris Cuv.J 1894. Ehrenbaum, E. Wissenschaftl. Meeresuntersuchungen, Abt. Helgoland. Bd. I S. 63 Taf. II Fig. 16—22. Der Kaulbarsch ist eigentlich ein Süßwasserfisch und meidet, wo er in der See vorkommt, stärker gesalzenes Wasser; er findet sich daher in der westlichen Ostsee nur in brakischen Buchten; im östlichen Teil dieses Meeres ist er in den Haffen der preußischen Küste sowie im finnischen und bottnischen Meerbusen häufig. Er laicht etwa gleichzeitig mit dem gemeinen Barsch im April und Mai, im Süden etwas früher, im Norden später. Die Larven schlüpfen bei einer Temperatur von 10 — 12 ^ C. in etwa 12 Tagen aus den am Grunde klebenden gelblichen Eiern von etwa 0,95 mm*) Durchmesser aus. Ihre Gesamtlänge beträgt etwa 3 mm, wovon 1,2 mm auf den Dottersack entfallen, auf dessen Oberfläche sternförmige Pigmentzellen ziemlich gleichmäßig verteilt sind, während im vorderen Teile eine große öl- kugel von nahezu 0,4 mm liegt. Die Augen sind zunächst noch ohne Pigment; der After liegt dicht hinter dem Dottersack; die Brustflossen sind bereits vor- handen, aber äußerst zart und ziemlich klein. *) Anm. Die hier gegebenen Maße beziehen sich alle auf den Kaulbarsch der Elbe. Fam. Percidae. I 15 Fig. 6. Acerina cernua L. a) Larve, 5 Tage alt, 4,2 mm lang, vom 11. /5. 93. Elbe. Nach Ehrenbaum. b) „ 12 mm lang, vom 4./6. 93. Elbe. Original. Pigment: schwarz, orangegelb und rot. Larven von 5 Tagen sind etwa 4,2 mm lang, wovon 1,65 mm auf die Entfernung von der Kopfspitze bis zum After entfallen. Die Augen sind dunkel, und außer dem vorerwähnten Pigment des Dottersackes ist eine Reihe von Pigmentsternen längs der Basis des Afterflossensaumes aufgetreten. Das Blut beginnt sich zu färben, die Brustflossen sind sehr vergrößert und werden leb- haft gebraucht. Die 14 Tage alten Larven von etwa 6 mm Länge besitzen nur noch einen spärlichen Rest des Dotters und der Ölkugel; die Pigmentierung ist sehr viel brillanter geworden; Gehirn und Rückenmark sind oberflächlich mit prächtig orangegelben, der Eingeweidesack mit lebhaft roten Pigmentflecken belegt, welche überall mit schwarzen Zellen vergesellschaftet sind. Letztere finden sich außerdem reichlich im Peritoneum. Das Blut ist lebhaft gefärbt. Larven von 9 mm Länge zeigen im wesentlichen dasselbe Aussehen; die unpaaren Flossensäume ermangeln noch der Strahlen, nur auf der Unter- seite des Schwanzes gelangen einige hypurale Knorpelstücke als Basis der definitiven Schwanzflosse zur Ausbildung. Bei 12 mm langen Larven ist die Schwanzflosse ziemlich fertig gebildet; in der Analflosse und in der zweiten Rückenflosse erscheinen die Anlagen der Flossenstrahlen, während dieselben in der ersten Rückenflosse noch mehr oder weniger vollständig fehlen; letztere ist überhaupt nur als langer und sehr niedriger Saum vor der 2. Rückenflosse bemerkbar. Die Pigmentierung ist gegen früher im wesentlichen unverändert. Die Kiefer sind durch den Besitz zahlreicher spitziger Zähnchen ausgezeichnet. Eine erhebliche Anzahl nicht mind.ir spitzer aber etwas größerer Zähne steht zu beiden Seiten (oben und unten) des Schlundeinganges, wie man auf Balsampräparaten leicht erkennt. Auf dem Kiemendeckel ist ein Besatz von kleinen Stachelspitzen sichtbar. Der After liegt nur wenig vor der Mitte des Körpers. Die Brustflossen sind verhältnismäßig klein und ihre Strahlen noch ebenso undeutlich wie diejenigen 1 16 E. Ehrenbaum. der unpaaren Flossen. Unterhalb der Brustflossen sind die kleinen Anlagen der Bauchflossen sichtbar. Die Wirbel sind in definitiver Zahl erkennbar. Auch Larven von 15—19 mm Länge (Mitte Juni) haben noch eine sehr niedrige erste Rückenflosse und entbehren noch des Schuppenkleides. Doch sind alle Flossenstrahlen und Wirbel in definitiver Zahl ausgebildet: D: 12—14 _|_ 11 — 14 A: 7—8. Vert.: 15-f 20— 21. Die Färbung des ausgebildeten Fisches ist durch weitere Pigmentansammlungen auf dem Rücken entsprechend den späteren dunklen Bändern und Flecken, sowie auch durch einen zarten Silber- glanz in der Bauchgegend angedeutet. Roccus labrax (L.) (syn: Perca labrax L, Centropomus lupus Lacep., Labrax lupus CuvJ 1888. Raffaele, F. Mitteil. Zool. Station Neapel Vlll. p. 14. tav. I, 1—4 IV, 1. 2, 6. 1898. Holt, E. W. L. and L W. Byrne, Journal mar. biol. assoc. n. s. V p. 333. Im Bereich der nordischen Meere ist die südliche Nordsee und nament- lich der englische Kanal das einzige Gebiet, auf welchem der Seebarsch in bemerkenswerten Mengen vorkommt. Die Laichzeit fällt nach Couch in die Monate Juli und August, nimmt aber nach neueren Beobachtungen (Holt) vielleicht schon im Mai ihren Anfang. Holt fand, daß die unbefruchteten Eier eines großen (70 cm) seit lange im Aquarium zu Plymouth lebenden Weibchens Durchmesser von 1,25 bis 1,34 mm mit einer großen ölkugel von 0,39 — 0,40 mm hatten. Völlig norinale Eier, die nur im Mittelmeer beobachtet sind, waren dagegen nur 1,15 bis 1,2 mm groß mit einer ölkugel von 0,33 — 0,37 mm. Im Embryo entwickelt sich sehr zeitig schwarzes Pigment in ziemlich großen unregelmäßigen Zellen, und unmittelbar darauf tritt auch gelbes (im durchfallenden Licht braunes) Pigment auf, welches sich im weiteren Verlauf so vermehrt, daß es das schwarze ziemlich verdeckt. Die Pigmentierung ist reich und dicht und erstreckt sich auch auf die Hülle der ölkugel und an- scheinend auch auf den Dottersack. Die ausschlüpfende Larve ist nur 2,5 mm lang, vergrößert sich aber schnell auf ca. 3,9 mm. Die ölkugel liegt am hinteren Rande des Dottersackes. Die Augen sind zunächst noch durchsichtig, Brust- flossen fehlen; der After liegt eine erhebliche Strecke hinter dem Dottersack. Das Pigment ist am dichtesten auf der hinteren Körperhälfte und zwar in ca. 3 Anhäufungen vertreten, läßt dagegen die Flossensäume frei. Am 6. Tage ist die Larve etwa 4,8 mm lang, die Augen sind schon ziemlich dunkel, den größten Teil des restierenden Dottersackes nimmt die große ölkugel ein, die Schwimmblase ist bereits deutlich. Bei älteren Larven von 10 Tagen und darüber, bei denen die Blut- zirkulation erkennbar ist, zeigt das Pigment eine Tendenz, sich im ventralen Teil des Körpers zu sammeln. Möglicherweise laicht der Seebarsch, wie schon Raffaele vermutet, ebensowohl im Süßwasser wie in der See; im ersteren Falle würden die Eier dann zu Boden sinken. Fam. Percidae. I 17 Fig. 7. Roccus labrax (L.) a) Embryo vom 4./2. 99, Eidurchm. 1,17 mm \ Rovigno an der Adriaküste (Identifizierung b) „ „ 6.12. 99, I nicht völlig sicher). c) Larve „ 7./2. 99, eben ausgeschlüpft; | Originale. 3,75 mm lg. ) d) Larve, ca. 2 Wochen alt; Neapel, nach Raffaele. Pigment schwarz und gelb (im durchfallenden Licht braun), letzteres zunehmend. Jedenfalls konnten die Eier und Larven brakisches Wasser gut vertragen (vgl. auch Holt 1, c). In dieser und in andrer Hinsicht verhält sich der nahe verwandte Roccus line- atus (Blochj von der atlantischen Küste der Vereinigten Staaten, welcher über 3 mm große zu Boden sinkende und Maifisch ähnliche Eier ablegt, offenbar sehr ähnlich. Die Abbildung, welche Ryder gibt (Rep. U. S. fish comm. XIII. (1887) p. 503) zeigt vollkommen den Charakter der europäischen Roccus-Larven. Man darf daher mit Ryder annehmen, daß die zahlreichen Abbildungen, welche Agassiz von Larven und Jungfischen des Labrax (-Roccus) lineatus gibt fProceed. Americ. acad. arts and sciences vol XVII (1882) p. 274 pl. I pl. II fig. 3—4) mehr oder weniger ausnahmslos einer anderen Fischart zuzurechnen sind. Selbst die Larven der zwar verwandten aber doch schon stärker abweichenden Morone americana (Gmel.) (vgl. Ryder 1. c. p. 518 pl. IX), welche aus sehr kleinen, im Süßwasser am Grunde klebenden Eiern stammen, zeigen gewisse allgemeine Charakterzüge der Roccus-Larven deutlicher als die von Agassiz abgebildeten Formen. Nord. Plankton 1 2 I 18 E. Ehrenbaum. Polyprion americanum (Bl. Sehn.) (syn. Polyprion cernium Val., Ampfiiprion americanus BL, Epinephelus oxygineios Bl.) 1886. Emery, C. Mitteilungen d. zool. Station Neapel VI. p. 155 tav. 10 fig. 14. Eine in den nordischen Gewässern sehr seltene, an den britischen Süd- küsten etwas häufiger beobachtete Form, welche ihre Hauptverbreitung in der Tiefe der südeuropäischen Gewässer hat. Die Eier und Larven sind nicht be- kannt. Emery hat einen von der ausgebildeten Form wenig abweichenden Jungfisch abgebildet. Fig. 8. Polyprion americanum (Bl. Sehn.), lungfisch vom April 1877, 14 mm lang. Neapel, nach Emery. Serranus. cabrilla (L.). Csyn. Perca cabrilla L, Holocentrus virescens Bl., Lutjanus serranus Lacep., Serranus marinus RissoJ. 1888. Raffaele, Fed. Mitt. a. d. zool. Station Neapel, Vlli. p. 19. tav. 1 Fig. 5. tav. II Fig. 1 u. 3. 1899. Holt, E. W. L. Annales d. mus. d'hist. nat. de Marseille, V, 2 p. 11 pl. IV Fig. 33 — 40 (Larven v. S. hepatus (?) und Serranus spec. var. ?) Diese Form ist im Gebiet der nordischen Meere nur im englischen Kanal häufig; an der schottischen Ostküste ist sie vereinzelt beobachtet; die Laich- zeit fällt hier wahrscheinlich (nach Day) in die letzten Sommermonate. Eier und Larven sind nur aus dem Mittelmeer bekannt, wo sie im Mai und Juni angetroffen werden. Das treibende Ei ist 0,90 mm groß mit einem Öltropfen von 0,15 mm. Das embryonale Pigment erscheint etwas später als bei Roccus labrax, aber in ähnlicher Ausbildung gelb und schwarz; das Aus- schlüpfen der Larve erfolgt vorzeitiger als bei jener Art; der ellipsoidische Dottersack überragt nach vorn die Kopfspitze, die ölkugel liegt in der Mitte seines unteren Randes; eine präanale Flosse ist in ähnlicher Weise wie bei Roccus ausgebildet. Der ursprünglich farblose embryonale Flossensaum erhält im Verlauf der Entwicklung alsbald einige charakteristische blaßgelbe bis weißliche Fam. Percidae. I 19 äußerst fein verzweigte Pigmentflecke. Auch das bestimmt angeordnete Körper- pigment erfährt in den ersten Lebenstagen eine weitere Entwici i) Jungfisch von 14 mm Länge. Plymouth. September 1897. nach Holt 1. c. 1899. Pigment: neben d. schwarzen gelbes: in der Muskulatur über dem Eingeweidesack in die 1. Dorsale ausstrahlend, in den sechs Strahlen der Bauchflossen und im Eingeweide- sack selbst, wo es gelbrot und metallisch glänzend ist. I 40 E. Ehrenbaum. schlüpfen beginnen die Augen dunkel zu werden, das schwarze Pigment tritt gegenüber dem gelben stärker hervor; die öltröpfchen sind fast völlig ver- schwunden. Bisweilen scheint jedoch das Ausschlüpfen schon etwas früher zu erfolgen. Jedenfalls tritt bald nach dem Ausschlüpfen der 3,27 bis 3,40 mm langen Larve das gelbe Pigment gegen das schwarze mehr oder weniger vollständig zurück, während der Dottersack schnell resorbiert wird. Nur an einigen Punkten der Flossensäume, besonders des dorsalen bleibt es mit mattem Ton erhalten und auch durch den dichten Pigmentbelag des Peritoneums scheint es hindurchzuschimmern. Der After liegt in der vorderen Körper- hälfte unmittelbar hinter dem Dottersack. Das schwarze Pigment ist außer in den Augen, an der Nase, im Nacken und im Peritoneum in zwei Zonen auf dem Körper vorhanden, in einer größeren in der Aftergegend und einer kleineren auf der Mitte des Schwanzteils. Ganz schwarz sind auch die da- durch sehr auffälligen und grossen Bauchflossen, neben denen die blassen Brustflossen in der Profilansicht fast verschwinden. (Fig. 17 d und e). Die nächstfolgenden Entwickelungsstadien konnten bisher aus dem Ei nicht gezüchtet werden und sind noch nicht beschrieben; es ist jedoch nicht daran zu zweifeln, daß die hier neben abgebildeten Larven hierher gehören, trotzdem es einige Mühe macht, ihre Pigmentierung auf diejenige der ältesten künstlich gezüchteten Stadien zurückzuführen. Es ist nämlich sehr auffallend, daß die beiden tiefschwarzen Pigmentbarren, welche die jüngsten Larvenstadien (d und e) besitzen, in der Folge fast völlig oder doch bis auf kleine Reste schwinden, sodaß die 4, 5mm langeLarve (Fig. 17 f) ein ganz verändertes Aus- sehen zeigt. Die schwarzen Pigmentmassen auf dem Eingeweidesack und in den vergrößerten Bauchflossen sind ziemlich unverändert geblieben, aber die Pigmentzone in der Aftergegend ist bis auf kleine nach vorn geschobene Reste und bis auf die schon früher vorhandene Ausstrahlung in den dorsalen Flossen- saum verschwunden; ebenso sind von der hinteren Pigmentzone nur noch spärliche Reste vorhanden, welche in der Folgezeit eine weitere Reduktion erfahren. Die Bewaffnung des Praeoperculum ist in diesem Entwicklungsstadium nur erst in Andeutungen vorhanden. Die tiefschwarzen, von lebhaft gelben Flossenstrahlen durchzogenen Bauchflossen nehmen schon jetzt die eigentüm- liche Form und Stellung ein, die auch für alle späteren Larvenstadien ungemein charakteristisch ist und eine Verwechslung mit den sonst in den Bauchflossen oberflächlich ähnlichen Motella Larven völlig ausschließt: sie liegen dem Körper nicht seitlich an, sondern stehen sperrig und schirmförmig nach unten vom Körper ab. Diese Eigentümlichkeit der Bauchflossen verleiht den Larven von Trachinus vipera ein so charakteristisches Aussehen, daß man dieselben auch mit dem bloßen Auge leicht unter anderen Arten herauskennt. Die 6,6 mm langeLarve (Fig. 17g) trägt in der Pigmentierung im wesent- lichen denselben Charakter. Diffuses gelbes Pigment mit schwarzen Chromatophoren findet sich im Rücken über dem Eingeweidesack und von hier in den dorsalen Flossensaum ausstrahlend, ferner in gelbrotem und metallisch glänzendem Ton auf dem Eingeweidesack selbst, und endlich wie vorher erwähnt in den Flossen- Farn. Trachinidae. I 41 strahlen der schwarzen Bauchflossen. In der Ausbildung der Flossen ist das auffallendste, daß die erste Rückenflosse, die bei andern Arten in der Regel sehr spät, meist sogar zu allerletzt zur Ausbildung gelangt, hier an erster Stelle entwickelt wird, sodaß 3—4 ihrer gelb und schwarz pigmentierten Strahlen sogar vor den Strahlen der hypuralen Schwanzflossenanlage deutlich werden (cf. auch Boeke 1. c. p. 152). Die breite Pigmentbarre in der Mitte des Hinter- körpers ist völlig geschwunden, auch in ihren Resten. Im Schwänze bleiben nur 2 zarte Chromatophoren erhalten, eine an der Basis der Schwanzflosse und eine in der Gegend des Hinterendes der zukünftigen Afterflosse. Die Stacheln, welche die Bewaffnung des Praeoperculum bilden, sind sehr deut- lich und meist sperrig, die beiden oberen sind größer als die beiden unteren; auch der große Operkularstachel ist bereits vorhanden. Bei dem 8,3 mm langen Fischchen (Fig. 17 h) sind fast alle Flossen- strahlen schon ausgebildet, die Schwanzflosse ist endständig geworden, und die Bauchflossen, die weniger intensiv schwarz und nicht mehr vergrößert sind, treten weniger stark hervor als bei den jüngeren Stadien. Die farblosen Brust- flossen sind vergrööert und reichen bis über den After nach hinten. Das Pigment in der ersten Rückenflosse, im Peritoneum, sowie in Stirn- und Rücken- gegend bleibt erhalten, desgleichen die vereinzelten Sterne an der Basis der Schwanzflosse und am Ende der Afterflosse. Ebenso wie die Flossen läßt auch die Wirbelsäule mehr oder weniger vollkommen die Zahl ihrer Elemente erkennen: D: 6— 7-f22— 24 A: 25. Vert.: 11 — 12-|-23— 24. Fischchen von 13 — 15 mm Länge (Fig. 17 i) tragen vielfach schon die Züge des ausgebildeten Tieres. Die erste Rückenflosse und die Bauch- flossen bleiben noch schwarz; im übrigen zeigt das Pigment (nach Mc Intosh) folgende Verteilung: Flecke auf der Schnauze, unterhalb der Augen, auf der Operkularregion, auf der Stirn, vor den Brustflossen, und ein breites dunkles Band von den Operkularstacheln nach hinten bis über die Mitte des Körpers hinaus und vom Rücken abwärts bis zur Seitenlinie. Später (26 — 36 mm) zeigt das schwarze Pigment die Tendenz, sich in Längsreihen zu ordnen, eine längs oder gerade über der Seitenlinie, eine zweite längs der Basis der Rückenflosse und dazwischen eine mehr oder weniger doppelte Reihe, schließlich auch eine nicht immer gleich deutliche und mehr aufgelöste Reihe längs der Basis der Afterflosse. Fischchen von 30 mm Länge und darüber haben schon ihren Aufenthalt im Sande des Grundes. Trachinus draco L. 1877. Couch, J. History of the fishes of the British Islands, vol. II p. 46 (erwähnt Jungfisch von ca. 18 mm Länge). 1888. Raffaele, F. Mitteil. d. zool. Station Neapel, Bd. VIIL p. 30. 1903. Boeke, J. Tijdschr. d. Nederl. dierkund. vereen. (2) Dl. VIII, 2 p. 152 pl. VII, 3—8. I 42 E. Ehrenbaum. Fig. 18. Trachinus draco L. a) Embryo von 50 Stdn. Künstliche Befruchtung Ende Juli, holländ. Küste. O) „ n yö „ „ „ » n n n c) Larve, eben ausgeschlüpft aus diesen Eiern, 3,2 mm lang. d) „ 5 Tage alt « « » 3,5 „ a — d Pigment nur schwarz; nach J. Boeke. e) Larve von 5 mm vom 6./8. 95; bei Helgoland ) f) „ „ 6.5 „ „ 15./8. 00; „ „I ^"g'"^'^- e— f Pigment schwarz, außerdem gelb bis orange im Eingeweidesack und dessen Umgebung. Das Petermännchen gehört zu den Nutzfischen der Nordsee und ist namentlich im südlichen Teil derselben häufig; nordwärts ist es an den skandi- navischen Küsten bis Bergen beobachtet, südwärts ist es bis ins Mittelmeer Fam. Trachinidae. I 43 und Schwarze Meer häufig. Auch in die Ostsee dringt es ein und zwar bis zur preußischen Küste, wo es indessen sehr selten ist. Die Laichzeit fällt in die Monate Juni bis August. Die planktonischen Eier sind nach Boeke 0,94 bis 1,11 mm groß, haben einen homogenen Dotter und eine meist farblose, seltener mattgelbe Ölkugel von 0,19 bis 0,23 mm. Die Eihaut besteht aus zwei Schichten, deren innere bei jüngeren Embryonen meist fein gerunzelt erscheint, während die äußere durch zahlreiche gleich- mäßig verteilte Porenkanälchen ein punktiertes Aussehen erhält, welches so ausgeprägt ist, daß es eins der besten Erkennungsmerkmale bildet. Der perivitelline Raum ist sehr klein; die Inkubationsdauer beträgt bei Sommertemperatur nur 4 bis 5 Tage. Etwa 50 Stunden nach der Befruchtung (Fig. 18 a) sind die Konturen des Embryos deutlich und die ersten Spuren von Pigment, welches nur als schwarzes ausgebildet wird, werden hinter den Augen sichtbar. Dieses Pigment erinnert in seiner Verteilung (wenn schon nicht im Farbton) an das erste Pigment der Embryonen von Scomber und Caranx. Alsbald tritt dann mit der Verlängerung des Embryos eine Vermehrung des Pigments ein, und nach Verlauf von 4 Tagen nach der Befruchtung, wenn der Embryo den Dotter vollkommen umspannt (Fig. 18 b), sind zu den vorerwähnten Ansammlungen hinter den Augen zwei kleinere hinter den Otocysten getreten, ferner solche auf der Nasenspitze über dem Enddarm, in der Mitte des post- analen Körperabschnitts und in der Umhüllung der Ölkugel; außerdem sind einige kleinere Pigmentzellen über den Körper und Schwanz des Embryos verstreut. Eine entsprechende Pigmentverteilung zeigt die nach Verlauf von weiteren 24 Stunden ausgeschlüpfte Larve (Fig. 18 c), welche etwas über 3 mm lang ist. Die Ölkugel mit starkem Pigmentbelag auf ihrer Vorderfläche liegt am vordersten Ende des Dottersackes, der After sehr nahe dem Hinterrande desselben. Die Augen sind noch nicht dunkel. Die Dotterresorption vollzieht sich im Laufe der ersten Lebenstage (Fig. 18 d), die Augen werden tiefschwarz; das vorher auf der Ölkugel bemerkbare Pigment liegt jetzt an einer Stelle, wo das Hervor- sprossen der Bauchflossen zu erwarten ist, die nicht so frühzeitig ausgebildet sind wie bei Tr. vipera, während die blassen Brustflossen wohl entwickelt sind. Im postanalen Körperabschnitt ist das Pigment an der ventralen Leibes- kontur angesammelt. Besonders dicht ist es in der Mitte dieser Linie und über dem Darm im Peritoneum. An diese künstlich gezüchteten Formen reihen sich einige planktonische Larven von 5 und 6 mm und darüber, welche im August bei Helgoland gefischt wurden, so befriedigend an, daß an ihrer Zugehörigkeit zu Tr. draco nicht zu zweifeln ist. Diese Larven sind ausgezeichnet durch große farblose Brustflossen und durch eigentümliche schwarze Bauchflossen, die denjenigen von Trachinus vipera ähneln, aber weniger sperrig und daher weniger auffällig sind. Die weitere Verteilung des schwarzen Pigments erinnert namentlich in dem jüngeren Stadium von 5 mm Länge (Fig. 18 e) sehr an die vorher erwähnte Larve. Doch ist eine im Zunehmen begriffene Pigmentansammlung in der Nackengegend neu aufgetreten; auch das Pigment im Peritoneum und nament- I 44 E. Ehrenbaum. lieh über dem Enddarm ist ausgeprägter, während die Reihe längs der ventralen Körperkontur des Schwanzes im Abnehmen begriffen erscheint. Neben dem schwarzen findet sich jetzt auch gelbes Pigment in geringer Menge und wenig hervortretend, besonders im Eingeweidesack und in dessen nächster Umgebung, während der Hinterkörper ganz frei davon bleibt. Die Larven von 6 bis 7 mm Länge (Fig. 18 f) haben feine aber spärliche Zähnchen im Oberkiefer. Am hinteren Rande des Kiemendeckels sind mehrere Dornen sichtbar, von denen ein größerer dem Operkulum und 3 kleinere dem Praeoperkulum anzugehören scheinen. Die großen Brustflossen reichen bis zum After und sind blaß, pigmentlos und daher schwer sichtbar; die auffälligen Bauchflossen haben 5 Strahlen, deren Ränder und Verbindungshäute tiefschwarz gezeichnet sind. Die hypurale Schwanzflosse ist schon ganz deutlich, die Strahlen der Anale sind angedeutet und gestatten die Feststellung ihrer Zahl, was in der Rückenflosse nicht gelingt, da nur 2 — 3 Strahlen der 1. Dorsale spurenhaft angedeutet sind. Die Ausbildung der ersten Rückenflosse erfolgt also ähnlich wie bei Tr. vipera ebenso zeitig, wenn nicht noch etwas früher, als die der zweiten. Doch entspricht die Pigmentansammlung im Nacken von Tr. draco nicht der Lage der 1. Rückenflosse. Diese liegt vielmehr weiter nach hinten und ist zunächst pigmentfrei. Bei einer Larve vom 24./8. 03 von 6,3 mm Länge, von denen 3 mm auf den präanalen Körperabschnitt entfallen, ist die definitive Schwanzflosse unter dem leicht aufgebogenen Urostyl voll- ständig angelegt. Der Eingeweidesack ist ziemlich lebhaft orangegelb gefärbt und zeigt oberflächlich einen irisierenden Schimmer, den Vorläufer des Silber- glanzes. Bei einer 6,8 mm langen Larve konnte die Zahl der Wirbel zu 42 festgestellt werden. Für den ausgewachsenen Tr. draco lautet die Formel für Flossenstrahlen und Wirbel: D: 6— 7-f29— 30 A: 33. Vert: 12— 13-|-29— 30 (nach Smitt 10-11 -1-30—31). Fam. Batrachidae. Das einzige europäische Glied dieser Familie ist Batrachus didactylus (Bl.), welcher an der atlantischen Küste von Portugal vorkommt, und sehr vereinzelt auch in den nordischen Meeren — speziell vor der schwedischen Kattegatküste — beobachtet worden ist. Über die Laichzeit und die Jugend- formen dieses Fisches ist nichts bekan'nt. Der amerikanische Verwandte Batrachus tau L. (common toadfish), ist eine als häufiger Küstenfisch in jeder Beziehung gut bekannte Form. Im Juli und August findet man diesen Fisch im flachen Wasser, wo er die dort angeklebten Eier von Vogelschrot- Größe oder die aus denselben entschlüpften Larven bewacht (vgl. Stör er in Mem. americ. acad. arts and sciences (1855) n. s. vol V. p. 272). Ryder hat einige Embryonal- stadien abgebildet (Bulletin U. S. fish commission vol. VI. (1886) p. 4—8 pl. I), welche die jungen Larven auch nach dem Platzen der Eihaut als festsitzende Tiere zeigen, selbst noch in einer Größe von 8 mm. Dagegen hat A. Agassi z (Proceed. Amer. acad. arts and sciences vol. XVII. (1882) p. 279 pl. XVI, 1) eine hierher gehörige 8 mm lange Larve abgebildet, welche schon den Dotterrest verloren hat und offenbar planktonisch gefischt wurde, obwohl sie gegen die älteste Ryder'sche Larve in der Entwickelung der Flossen zurücksteht. Eigentümlich sind die röhrenförmig ausgezogenen vorderen Nasenlöcher, welche nahe der Mittellinie des Körpers stehen; die hinteren Nasenlöcher sind einfache Poren. Fam. Pediculati. Einigermaßen gut bekannt in seinen Entwicklungsformen ist nur ein An- gehöriger dieser Familie, der unten aufgeführte Lophius piscatorius L. Es gibt in der Tiefe des atlantischen Ozeans und auch in der nördlichen Hälfte des- selben noch eine Reihe von Vertretern dieser Familie, welche den Gattungen Ceratias, Oneirodes und Himantolophus angehören. Man weiß jedoch von diesen Fischen wenig, von ihrer Häufigkeit noch weniger und über ihre Jugend- formen gar nichts. Etwas besser bekannt ist eine kleine Form dieser Gruppe, deren Heimat das Sargassomeer ist, und die von da aus gelegentlich, obwohl selten, auch weiter nach Norden bis in das arktische Gebiet gelangt ist; es ist Antennarius histrio L. (= A. marmoratus Gthr. -. Chironectes arcticus v. Düb. u. Kor. = Pterophryne histrio Gilt u. a.) Dieser Fisch baut wahrschein- lich Nester, in denen die Eier festgeheftet sind mittelst langer Fäden, die an zwei einander gegenüber liegenden Polen der Eier sitzen. Derartige Nester und ihre Eier von 1,5 — 1,7 mm Durchmesser sind öfters beschrieben, zuletzt von K. Möbius, der auch die einschlägige Literatur sorgfältigst zusammen- gestellt hat. (Sitzber. d. Akad. d. Wissensch. Berlin v. 6. Dezember 1894.) Indessen ist die Zugehörigkeit der Eier zu Antennarius nicht sicher; auch sind die Larven niemals ausreichend beschrieben oder abgebildet worden. Lophius piscatorius L. (syn: L barbatus Mont, L. eurypterus v. Düb. u. Kor.) 1861. Günther, A. Ann. a. mag. nat. hist. vol Vi!. 3.s. p. 190—4 pl. X Fig. C— E. 1882. Agassiz, A. Proc. americ. acad. arts and sei. XVIL p. 280 pl. XVI— XVIII. 1885. Agassiz, A., a. C. O. Whitman. Mem. mus. comp. zool. Harv. coli. XIV. p. 16, pl. VI. 1890. Mc Intosh, W. C, a. E. Prince. Transact. roy. soc. Edinburgh vol XXXV. pt. III p. 869 pl. XIX Fig. 6. 1891. Prince, E. 9*^ annual rep. fish, board f. Scotld. pt. III. p. 343 pl. XIV, XV. 1903. Fulton, T. W. 2P^' ann. rep. fish, board f. Scotld. pt. lü. p. 186 ff. Der Angler oder Violinfisch ist im Mittelmeer und im ganzen atlantischen Ozean nordwärts bis Island und zum Varanger Fjord verbreitet; er kommt an den nordamerikanischen Küsten vor und ist in der Nordsee nicht selten; auch Farn. Pediculati. 1 47 in der Ostsee, namentlich im westlichen Teil derselben, wird er öfter ange- troffen. Die Eier dieses Fisches schwimmen und sind dabei gewöhnlich in riesigen Mengen von über einer Million zu langen Bändern aus gelatinöser Masse vereinigt. Diese Bänder sind ca. 10 Meter und darüber lang, 15 bis 45 cm breit (an den Enden gewöhnlich schmaler) und nur etwa 3 mm dick, sodaß die Eier alle in einer Schicht neben einander liegen. Die Bänder haben, je- nachdem das Pigment in den Embryonen entwickelt ist, eine violettgraue bis schwärzliche Farbe. Die Eier liegen in der Schleimhülle gewöhnlich so dicht, daß sie polygonal gegeneinander abgeplattet sind. Es sollen aber auch isoliert schwimmende Eier vorkommen. Die Laichzeit fällt in die Sommermonate. An der schottischen Küste wurden Eier im Juli, an der englischen Südküste im Juni, im Skagerrak (von mir) Anfang Juli und ander amerikanischen Ostküste Anfang Juni und Ende August beobachtet. Die Angabe „Februar" bei Prince 1. c. beruht vielleicht auf einem Irrtum, doch scheinen für manche Gebiete auch die Monate März bis Mai als Laichzeit in Betracht zu kommen. Der Eidurchmesser variiert zwischen 2,13 und 2,36 mm, der der Dotter- kugeln, welche in einem ziemlich großen perivitellinen Raum liegen, von 1,32 bis 1,76 mm; die chromgelbe Ölkugel ist 0,53 bis 0,57 mm groß (Agassiz gibt für das Ei 1,75, für die Ölkugel 0,42 mm an). Die Embryonen ähneln solchen aus festsitzenden Eiern; sie sind kurz, mit stumpfem Kopf und kleinem, den Dotter nur teilweise umfassendem Schwanz. Dichte Massen von schwarzem Pigment bedecken den Kopf, die Chorda und die Intestinalgegend und breiten sich weiter auch über Augen, Ölkugel und einige Dotterpartien aus. Bei der ausschlüpfenden Larve ist der Dottersack noch groß, die abgeflachte Ölkugel liegt am hinteren Rande desselben. Neben dem schwarzen Pigment tritt kanariengelbes auf. Etwa 5 Tage später ist der Dottersack teil- weise resorbiert, der Körper ist schlanker und der erste Rückendorn ist auf- getreten; die Bauchflossen sind als lange, stabförmige Gebilde vorhanden, die Brustflossen sind sichtbar, aber klein. In der folgenden Zeit erscheinen hinter dem ersten Rückendorn zwei weitere; die stabförmigen Bauchflossen sind noch sehr verlängert, und an der Basis des ersten ist ein zweiter kürzerer Flossenstrahl aufgetreten, der sich auch alsbald erheblich verlängert. Die erste Anlage der definitiven Schwanz- flosse ist sichtbar. Der Körper zeigt bereits eine Neigung zur dorsoventralen Abflachung, wobei die Augen auf die dorsale Fläche gerückt werden und nach oben gerichtet sind. Der Dottersack ist in diesem Stadium vollkommen resorbiert. Die nun folgenden Larvenstadien sind sehr unvollkommen bekannt. Mc Intosh und Prince beschreiben eine Larve von 7 mm Länge (gefangen den 30./8.), welche Kaulquappen ähnlich aussieht und deren Kopf dorsoventral abgeplattet ist, sodaß die großen runden Augen nach oben gerichtet sind. Der Rachen ist groß, die Schnauze stumpf mit einer Einkerbung in der Mitte. Die Brustflossen sind fächerförmig und sehr groß, während die Bauchflossen I 48 E. Ehrenbaum. FaiTL Pediculati. I 49 Fig. 19. Lophius piscatorius L. a) Embryonen in gemeinsamer gelatinöser Hülle. Ende August. I Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien, stärker vergrößert. a— c) nach Agassiz und Whitman. d) Larve nach Resorption des Dottersackes. e) „ ca. 15 Tage alt. f) „ von ca. 7 mm Länge vom 30. August 86. bei d. Isle of May. g und h) Larve von 30 mm Länge in 2 Ansichten. d — e und g— h nach Agassiz. f nach Prince. Nord. Plankton. 1 4 I 50 E. Ehrenbaum. auffallend klein erscheinen. Der embryonale Flossensaum ist zum Teil noch vorhanden. Die Kiemenspaiten sind noch groß. — Außerdem ist durch Agassiz ein wesentlich älteres planktonisches Stadium von ca. 30 mm Länge bekannt geworden. Dasselbe besitzt zweite Rückenflosse, Afterflosse und Schwanzflosse in definitiver Ausbildung. Die erste Rückenflosse hat 6 Strahlen von ver- schiedener Länge; die Brustflossen sind fächerförmig groß, die Bauchflossen enorm lang und ragen mit dreien ihrer Strahlen mehr oder weniger erheblich über das Schwanzende hinaus. Ältere Formen von ca. 80 mm Länge, welche wohl auch noch gelegent- lich pelagisch angetroffen werden, zeigen schon deutlichere Hinweise auf die ausgebildete Form von Lophius. Derartige Exemplare sind von Günther aus dem Mittelmeer (1. c.) und von v. Düben und Koren von der norwegischen Küste beschrieben und abgebildet worden. (Vet. Akad. Handl. 1844 p. 63 tab. 111. Fig. 1—3. Vgl. auch Smitt, Scandinavian fishes p. 142 Fig. 40, 1893). Es hat den Anschein, als ob die europäischen Larvenformen von Lophius in mancher Beziehung von den amerikanischen abweichen. Fam. Scorpaenidae. . Von den Arten der Gattung Scorpaena kommt nur Scorpaena dacty- loptera Delar. (-^. Sebastes dactylopterus Nilss. ^ S. imperialis Cuv.) in den nordischen Meeren vor und anscheinend nicht so selten, als bisher angenom- men wurde. Die erwachsenen Fische werden öfters in nennenswerten Mengen an der norwegischen Küste gefangen. Jugendformen von 40 — 45 mm Länge, bei denen die unteren Strahlen der Brustflossen noch nicht getrennt waren, sind in großer Zahl südwestlich von Irland in 80 Faden Tiefe im August ge- fangen worden (Holt und Calderwood in Scientific transact. roy. Dublin soc. 2.S. V. (1895) p. 410). Auch in der Umgebung von Island sind neuerdings die Jugendformen von Scorpaena in sehr erheblichen Mengen durch den dänischen Forschungsdampfer „Thor" gefangen worden (vgl. Jobs. Schmidt in Skrifter u. a. Kommissionen f. Havundersögelser No. 1 p. 46. 1904). Obwohl es wahrscheinlich ist, daß die Art ovipar ist, so sind die reifen Eier bisher doch nicht bekannt geworden. Leider ist auch die Kenntnis der verwandten Arten des Mittelmeeres eine so lücken- hafte und unsichere, daß darin zuverlässige Hinweise auf die Entwicklungsformen von S. dactyioptera nicht gefunden werden können. Raffaele (Mitteil. d. zool. Station Neapel VIll. (1888) p. 25 tav. II Fig. 10, 13 und 14) beschreibt ellipsoidische Eier von 1 : 0,75 mm Durchmesser, welche zahlreich in einer schwimmenden ovalen Schleimmasse eingebettet waren, mit homogenem Dotter, ohne Öl und mit tiefblauem Glanz. Dieselben stammen wahrscheinlich von Sc. porcus. Die dazu gehörigen Larven haben wenig Pigment und der vordere Teil der Rückenflosse ist eigentümlich aufgebläht wie bei manchen Gadiden. Diese und ähnliche Charaktere zeigen auch Larven, welche Holt (Ann. d. mus. d'hist. nat. Marseille V, 2 (1899) p. 123 pl. III Fig. 29-32j bei Marseille aus unregelmäßig konturierten aber einzeln frei schwimmenden Eiern erhielt, und welche er für Sc. scrof a L. zu halten geneigt ist. Die Eier sind 0,80—81 : 0,88 — 98 mm groß, ohne Öl ; Embryonen und Larven ohne Pigment, mit größtenteils einzeiliger Chorda, After eine kurze Strecke hinter dem Dottersack, embryonale Rückenflosse in ihrer ganzen vorderen Hälfte aufgebläht; Totallänge ca. 2,4 mm. Sebastes marinus (L.) (syn: Perca marina L, Sebastes norvegicus Cuv., Seb. viviparus Kröy.) 1880. Collett, R. Norwegian North atlantic expedition 1876—78. p. 16 pL I Fig. 3 und 4. 1887. Ryder, J. Bull. U. S. fish comm. vol VI. p. 92. 1898. Holt, E. W. L. Proceedings zool. soc. of London June 21. p. 550. 1904. Schmidt, Jobs. Skrifter udg. af Kommissionen for Havundersögelser No. 1 p. 46. Köbenhavn. X4* I 52 E. Ehrenbaum. Sowohl die kleinere subarktische Küstenform (S. viviparus) als auch die größere borealisch-arktische Tiefenform (S. norvegicus), welche beide einer Art zugerechnet werden dürfen, sind vivipar. Die Laichzeit der letzteren (d. h. das Ausschlüpfen der Jungen) fällt an der norwegischen Küste in den Frühling von Mitte April bis Mitte Mai, während die kleine Form erst im Juli und August Junge zur Welt bringt. Ryder beschreibt aus dem Mutterleibe genommene Embryonen von 6 mm Länge. Dieselben hatten eine große gelbe ölkugel im vorderen Teil des Dottersackes; ein Pigmentstreifen zog sich an dem hinteren dorsalen Teil des Dotters und an dem oberen Rande der hinteren Schwanzhälfte entlang; die Augen waren dunkel. Brustflossen waren entwickelt, von den Bauchflossen dagegen keine Spur sichtbar. Auch eben geborene Fischchen sind nur etwa 6 mm lang; sie halten sich bis zu einer Größe von 60 mm in den oberfläch- lichen Wasserschichten auf. Bei Fischchen von 9,5 mm Länge sind in den embryonalen Flossensäumen außer der Schwanzflosse noch keine Flosseu- strahlen sichtbar; von den Bauchflossen ist kaum eine Spur vorhanden. Die beiden parallelen Kämme in der Occipitalregion sind noch nicht entwickelt, wohl aber die Zähne auf dem Präoperkulum. Bei Exemplaren von ca. 12 mm a b Fig. 20. Sebastesmarinus (L.) a) Larve von 9,5 mm Länge v. 5./7. 77. 354 Km NW von Lofoten. b) Jungfisch von 19 mm Länge 8./8. 77. 364 Km W von Lofoten. nach Collett. Länge sind die Strahlen der Brustflossen und die Dornen der Anale noch rudi- mentär; in der Rückenflosse sind noch keine Strahlen bemerkbar. Die Knochen- leiste der Nackengegend ist jetzt teilweise entwickelt und endigt hinten in einen einfachen oder doppelten Dorn. Der Interorbitalraum ist breit und flach — ein Merkmal, welches das ausgebildete Tier von Scorpaena dactyloptera unterscheidet. Bei J ungfischen von 19 mm Länge sind alle Flossenstrahlen in normaler Zahl entwickelt; Schuppen fehlen noch, und der Körper ist überall durchsichtig. Längs der Rückenflossen zieht sich eine Reihe schwarzer Pigmentpunkte hin; im Unterkiefer sind einige Zähne entwickelt. Die Knochenleiste des Nackens ist scharf ausgebildet und endet hinten in eine dreigabelige Spitze. Derartige Jugend- und Larvenformen sind bei Spitzbergen und der Bären- insel Anfang Juli und Anfang August und außerdem im Faröerkanal beobachtet worden. Neuerdings sind sie von dem dänischen Forscher Johs. Schmidt (1. c.) in der offenen See zwischen Island und Faröer in so ungeheuren Scharen angetroffen worden, daß in einem einzigen 20 Minuten dauernden Zuge mit dem Jungfischtrawl gegen 5000 Stück gefangen wurden. Fam. Cottidae. Die Familie der Cotos-artigen Fische ist, wie beimm beobachtete und Angaben über die früh- zeitige Ausbildung der Flossenstrahlen macht, von denen lange vor der Dotterresorption schon Brust- (10) und Schwanz-Flossenstrahlen sichtbar waren. Auch die hornartigen Aufsätze in der Scheitelgegend waren schon in diesem Stadium vorhanden; und sogar 40 — 42 processus spinosi der Wirbel werden als sichtbar angeführt. Übrigens scheint die Dotterzirkulation und die Pig- mentierung der Larve sich von derjenigen des Cottus scorpius nicht wesentlich zu unterscheiden. Bald nach der Dotterresorption waren die Larven über 12 mm lang, besaßen auch in der 2. Dorsale und in der Analflosse Strahlen (1. Dorsale und Ventralflosse fehlten noch), dazu Zähne in den Kiefern, die zuerst im Unterkiefer deutlich waren. Die ältesten von Sundevall beobachteten Stadien, die als Hungerformen nicht ganz normal waren, hatten 13,5 mm Körperlänge, 4 Stacheln in der Nackengegend, die vermutlichen Vorläufer des hinteren Paars der Exkrescenzen des Kopfes (vom vorderen Paar war nichts sichtbar), neben den schon aus- gebildeten Flossen auch eine erste Rückenflosse mit 7 Strahlen und die ersten Anlagen der Bauchflossen. Jensen erwähnt einige im August bei Grönland gefangene Jugend- formen von 21,5—27,5 mm Länge. Die kleinste von diesen (Fig. 24 d) hat alle Flossenstrahlen ausgebildet, aber die Schwanzflosse noch im Zusammen- hang mit den anderen unpaaren Flossen; der Kamm auf dem Hinterhaupt, sowie die Dornen auf der Schnauze und dem Kiemendeckel sind deutlich. Die Pigmentierung ist schwach und wenig charakteristisch. Gymnocanthus ventralis (C. u. V.). (syn: Cottus tricuspis Reinh., Phobetor tricuspis Kröy., Acanthocottus patris Storer, Cottus Fabricii Girard etc.) 1901. Ehrenbaum, E. Fauna arctica von Römer und Schaudinn. Bd. 11, 1 p. 85. 1904. Jensen, Ad. S., Meddelelser om Grönland, vol. XXIX p. 238 pl. XI, 6. Diese Art gehört zu den häufigen Küstenfischen im arktischen Gebiet des atlantischen Ozeans von den sibirischen Küsten bis Grönland, der Hudsonsbai und dem Wellington-Kanal. Auf der amerikanischen Seite geht sie südwärts bis zur Fundybai, auf der europäischen bis zur Murmanküste, Nordnorwegen und auch Island. I 62 E. Ehrenbaum. Fig. 25. Gymnocanthus ventraiis (C. u. V.). a) Larve 15 mm lang, vom 19./7. 98, von Südwest-Spitzbergen. Original. b) „ 18 „ „ „ Ende Juli 98. Westgrönland ; nach Jensen. Über die Laichzeit ist mit Sicherheit nichts bekannt, sie fällt aber jeden- falls in die Frühjahrsmonate. Eine vereinzelte Larve von 14—15 mm Länge, welche von Römer und Schaudinn am 19. Juli 98 im Hornsund (Südwest- Spitzbergen) erbeutet wurde, erlaubt eine oberflächliche Charakteristik der Jugendformen dieser hoch- nordischen Art aufzustellen. Die Flossenstrahlen sind bei diesem Stadium bereits in definitiver Zahl kenntlich: D: ll-f-15, A: 17, P: 19. In der Pig- mentierung sind die Charaktere der Cottiden-Larve ausgeprägt, nämlich ein sehr dunkles Peritoneum und eine zarte Punktreihe längs der Basis des After- flossensaumes. Es kommt hinzu eine oberhalb der Chorda in der ganzen Länge derselben verlaufende Pigmentlinie und in der hinteren Schwanzhälfte einige mehr oder weniger kontinuierliche Reihen, unterhalb, oberhalb und in der Chorda. Die Pigmentlinie längs der Afterflosse ist etwas unregelmäßig und in ihrem hinteren Teil aus • zahlreichen dicht nebeneinander liegenden länglichen Zellen gebildet. Auch der hintere Teil des Rückenflossensaumes und die Schwanzflosse tragen an ihrer Basis Pigmentsternchen. Die Brust- flossen sind auffallend groß und ragen erheblich über den After hinaus. Letzterer ist um V.-j der Körperlänge von der Kopfspitze entfernt. Der Kopf ist ohne Bewaffnung, selbst die Präoperculardornen sind kaum angedeutet. Eine etwas ältere Larve von 18 mm Länge, welche Ende Juli in West-Grönland gefangen wurde, hat Jensen beschrieben und abgebildet (Fig. 25 b.). Auch hier ist der embryonale Flossensaum noch kontinuierlich; in ihm sind folgende Strahlenzahlen erkennbar: D: 12 | 16, A: 18. Die hypurale Schwanzflosse ist noch nicht vollkommen endständig. Schwarzes Pigment findet sich am oberen und unteren Rande des Schwanzstiels und auch eine Strecke längs der Basis der Analflosse und der zweiten Rückenflosse, zum Teil auch unter der ersten Rückenflosse. Auch die Flossen selbst sind teil- Farn. Cottidae. I 63 weise pigmentiert und außerdem finden sich Chromatophoren längs der Seitenlinie, auf der Basis der Brustflossen etc. Die Präoperkulardornen sind sichtbar; sonst aber entbehrt der Kopf der 'Bewaffnung — wie auch beim ausgebildeten Tier. Centridermichthys hamatus (Kröy). (syn: Cotfus bicornis Reinh., Icelus hamatus Kröy., Centridermichthys bicornis Gthr., Icelus furciger Malm) 1901. Ehrenbaum, E., Fauna arctica II, 1 p. 80. 1904. Jensen, Ad. S., Meddelelser om Grönland, vol XXIX, p. 239 tab. XI, 5. Fig. 26. Centridermichthys hamatus (Kröy). Larve 25 mm lang, vom 20./6. 98, Spitzbergen. Original. Die Gattung Centridermidithys ist im nordatlantischen Gebiet mit 2 spezifisch nordischen Arten vertreten, C. hamatus und C. uncinatus, deren beider Verbreitungsgebiet sich südwärts bis Bohuslän erstreckt. Von der ersten Art sind einige Jugendformen bekannt geworden durch einen Fang, den Römer und Schaudinn am 20. VI. 98 im Hornsund in Südspitzbergen machten, und durch Ad. S. Jensen von Grönland. Die beiden 20 und 25 mm langen Larven von Spitzbergen zeichnen sich ebenso sehr durch ihre Armut an schwarzem Pigment wie durch ihre außerordentliche Größe aus. Letztere steht in auffälligem Gegensatze zur Größe des ausgebildeten Tieres, welche 80 mm selten zu überschreiten scheint. Die Flossenstrahlen sind bei dem 25 mm langen Fischchen alle, bei dem 20 mm langen bis auf die 1. Rückenflosse und die Bauchflossen ausge- bildet und weisen unzweideutig auf C. hamatus hin: D: 9 4 19, A: 15, P: 17 — 18. Am Kopfe finden sich auf dem Präoperkulum etwa 3 undeutliche kleine Dornen, und über den Otocysten jederseits 2 deutliche Spitzen, welch letztere als die Vorläufer der dem ausgebildeten Tier eigentümlichen Hörner anzusehen sind. Vermutlich verwachsen später je zwei dieser Spitzen zu einem Stirnhorn. Der After, vor dem eine sehr kleine Präanalflosse bemerkbar ist, liegt weiter nach hinten als bei den eigentlichen Cottus-kxi&n. Sein Ab- stand von der Kopfspitze beträgt bei der größeren (25 mm) Larve etwa 11 mm, wovon etwas über die Hälfte (6 mm) auf den Kopf entfällt resp. auf den Ab- stand der hintersten Operkularspitze von der Kopfspitze. Die Bauchflossen I 64 E. Ehrenbaum. sind bei beiden Larvenstadien in Form zarter Zapfen vorhanden, welche bei der größeren Larve schon eine Scheidung in 2-3 Strahlen erkennen lassen. Die Brustflossen sind für einen Angehörigen der Co//«s-Familie auffallend klein, und reichen bei weitem nicht bis zum After nach hinten. Das schwarze Pigment — tiber etwa sonst vorhandene Pigmente kann nichts ausgesagt werden — ist in der für Cottiden charakteristischen Ver- teilung vorhanden, nämlich im Stirnteil, im Peritoneum und längs des analen Flossensaumes. Es ist aber, wie bereits erwähnt, ungemein spärlich ausge- bildet und scheint sich während der Larvenzeit nicht wesentlich zu vermehren, da die größere Form noch weniger davon aufweist als die kleinere. Das von Jensen erwähnte und abgebildete Exemplar stammt von Egedesminde (Westgrönland) und ist 21 mm lang. Trotzdem stellt es ein wesentlich weiter fortgeschrittenes Stadium dar als die vorerwähnte Larve von 25 mm; narhentlich die erste Rückenflosse ist bereits in definitiver Form ent- wickelt und von der zweiten völlig getrennt; auch die Brustflossen erscheinen wesentlich größer. Ebenso ist die Verteilung des Pigments eine andere und kommt derjenigen des ausgebildeten Fisches schon näher. Triglops pingeli Rhdt. 1901. Ehrenbaum, E., Fauna arctica II, 1 p. 81. Fig. 27. Triglops pingeli Rhdt. Larve 18 mm lang, vom 20. VII. 98, Spitzbergen. Original. Diese hochnordische Art hat eine circumpolare Verbreitung und ist im arktischen Gebiet nicht selten; südlich des Polarkreises scheint sie nur ver- einzelt vorzukommen; doch ist sie auch an verschiedenen Punkten der Nord- see, des Skagerrak und des Kattegatt beobachtet worden. Unsere Kenntnis der Jugendformen beschränkt sich auf ein Larvenstadium von etwa 18 mm Länge, welches von Römer und Schaudinn am 20. Juli 1898 im Hornsund (Südspitzbergenj erbeutet wurde. Die Brustflossen desselben sind sehr groß und reichen über den After hinaus nach hinten; der Kopf ist langgestreckt mit jederseits 2 Dornen über den Otocysten. Die Bewaffnung des Präoperkulums ist unscheinbar. Die Flossenstrahlen sind in definitiver Zahl sichtbar: D: 9 -f-25, A: 23, P: 17. Der After liegt in der vorderen Körperhälfte, aber nicht allzu- E. Ehrenbaum. I 65 weit von der Körpermitte entfernt, etwa 8,5 mm hinter der Kopfspitze. Schwarzes Pigment ist sehr spärlich vorhanden, aber in der für die Cottiden charakteristischen Anordnung, im Peritoneum und längs der Basis des analen Flossensaumes. Neuerdings sind die Jugendformen dieses Fisches auch östlich und nörd- lich von Island durch den dänischen Forscher Johs. Schmidt beobachtet worden (Skrifter u. a. Kommissionen f. Havundersögelser No. 1. p. 50. — 1904). Nord. Plankton. I 5 Fam. Triglinae. Unsere nordischen Meere beherbergen 5 Trigla-Arten. Zwei von diesen: Tr. lineata Walb. und Tr. lyra L. sind im Nachfolgenden nicht behandelt, da man einesteils sehr wenig von ihren Entwickiungsformen kennt, andernteils sie nur im Süden und Südwesten der britischen Inseln vorkommen, wo sie aller- dings nicht gerade selten sind. Tr. lineata dringt bisweilen weiter nördlich vor und ist auch in der Nordsee beobachtet. Holt hat von dieser Art Ende Juli bei Plymouth auch die reifen Eier gesehen und findet ihren Durchmesser zu 1,28 bis 1,33, ihre farblose ölkugel zu 0,24 mm ijourn. M. B. assoc. V. p. 109). Übrigens ist die Lage der Laichzeiten dieser beiden Arten nicht genau bekannt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß ihre Eier und ihre Entwick- lungsformen ebenso den allgemeinen Trigliden-Charakter tragen wie diejenigen der unten näher behandelten Arten dieser Gruppe. Die bisher durch künstliche Befruchtung näher bekannt gewordenen Trigla-Arten sind einander in den frühesten Embryonal- und Larval-Stadien so ähnlich, daß es bisher nicht ge- lungen ist und vielleicht noch lange, wenn nicht dauernd, unmöglich bleiben wird, die planktonisch gefischten frühen Entwicklungsformen der Trigla-Arien von einander zu unterscheiden. Trigla gurnardus L. (syn: Tr. hirundo L, Tr. cuculus Blodi, Tr. milvus Lacep., Tr. Blodiii Yarr.) 1885. Cunningham, J. T. Quart, journ. micr. science, vol 26. n. s. p. 3 ff Fig. 19. 1889. Cunningham, J. T., Journ. M. B. assoc. I. p. 11. pl. 1. Fig. 3. 1890. Mc Intosh, W. C. and E, Prince. Transact. roy. soc. Edinburgh XXXV. pt. III. p. 806—812 pl. X, XII, XIV, XVI, XVII. 1893. Holt, E. W. L. Scient. transact. roy. Dublin soc. vol V. p. 33 — 35, pl. II, Fig. 14—16. 1900. Heincke, Fr. und E. Ehrenbaum. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland. Bd. III, S. 272—274. 1904. Ehrenbaum E. und S. Strodtmann, Ebenda Bd. VI. S. 102. Der graue Knurrhahn ist an den westeuropäischen Küsten vom Mittel- meer bis zum Polarkreis verbreitet, in der Nordsee besonders häufig; in der Ostsee geht er ostwärts bis Rügen und zur schwedischen Südküste. Farn. Triglinae. I 67 Die Laichzeit dauert vom April bis zum August.*) Die treibenden Eier sind in der Nordsee 1,16 — 1,55 mm im Durchmesser groß, mit einer bisweilen gelblichen oder rötlichen Ölkugel von 0,19—0,33 mm; in der Ostsee wurden im August Durchmesser von 1,32 — 1,63 mm beobachtet, Durchmesser der Ölkugel und Eidurchmesser verhalten sich in der Regel zu einander wie 1 : 4,4 bis 5. Eier und Embryonen sind wie gesagt schwer von denen anderer Trigla-Arten zu unterscheiden. Das Chorion zeigt oft eine geflechtartige Struktur; der Dotter ist homogen; der Embryo erhält frühzeitig lebhaftes Pigment von schwarzer und von hell- bis dunkelgelber Farbe, das auf dem Körper des Embryo sowie auf Flossensäumen, Dottersack und Ölkugel sichtbar wird. Die Brustflossenanlage ist frühzeitig deutlich und groß; der After liegt fast unmittelbar hinter dem Dottersack. Die Inkubationsdauer beträgt bei einer mittleren Temperatur von 15 o C nur 5 Tage. Die ausschlüpfende Larve ist reichlich 3 bis 4 mm lang. Das gelbe und schwarze Pigment zeigt die bereits im Embryo angedeutete Verteilung; ersteres geht dem anderen in der Entwicklung etwas vorauf. Die Augen sind zunächst noch farblos; charakteristisch ist die frühzeitige Färbung der Brustflossen, auf welchen schwarze und gelbe Chromatophoren bogenförmig ge- ordnet sind. Die Flossensäume besitzen gewöhnlich an ihren äußeren Rändern Pigmentsäume, die bisweilen mehrfach unterbrochen oder in einzelne Gruppen aufgelöst erscheinen. An der äußersten Schwanzspitze bleiben Körper und Flossensäume der Larve pigmentfrei. Der After liegt unweit des hinteren Dotter- randes etwa gerade in der Mitte des Körpers. Während der Dotterresorption, die in der Hauptsache im Verlauf der 1. Woche stattfindet, nimmt die Pigmentierung an Intensität sehr zu, wobei hauptsächlich die schwarze Färbung sich vermehrt. Das auffälligste ist jedoch die rapide Vergrößerung der Brustflossen, welche nach vorn rücken und sich zu großen fächerförmigen rechtwinklig vom Körper abstehenden Lokomotions- organen ausbilden. Dieselben sind auf ihrer Fläche und besonders am äußeren Rande fein gelb und schwarz gefärbt und haben eine kreisförmige Kontur. Längs der Basis des analen Flossensaums findet eine stärkere An- sammlung von schwarzem Pigment statt; die Gesamtlänge der Larve beträgt etwa 5 mm. Im weiteren Verlauf der Entwicklung findet eine Streckung des Körpers statt. Die Larve vergrößert sich von 6 bis zu 8 mm, ehe die ersten Spuren von Flossenstrahlen in der Schwanzflosse erscheinen. Das gelbe Pigment tritt gegen das schwarze stark zurück und beschränkt sich auf Kopf, Brustflossen und Abdominalgegend; einige wenige gelbe Zellen bleiben auch im vordersten Teil des dorsalen Flossensaumes und im Schwanzteil bestehen; auf dem Körper ist fast nur schwarzes Pigment vorhanden und zwar hauptsächlich im ♦) Nach Mc Intosh und Prince wurden diese Eier auch einmal im Januar im Moray Firth beobachtet. 15* I 68 E. Ehrenbaum. Farn. Triglinae. I 69 Fig. 28. Trigla gurnardus L. a) Künstlich befruchtetes Ei vom 21. VII. 98. Dm. 1,25 mm, Helgoland. b) Larve aus planktonisch gefischtem Ei, eben ausgeschlüpft, vom 25. V. 94. 3,2 mm lang. a) und b) Originale. c) Larve vom 3. Tage, 4 mm lang, vom 31. V. 86, schottische Küste, nach Mc Intosh und Prince. d) Larve vom 6. Tage, künstliche Zucht, 4,7 mm lg., 26. VI. 95, Helgoland \ e) „ „ 5. X. 98, planktonisch gefischt, 8,3 mm lang, Helgoland > Originale. f) Larve vom 11. IX. 98, ca. 12 mm lang, Sylt Außengrund j g) (?) Jungfisch vom 23. VIII. 86, 15 mm lg., schottische Küste, nach Mc Intosh und Prince (zweifelhaft ob hierher gehörig). Pigment bei a— e schwarz und gelb. Peritoneum und in wechselnder Stärke längs der Basis des analen Flossen- saumes. Der Kopf ist unverhältnismäßig groß; auf demselben entsteht über der Gehörgegend jederselts eine Leiste mit einem vorderen kleinen und einem hinteren großen Dornfortsatz. Die mächtigen Brustflossen sind spärlich und besonders am äußersten Rande pigmentiert; sie enthalten 13 Flossenstrahlen. Die 3 später isolierten fingerförmigen Strahlen sind hier noch mit den übrigen vereinigt. Nach hinten reichen die Brustflossen erheblich über den After hinaus; die obersten Strahlen sind die längsten. Die Bauchflossen sind als kleine Knospen sichtbar. (Fig. 28 e.) Bei 10 — 12 mm langen Larven findet man eine erheblich vermehrte Bewaffnung des Kopfes; auf dem Kiemendeckel werden je 3 Dornen, am unteren Winkel der Unterkiefer, über den Augen und über den Nasenlöchern je 1 Dorn sichtbar, und die Leisten über den Otocysten enthalten 4 Dornen, von denen der hinterste der längste ist. (Fig. 28f.) Die Bauchflossenanlagen (v) sind I 70 E. Ehrenbaum. verlängert und pigmentiert; die längsten Strahlen der Brustflossen sind beinahe halb so lang wie das ganze Fischchen; die drei untersten Strahlen sind noch mit der Flosse verbunden. Die Schwanzflosse erlangt ihre volle Ausbildung und auch in den übrigen unpaaren Flossen werden die Strahlen mehr oder weniger deutlich: D: 8—10 -f 18—20, A: 18—20, Vert: 12—13 + 24—25. Alle unpaaren Flossen hängen zunächst noch durch verbindende Säume mit einander zusammen. Bei 15—17 mm Totallänge sind alle Flossenstrahlen ausgebildet, die Bauchflossen sind erheblich verlängert und reichen über den After hinaus nach hinten; auch die Brustflossen sind noch weiter verlängert und erreichen nach hinten geklappt beinahe die Basis der Schwanzflosse; die drei untersten Strahlen sind noch immer nicht frei. Auf der ganzen Fläche der Brustflossen ist schwarzes Pigment fein verstreut. Die erste Rückenflosse ist erheblich höher geworden. Die Angaben über diese Stadien stammen von Mc Intosh und Prince und bedürfen der Bestätigung, da anderswo Entwickelungsformen von Tr. gurnardus mit so auffallend langen Brustflossen nicht beobachtet worden sind, und da es ungewöhnlich erscheint, daß diese langen Flossen später wieder eine — vielleicht nur relative — Verkürzung erfahren. Möglicherweise gehört diese Form mit den großen Brustflossen einer der anderen Trigla- Arten an. Bei ca. 20 mm langen Fischchen findet man die unpaaren Flossen noch weiter vergrößert, die erste Rückenflosse mit einem Pigmentfleck, welcher sehr charakteristisch ist. Dagegen erscheinen die Brustflossen jetzt gegen das vorhergehende Stadium relativ verkleinert; ihr Pigment ist in ein basales und zwei distale Bänder geordnet; die untersten Strahlen sind immer noch nicht frei, aber jetzt länger als die andern. Die Bewaffnung des Kopfes ist verstärkt. Längsreihen von kleinen konischen Papillen finden sich jederseits neben den Rückenflossen und über den Seitenlinien. Mit 22 — 24 mm hat der kleine Fisch fast vollkommen die definitive Gestalt erreicht. Das Körperpigment erscheint im ganzen sehr viel intensiver; die drei untersten Strahlen der Brustflossen sind bis auf kleine verbindende Reste frei. Die Brustflossen selbst erscheinen verhältnismäßig noch kürzer und nähern sich an Länge den Bauchflossen. Die letzteren verlieren ihr Pigment in der Folgezeit mehr und mehr, während die Brustflossen Farbe behalten. Trigla lucerna L. (syn: Tr. hirundo Bloch, Tr. laevis Montagu, Tr. poeciloptera Cuv. Tr. corax Bp., Tr. nigripes Malm) 1877. Malm, A. W. Göteborgs och Bohusläns Fauna p. 403 u. 648. 1886. Emery, C. Mitteil. zool. Station Neapel VI, p. 149 taf. 9 fig. 7—11. 1891. Marion, A. F. Annales d. mus. d'hist. nat. de Marseille IV, 1. p. 120 pl. II Fig. 18 (?). 1893. Smitt, F. A. A History of scandinavian fishes vol. I. p. 201 Fig. 58. 1894. Canu, E. Annales de la Station aquicole d. Boulognes. m.vol II. p. 12 pl.VI. Fam. Triglinae. I 71 1899. Holt, E. W. L. Annales d. mus. d'hist. nat. de Marseille V. p. 23. 1900. Heincke, Fr. u. E. Ehrenbaum. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. III. S. 273. Diese Art ist nächst Tr. gurnardus die häufigste in der Nordsee und den angrenzenden nordeuropäischen Gewässern; sie ist auch in der Ostsee be- obachtet, aber viel seltener und nur im westlichsten Teil. Die planktonischen Eier und Embryonen von Tr. lucerna sind anschei- nend weder durch morphologische Merkmale noch durch solche der Größe von denen anderer Trigla - Arten zu unterscheiden. Die Laichzeit scheint etwas später zu liegen als die von Tr. gurnardus und sich bis Mitte Oktober auszudehnen. Sicher beobachtet sind Eigrößen von 1,10 — 1,35 mm mit ÖI- kugeln von 0,22 — 0,24 mm, wahrscheinlich kommen auch Größen bis 1,54 mm mit ölkugeln von 0,31 mm vor, ob aber auch Eier von 1,7 mm Durchmesser, wie Canu angibt, ist zweifelhaft. Die ausschlüpfende Larve ist 3,6 mm lang und gleicht derjenigen von Tr. gurnardus im selben Maße wie die Embryonen beider einander gleichen: gelbes Pigment ist reicher, schwarzes schwächer vertreten. Fig. 29. Trigla lucerna L. a) Larve 9 mm lang vom 28. 7. 96. Helgoland. Original. (Ob hierher gehörig?) b) Jungfisch vom 26.8. 1872. 20 mm lang. Marstrand, nach Smitt. Es ist kaum zu bezweifeln, daß bei der Weiterentwicklung der Larven, namentlich nach der Resorption des Dottersackes, die Unterschiede zwischen Tr. lucerna und Tr. gurnardus etwas deutlicher werden. Einstweilen sind aber I 72 E. Ehrenbaum. spätere Entwicklungsformen nicht mit Sicherheit bekannt. Es kann nur als wahrscheinlichbezeichnetwerden, daßdiehier(Fig.29a) abgebildete Form von 9 mm Länge vom 28./7. 96 und die von A. W. Malm als Tr n/g^r/pes beschriebenen Jugendformen von 16,5, 20, 22,5 mm vom Juli und August hierher zu rechnen sind. Dieselben scheinen übereinstimmend darauf hinzudeuten, daß sich die Metamorphose zum Jungfisch bei etwas geringerer Körpergröße vollzieht als bei Tr. gurnardus, daß die Brustflossen zwar groß, aber nicht — selbst nicht vorübergehend — so lang werden wie bei jenem, und daß nicht nur die Brust- flossen, sondern auch die Bauchflossen und die erste Rückenflosse eine dunkle Pigmentierung annehmen und beibehalten. Die erste Rückenflosse ist also gleichmäßig dunkel, während sie bei Tr. gurnardus durch einen charakte- ristischen schwarzen Pigmentfleck gezeichnet ist. Jene 9 mm lange Larve (Fig. 29a), die vermutlich zu Tr. lucerna gehört, zeigt sich wesentlich weiter entwickelt, als entsprechend große Formen von Tr. gurnardus: Die Schwanzflosse ist gut ausgebildet, und auch in den Dor- salen und in den Analen sind die Flossenstrahlen kenntlich; die erste ist von der zweiten Rückenflosse noch nicht getrennt. D: 26 A: 14, die Zahl der Wirbel beträgt 34. Diese Zahlen stimmen mit den für die ausgebildete Tr. lucerna bekannten: D: 8—9+15—17 A: 14—16 Vert: 12—13+21—22. Die Brustflossen sind groß und reichen bis zur Basis des 5. Analflossenstrahls nach hinten; der Abstand ihrer äußersten Spitzen von der Kopfspitze beträgt 5,5 mm; die distalen 2/3 der Brustflossen sind pigmentiert und zwar ist das schwarze Pigment hauptsächlich im Verlauf der Flossenstrahlen angesammelt. Die Bauch- flossen sind noch klein, aber auch an der Spitze pigmentiert. Auffallend un- entwickelt ist die Bewaffnung des Kopfes, die bis auf je eine zweistrahlige Dornenleiste jederseits über der Otocyste noch gänzlich fehlt. Bei Malms Jungfisch von 16,5 mm Länge vom 29./8. 1877 reichen die Brustflossen bis zur Wurzel des vierten Strahls der Anale, die drei untersten Strahlen sind dicker und mit den Spitzen etwas einwärts gebogen; sie sind aber noch nicht frei und sind weiß (!), während die übrige Brustflosse schwarz ist; die sägezahnartigen Dornen über den Otocysten sind wohl ausgebildet. Ein Jungfisch von 20 mm Länge (Fig. 29b) vom 26./8. 1872 (Malm) hat schon alle Flossen in definitiver Ausbildung, den Kopf dicht besetzt mit Dornen und Spitzen und auf dem Körper jederseits neben den Rückenflossen und im Verlauf der Seitenlinien Reihen von 23 bezw. 19 kleinen konischen Spitzen. Die Entfernung von der Kopfspitze bis zur äußersten Spitze der Brustflossen beträgt 11 mm. Brustflossen, Bauch flössen und erste Rückenflosse sind dunkel bis schwarz, Afterflosse farblos, zweite Rücken- flosse und Schwanzflosse wie bei Tr. gurnardus mit dunklen Bändern, welche parallel dem Flossenrande verlaufen. Im Verlauf des weiteren Wachstums schwindet die dunkle Farbe in den vorerwähnten Flossen wieder mehr oder weniger und auf der Fläche der Brustflossen tritt eine sehr charakteristische Zeichnung hervor: ein schwarzer Fleck mit milchweißen oder hellblauen Punkten. Fam. Triglinae. I 73 Trigla pini. Bloch. {syn: Tr. cuculus L.) 1889. Cunningham, J. T. Journ. M. B. assoc. I. p. 11. pl. 1. Fig. 4 und 5. 1893. Holt, E. W. L. Scient. transact. roy. Dublin soc. 2. ser. V. p. 31. pl. II Fig. 8— 13. Fig. 30. Trigla pini. Bl. a) Embryoniertes Ei aus dem Plankton, Mitte April 1891. Dm. 1,55 mm. irische Westküste — nach Holt. b) Larve aus künstlich befruchteten Eiern, Mitte Mai. 3,7 mm lang. Plymouth — nach Cunningham. Pigment schwarz und gelb. Diese Art ist in der Nordsee selten und an den skandinavischen Küsten sehr selten, dagegen ist sie an den britischen Küsten, namentlich im Süden und im Westen gemein und soll dort sogar häufiger sein als Tr. lucerna. Die Laichzeit fällt in die Monate April bis Juni; Couch hat aber auch im Januar wohlentwickelte Eier beobachtet. Die planktonischen Eier sind so groß wie die von Tr. gurnardus und haben ebenso wie diese oft blaßgelb oder rötlich gefärbte Ölkugeln, welche in den frühesten Entwickelungsstadien bisweilen geteilt sind, später aber in eine Kugel verschmelzen und dann allmählich auch die Farbe verlieren. An künstlich befruchteten Eiern sind Maße von 1,45—1,61 beobachtet worden und für die Ölkugel 0,28—0,33 mm. Die Embryonen und jugendlichen Larven sind bisher weder durch I 74 E. Ehrenbaum. ihre Größenverhältnisse noch durch ihr Pigment von denen andrer Trigla-Arten unterschieden worden. Schwarze fein verzweigte Chromatophoren sind längs der Kanten des embryonalen Flossensaumes angeordnet. Auf dem Dotter ist reichlich gelbes und schwarzes Pigment vorhanden; die Brustflossen sind durch ihr frühes Auftreten und ihre Pigmentierung auffällig. Ältere Entwicklungsstadien sind mit Sicherheit bisher nicht beobachtet worden. Fam. Agonidae. Außer den hier aufgeführten Arten der Gattung Agonus kommen im Be- reich der nordischen Meere zwei Arten der arktischen Gattung Aspidopho- roides vor, A. monopterygius (Bl.) von Grönland und der Ostküste Nordamerikas südvi^ärts bis Kap Cod, und A. olriki Lütk., welche in der Davisstraße und auf den Neufundlandbänken beobachtet wurde und an der Murmanküste und im Weißen Meer sogar häufig zu sein scheint. Über die Entwicklungsformen beider Arten ist bisher nichts bekannt. Die zu dieser Familie gehörige Art Peristethus cataphractum L. ist wohl ganz vereinzelt an der englischen Südküste beobachtet worden; doch ist es wenig wahrscheinlich, daß sie hier zur Fortpflanzung schreitet. Agonus cataphractus L. {syn: Cottus cataphractus L, Aspidophorus cataphractus Kr., A. armatus Lacep., A. europaeus Cuv., Phalangistes cataphractus Palt) 1888. Mc Intosh, W. C. 6*^ annual rep. fish, board f. Scotland pt. III p. 267 1890. Mc Intosh, W. C. a. E. Prince. Transact. roy. soc. Edinburgh vol XXXV. pt. III p. 862—4. pt. XVIII Flg. 10—11. 1895. Mc Intosh, W. C. 13*" annual rep. fish, board f. Scotld. pt. III p. 230. 1904. Ehrenbaum, E. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. VI. S. 141 bis 145, Taf. III, Fig. 16. 17. Dieser Fisch kommt an den westeuropäischen Küsten vom Kanal bis Island und Grönland und zum Weißen Meer vor, im Nordseegebiet besonders häufig; in der Ostsee ist er selten, aber sowohl im westlichen Teil als auch im finnischen Meerbusen beobachtet. Außer in Küstennähe kommt er auch weit ab vom Lande vor, auch wurden die Eier auf dem östlichen Teil der Doggerbank und auf der Gr. Fischerbank beobachtet.*) Die Laichzeit von A. cataphractus fällt in die Monate Januar bis Ende April. Die etwa 2 mm großen festsitzenden schön strohgelben Eier gebrauchen etwa ein volles Jahr zu ihrer Entwicklung; das Ausschlüpfen erfolgt in der Zeit von Ende Dezember bis Anfang Mai; die meisten planktonischen Larven dieser Art findet man im Februar bis April. Die ausschlüpfenden Larven sind 6,5 — 7,5 mm lang und sehr weit •) Anm. Vgl. auch Fulton in 21 st ann. rep. fish, board f. Scotld. pt. III p. 74. (1903). I 76 E. Ehrenbaum. entwickelt; der ursprünglich in der Mitte des Körpers liegende After rückt durch Streckung des Schwanzteils sogleich in die vordere Körperhälfte, im vordersten Teil des langgestreckten schmalen Dottersacks liegt die große öl- kugel von 0,47 mm Durchmesser. Über derselben auf der rechten Körper- seite ergießt sich in den sinus venosus des Herzens ein großes Dottergefäß, welches auf der linken Körperseite nach hinten und unten sich wendend in einem großen Bogen herabsteigt und aus 2 venösen Gefäßgruppen, einer vor- deren hepatikalen und einer hinteren intestinalen gebildet wird. Auch im Kopf und Körper ist die Blutzirkulation wohl entwickelt; das Blut ist lebhaft gefärbt. Die Pigmentierung der Larve ist ungemein brillant. Die etwa 0,5 mm großen Augen sind silberglänzend, die Gallenblase ist hellgrün gefärbt, im übrigen ist besonders schwarzes und orangegelbes bis rotes Pigment vertreten, welches fast überall mit einander vergesellschaftet ist. Augenfällig ist besonders das im Verlauf der Flossenstrahlen geordnete Pigment der großen Brustflossen und einige über Flossensaum und Körper verlaufende Querbinden, von denen eine schwächere in der Aftergegend, 2 größere in gleichmäßigen Abständen Fig. 31. Agonus cataphractus (L). a) Larve kurz nach dem Ausschlüpfen vom 12./2. 00. 7 mm lang ) Helgoland, b) Larve etwas älter, von oben gesehen I nach Ehrenbaum. c) Jungfisch vom 28./4. 87. 16 mm lang; schottische Küste, nach Mc Intosh und Prince. Pigment schwarz und orangegelb bis rot. Farn. Agonidae. I 77 dahinter liegen. Der Körper der Larve ist fast gleichmäßig pigmentiert, die Schwanzplatte bleibt frei bis auf eine kleine Ansammlung an der Basis der zukünftigen Schwanzflosse. Auch die Operkulargegend und der hintere Teil des Eingeweidesackes ist dicht mit Pigment belegt. Der aus der Körperkontur eigentümlich herausspringende Enddarm trägt eine sehr kleine dunkel gefärbte Präanalflosse. Der anale Flossensaum ist an seinem vorderen Teil sehr schmal und tief eingezogen, verbreitert sich aber weiter hinten ebenso wie der dorsale Saum sehr stark; die Schwanzplatte ist leicht verbreitert und spateiförmig. Die zahlreichen Dornenreihen des Kopfes und des Körpers beginnen sehr frühzeitig aufzutreten. Schon bei der ausschlüpfenden Larve ist jederseits über der Otocyste und dem Hinterkopf eine stumpfwinklig nach innen gebogene Leiste mit 3 kleinen hakenförmigen Spitzen sichtbar. (Fig 31b.) Aber auch die Längsreihen stumpfer Dornen, welche sich auf dem Rücken und den Seiten des Fisches ausbilden, sind sichtbar, lange ehe die Dotterresorption abgeschlossen ist; und ebenso gelangt der Besatz des Kopfes mit stumpfen Dornen auf der Oberseite und Unterseite zur Entwickelung. Bei Larven von 10—12 mm Länge ist meist auch die Ausbildung der Flossenstrahlen überall bemerkbar und die Bauchflossen in Gestalt von 2 kleinen Zapfen sichtbar. Bei Jungfischen von 14—18 mm hat die Ausbildung des Dornen- besatzes auf Kopf und Körper weitere Fortschritte gemacht, und das Gesamt- aussehen des von Dornen und Fortsätzen aller Art starrenden Körpers ist ein höchst auffälliges. Alle Flossen sind ausgebildet: Die Brustflossen, groß fächer- förmig und lebhaft pigmentiert, nach hinten den After erreichend, die erste Rückenflosse noch klein und niedrig, die zweite Rückenflosse und die After- flosse groß, lebhaft pigmentiert und durch schmale Überbleibsel des embryo- nalen Flossensaumes mit der in weitem Abstand belegenen Schwanzflosse ver- bunden. Solche Jungfische werden in ziemlich erheblicher Entfernung (ca. 50 Meilen) von den an der Küste liegenden Laichplätzen auf offener See plank- tonisch angetroffen. Bei 19 und 20 mm Länge nehmen die Fischchen das Leben am Grunde auf und erhalten dann die Färbung des ausgebildeten Tieres. Agonus decagonus Sehn. (syn: Aspidophorus decagonus C. u. V., Agonus spinosissimus Gthr.) 1893. Smitt, F. A. Hist. of Scand. fishes p. 207. Fig. 60. Diese spezifisch arktische Fischart ist südwärts bis zu den Neufundland- bänken, sowie bis Island, den Färöer und der Nordküste von Norwegen be- obachtet worden und scheint den Aufenthalt im tiefen und kalten Wasser zu bevorzugen. Die Fortpflanzung geht vermutlich in ähnlicher Weise wie bei A. cata- phractus vor sich, und auch die Jugendformen haben vermutlich mit jenen große Ähnlichkeit. Bekannt geworden sind bisher nur einige Jungfische von I 78 E. Ehrenbaum. 21 mm Länge, welche im flachen Wasser der Liebdebay auf Spitzbergen am 29. August 1868 nahe der Oberfläche erbeutet wurden. Sie lasssen den erheb- lichen Abstand der beiden Rückenflossen, der ein Hauptunterscheidungsmerk- mal von A. cataphractus bildet, bereits deutlich erkennen. Neuerdings hat der dänische Forscher Johs. Schmidt die Jugendformen dieses Fisches auch östlich und nördlich von Island zahlreich gefangen. (Skrifter udg. a. Komuissionen f. Havundersögelser No. 1 p. 50.— 1904.) Fig. 32. Agonus decagonus Sehn, lungfisch vom 29.8. 63, 21 mm lang. Liebde-Bay auf Spitzbergen; nach Smitt. Farn. Blenniidae. Außer den im Nachfolgenden behandelten Angehörigen dieser Familie kommen im Bereich der nordischen Meere noch einige Arten vor, die teils in ihren Entwicklungsformen noch unbekannt, teils so selten sind, daß sie hier nur kurz erwähnt werden sollen: Lumpenus maculatus (Fries) {= Lumpenus aculeatus Rhdt ^ Clinus acüleatus Rhdt. == Stidiaeus maculatus Gthr.) ist eine cirkumpolare Art und fast nur arktisch in ihrem Vorkommen. Sie ist aber auch im nördlichen Bohusiän, an den norwegischen Küsten, bei Island und auf der amerikanischen Seite des Atlantik beobachtet. Die Laichzeit dieses Fisches fällt wahrschein- lich in die Wintermonate, doch ist über die Entwicklungsformen bisher gar nichts bekannt; sie sind zwar neuerdings nördlich und östlich von Island von dem dänischen Forscher Joh. Schmidt beobachtet, aber noch nicht beschrieben worden. Blennius gattorugine Bloch erreicht im Kanal und an den britischen Westküsten die nördliche Grenze seines Verbreitungsgebietes und ist dort sehr selten, während er im Mittelmeer ziemlich häufig ist. Er bevorzugt den Auf- enthalt im tiefen Wasser. Einige ältere Entwicklungsstadien dieses Fisches sind von Emery (Atti d. R. acad. d. lincei 3.s. XIV. (1883) tav. II. Fig. 19 u. 27) beschrieben und abgebildet; doch ist kaum zu erwarten, daß man ihnen in den nordischen Meeren begegnen wird. Lumpenus lampretiformis (Walb). [syn: Blennius lampretaeformis Walb., Centronotus islandicus Sehn., Blennius lumpenus Fabr., Clinus gracilis Reinh., Lumpenus nebulosus Kröy., Stidiaeus islandicus Gthr., Centroblennius nebulosus Gilt u. a. m.) 1903. Petersen, C. G. Joh. Kgl. danske vidensk. selsk. skrifter. 6. raekkes nat. og math. afd. XII, 3. p. 246 f. 1904. Ehrenbaum, E. & S. Strodtmann. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland. Bd. VI. S. 105 Fig. 9. Von den nordischen Lumpenus- Arten dringt diese am weitesten nach Süden vor. Sie ist an den skandinavischen Westküsten, an der schottischen Küste, in der Nordsee, im Christianiafjord, bei Bohusiän, im Kattegat, in der Ostsee bis zum finnischen Meerbusen und namentlich auch im arktischen Gebiet beobachtet worden. Neuere Funde haben ergeben, daß sie in Nord- I 80 E. Ehrenbaum. und Ostsee sehr viel häufiger ist, als bisher angenommen wurde. C. G. Joh. Petersen ist sogar der Meinung, daß sie in der westlichen Ostsee zu den gemeinsten Arten unter den tiefer lebenden Fischen gehört; er fing einmal im Jungfisch -Trawl in 10 Minuten ca. 1500 Stück. Obwohl die Eier dieses Fisches, die zu den festsitzenden gehören, unbe- kannt sind, so ist die Angabe von Nilsson, daß die Laichzeit in die Weih- nachtszeit fällt, doch offenbar richtig. Die Larven schlüpfen wahrscheinlich in einer sehr erheblichen Körper- länge aus. Eine Anzahl Larven von 17 bis 23 mm Länge, welche im Februar 1903 in der westlichen Ostsee und Mitte März 1904 auf der nördlichen Schlick- bank in der Nordsee gefangen wurden, hatten zwar keinerlei Dotterreste mehr, doch waren auch die Flossenstrahlen meist noch nicht ausgebildet, bei den jüngeren Individuen gar nicht, bei den älteren nur in den Anfängen der hypu- ralen Schwanzflossenanlage. Das beste Erkennungsmerkmal für diese Larven ist die Lage des Afters vor der Körpermitte, sodaß der präanale zum post- analen Körperabschnitt sich verhält wie 3 : 4, während dieses Verhältnis bei den sonst in mancher Beziehung ähnlichen Ammodytes-Larven umgekehrt, d. h. wie 4 : 3 ist. Sehr charakteristisch ist auch die Verteilung des spärlichen schwarzen Pigments: Je ein großer Stern liegt an der Basis der Brustflossen, eine Doppelreihe von 6 bis 9 Sternen (bei Ammodytes wesentlich mehr) auf dem Darm und nochmal 2—3 Doppelsterne über dem After. Längs der Basis des analen Flossensaumes ist eine Reihe dichtgedrängter kleiner Sterne vor- handen, deren Anzahl genau der Zahl der zu erwartenden Flossenstrahlen der Analflosse entspricht, d. i. 48 bis 51. Auch an der Basis der hypuralen Schwanz- flosse ist etwas Pigment sichtbar. Fig. 33. Lumpenus lampretiformis (Walb). Larve vom 16./2. 03, 22 mm lang. Bei Alsen (westl. Ostsee) nach Ehrenbaum u. Strodtmann. Fig. 34, Lumpenus sp. (? medius Rhdt.) Larve vom 25./6. 98, 17 mm lang. Ostspitzbergen. Original. Fam. Blenniidae. I 81 Lumpenus medius Rhdt. (syn.: wahrsch. — Lumpenus fabricii Rhdt., Stichaeus nubilus Gthr., öunnellus fabricii C. u.V. u. a.) 1901. Ehrenbaum, E. Die Fische in Fauna arctica von Römer und Schaudinn, Bd. II S. 93. Diese Art ist in ihrem Vori>^ Fig. 71. Pleuronectes cynoglossus L. a) künstl. befr. Ei mit weit entw. Embryo. Durchm. 1,16 mm, schottischeWestküste, 24. 6. 1886. b) eben ausgesclilüpfte Larve aus diesen Eiern; 3,9 mm lg. c) Larve, einige Tage alt, aus denselben Eiern; 5,9 mm lg. a — c nach Cunningham. Pigment bei a nur zartgelb, bei b außerdem schwarz, bei c lebhafter Chromgelb und schwarz. d) Larve aus künstl. befr. Eiern 10 Tage alt; 5,6 mm lg., irische Westküste v. 14. 5. 1891. nach Holt 1. c. 1893. e) Larve von 12 mm Länge, planktonisch. Gr. Fischerbank 27. 9. 1903. ) Q^iginale „ . 13,5 „ „ „ „ „ 27. 9. 1903. J g) „ „ 15—16 mm Länge, planktonisch. Moray Firth August 1896, nach Kyle. h) Larve von 25,5 mm Länge, planktonisch, irische Westküste 7. 6. Ol, nach Holtu. Byrne, i) Larve von 42 mm Länge, frühestes Bodenstadium, Skagerak v. 19. 11. 03, nach Peter- sen L c. 1904. Pigment bei d— i schwarz und rötlich gelb. I 176 E. Ehrenbaum. Larven von 18 bis 21 mm Länge haben die hypurale Schwanz- flosse in ihrer definitiven Stellung. Die Symmetrie bleibt noch vollkümmen gewahrt, die Pigmentierung unverändert. Wie bei jüngeren und älteren Formen fällt die hinter dem Eingeweidesack zwischen diesem und dem sogenannten Stützknochen (beckenförmige Verlängerung des Trägers des ersten Analflossen- strahls) liegende Gewebslücke auf: der Raum, in welchem später die Geschlechts- drüsen zur Ausbildung gelangen. Das nächst ältere planktonische Stadium wurde von Holt und Byrne zuerst beschrieben. Es ist 25,5 mm lang und wurde in 90 Ml. Abstand von der irischen Westküste, über 175 Faden tiefem Grunde gefangen (Fig. 71h). Dieses gleicht in der Form des Körpers und Kopfes vollkommen den vor- erwähnten Stadien ; alle Flossenstrahlen sind ausgebildet (D: 108, A: 95), das linke Auge ist sichtlich im Begriff aufzurücken, aber noch nicht auf der Kante angelangt. Das Pigment ist beim konservierten Exemplar nicht sehr ausgeprägt, erinnert aber in seiner Verteilung unverkennbar an die jüngeren Stadien. Sehr auffällig ist der stark komprimierte Verdauungstraktus und die dahinter liegende schon beschriebene Gewebslücke. Charakteristisch sind auch in diesem Stadium die schon erwähnten Dornen, welche in erheblicher Zahl auf dem Kiemendeckel stehen und sich bei keiner andern Larve der Gattung Pleuronectes vorfinden. Obwohl nun bei dem von Holt und Byrne abgebildeten Exemplar dieses Stadiums und auch bei einer ganz gleichartigen und gleichlangen Larve, welcheWi lliam- son abbildet, das linke Auge schon begonnen hat aufzurücken, so finden sich doch auch Exemplare, welche schon wesentlich größer sind und trotzdem die Symmetrie noch vollkommen bewahrt haben. So bildet Petersen (I. c. fig. 26i ein symmetrisches Individuum von 31 mm Länge ab, welches am 11. 9. 03 bei den Shetlands-Inseln an der Oberfläche gefangen wurde. Der „Poseidon" fing am 13. 7. 04 am westlichen Ausgang des Skageraks im oberflächlichen Wassec ein Exemplar von 36 mm Länge, welches ganz dieselbe Phase der Metamorphose darstellt wie das 25,5 mm lange von Holt und Byrne abgebildete Fischchen. Hier zeigt sich also eine ungemein große individuelle Schwankung in der Körpergröße, bei welcher die Metamorphose erfolgt. Bei dem vom „Poseidon" gefangenen Fischchen wurde auch die Pigmentierung des lebenden Tieres beobachtet. Sie ist schwärzlich, begleitet von rötlichgelb in der bereits vorher erwähnten Verteilung. Auch an der Basis der dorsalen und analen Flossenstrahlen waren feine schwarze Punkte sichtbar, meist sehr matt, am deutlichsten in dem hinteren Teil der Analflosse. Am konservierten Tier konnten leicht die Flossenstrahlen und Wirbel gezählt werden. A: 98, D: 114, Vert: 12 + 46. Die allgemeine Formel lautet: A: 86—100, D: 100—115, Vert: 124-44—46. Auf einer ähnlichen Entwicklungsstufe steht ein Fischchen, welches von Petersen (I. c. 1894 fig. 20) zweifelnd als Heilbutt beschrieben und abgebildet, später (I. c. 1904) aber als PI. cynoglossus erkannt wurde. Dasselbe ist im konservierten Zustande 32 mm lang, ist schon von Collett (Norges fiske p. 134) erwähnt und wurde von G. 0. Sars im August 1871 in der großen Tiefe vor Christiansund erbeutet. Farn. Pleuronectidae. I 177 Bei den meisten Fischchen dieser und ähnlicher Entwicklungsstufen macht sich die Ausbildung von einigen Zähnen in den Kiefern mehr oder weniger bemerkbar. Das größte planktonischc Stadium, welches bisher beobachtet wurde, wird von Willi amson erwähnt und (I. c. fig 6 a und b) teilweise abgebildet. Es ist 40 mm lang (in Formalin-Konservierung), und Fulton, der es erbeutete, beschreibt die Verteilung des schwarzen Pigments folgendermaßen: Auf der Schnauze, auf beiden Kiefern und auf dem Gehirn kleine Pigmentansamm- lungen, ein breiteres Pigmentband auf der hinteren Fläche des Abdomens; auf dem postanalen Körperabschnitt in der Gegend der Seitenlinie sechs Pigment- flecke in etwa gleichen Abständen von einander; in der Region der dorsalen Flossenträger 8, in der der ventralen 5 oder 6 ähnliche Flecke. Die Oper- kularstacheln sind unverändert und finden sich auch noch bei den frühesten Bodenstadien. Das linke Auge steht bei diesem Stadium ziemlich genau auf der Kante. Da das gleiche Entwicklungsstadium (Fig. 71 i) in einer Länge von 42 mm von Petersen am 19. November 1903 im Skagerak auch am Boden angetroffen wurde, so scheint es ziemlich sicher zu sein, daß die späten Stadien der Metamorphose, bei denen das linke Auge die Kante des Kopfes schon überschritten hat, überhaupt nicht planktonisch vorkommen, und daß die Körperlänge von 40 mm durchschnittlich das Ende des planktonischen Lebens bezeichnet. Das früheste Jungfischstadium, bei welchem beide Augen auf der rechten Körperseite stehen, ist von Holt (I. c. fig. 123) in einer Länge von 46 mm (also frisch vielleicht 50 mm) am Boden gefangen und abgebildet worden. Goode und Bean (Oceanic ichthyology p. 430, pl. 102, fig. 356 a und b) bilden aber ein Bodenstadium von 57 mm Länge ab, bei welchem das linke Auge bei seiner Wanderung noch nicht auf der Kante des Kopfes angelangt ist. Unterfam. Hippoglossina. Hippoglossus vulgaris Flem. (syn: Pleuronectes hippoglossus L, Hippogl. maximus Minding, Hippogl. linnei Malm.) 1875. Collett, R. Norges fiske p. 134 (ist nicht Hippoglossus sondern Plcur. cynoglossus.) 1892. Mc Intosh, W. C. 10»' annual rep. fish, board f. Scotld. p. 285—7, pL XVI, 11—13, 22. 1893. Mc Intosh, Ebenda 1 1 tn report p. 244. 1893. Petersen, C. G. Joh. Rep. of the Danish biolog. Station IV. p. 130, pl. II, fig. 21? (fig. 20 ist PL cynoglossus). Nord. Plankton. i 12 I 178 E. Ehrenbaum. 1904. Petersen, C. G. Joli. Meddelelscr f. kominissionen f. havundersögelser. Serie fiskeri Bd. I, p. 3. 1904. Schmidt, Johs., Ebenda Bd. I, 3, p. 5-8, pl. I, flg. 5—12. Farn. Pleuronectidae. I 179 Fig. 72. Hippoglossus vulgaris Flem. a. Larve vom 22. 5. 04. 13,5 mm lang, westlich der Färocr. b. „ „ 20. 6. 04. 16,25 „ „ Dänemark Straße. c. „ „ 20. 6. 04. 18 d. „ „ 19. 6. 04. 22 e. „ „ 20. 6. 04. 27 nach Johs. Schmidt. Der Heilbutt wird fast auf allen wichtigen Fischgründen im Eismeer sowie im Norden des atlantischen und pazifischen Ozeans angetroffen. Im atlantischen Gebiet geht er südwärts bis zur Biskaya, ostwärts bis zur Murmanküste. hi der westlichen Ostsee ist er vereinzelt beobachtet, bei Island ist er häufig und bei Grönland wohlbekannt. Auf den Fischgründen vor der ostamerikanischen Küste einschließlich der Neufundlandbänke spielt er eine sehr große Rolle. Die Laichzeit fällt in der Nordsee (?) und an den skandinavischen Küsten in die Zeit von Ende Februar bis Mai, besonders April bis Anfang Mai, bei Island in den Juni bis August. Die Eier sind ziemlich sicher freischwimmend; doch sind sie als solche noch nicht gefangen, jedenfalls noch nicht beschrieben worden, vielmehr nur aus dem reifen Ovar bekannt. Es sind wahrscheinlich die größten plank- tonischen Eier, welche existieren; ihr Durchmesser beträgt wohl 3,1 bis 3,8 mm. Sie haben einen homogenen Dotter ohne Öl und eine zähe Eihaut, aber wahrscheinlich keinen perivitellinen Raum von erheblicher Größe. Über ihre Entwicklung ist nichts bekannt. Auch über die Larven ist erst in neuerer Zeit Sicheres bekannt geworden. Zwar hat G. O. Sars im August 1871 in der großen Tiefe vor Christiansund eine noch fast symmetrische Plattfischlarve erbeutet, die zuerst von CoUett (1. c.) beschrieben und später von C. G. Joh. Petersen (1. c. fig. 20) auch abgebildet wurde und von beiden als zum Heilbutt gehörig angesehen wurde. Doch handelt es sich nach Petersens eigenen neueren Erklärungen hierbei sicher um einen Pleur. cynoglossus. Indessen hält Petersen es für möglich, daß die von ihm am gleichen Orte als Platysomaüchthys abgebildete und bei Grönland gefangene Larve von 51 mm Länge als Hippoglossus vulgaris an- zusehen ist. 118 * I 180 E. Ehrenbaum. Die einzigen zuverlässigen Beschreibungen und Abbildungen von Larven des Heilbutt hat Johs. Schmidt (1. c.) in neuester Zeit gegeben. Sie beziehen sich auf Entwicklungsstadien von 13,5 bis 34 mm Länge, welche bei Island und den Färöer von Ende Mai bis Anfang Juli gefangen wurden. Die jüngste Larve (Fig. 72a) besitzt außer der hypuralen Anlage der Schwanzflosse noch keine sichtbaren Flossenstrahlen. Die eigentümlich auf- gestülpte Schnauze verleiht dem Fischchen ein sehr charakteristisches Aus- sehen. Die larvalen Brustflossen sind ziemlich groß, desgleichen die Augen. Das Pigment ist sehr schwach und seine Verteilung wenig charakteristisch. Es findet sich in einigen zarten Längsreihen auf dem Körper und in kleinen Ansammlungen am Rande der Flossensäume. Vorderkörper und Kopf sind fast pigmentfrei; neben dem schwarzen Farbton ist rot an den Rändern der Muskelsegmente in äußerst zarten Pünktchen vertreten. Das nächste Stadium von 16,25 mm Länge (Fig. 72b) zeigt nur geringe Fortschritte in der Entwicklung. Die Urochorda ist stärker aufgebogen, die Flossenträger werden deutlich an der Basis der Flossensäume. Die Zahl der Wirbel, welche Vert.: 16 (17)+(32) (33) 34 (35) beträgt, läßt sich bereits feststellen. Beim folgenden Stadium von 18 bis 20 mm Länge (Fig. 72c) geht die Entwicklung der Strahlen in den unpaaren Flossen weiter, aber erst bei 22 — 23 mm Länge (Fig. 72d) läßt sich ihre Zahl einigermaßen feststellen: A: 71 83, D: 96—108. Inzwischen erscheint das linke Auge bereits deutlich aufgerückt. Die Bauchflossen sind als zarte Knospen sichtbar. Das Pigment beginnt jetzt sich in Gruppen zu sammeln, von denen auf der Analflosse drei ziemlich deutlich sind. Dieser Prozeß macht in der Folge weitere Fortschritte. Bei 27 mm Länge (Fig. 72e) sind auf der Afterflosse 4 Pigmentflecke in ziemlich gleichen Abständen sichtbar und dazwischen kleinere intermediäre, ferner auf der Rückenflosse 5 bis 6 größere Gruppen, zwischen denen ebenfalls kleinere liegen. Der Rand des linken Auges ist jetzt über der Körperkontur sichtbar. Die Brustflossen sind noch strahlenlos und groß, die Bauchflossen deutlicher geworden. Die ganz pigmentlose Schwanzflosse ist vollkommen ausgebildet. Allmählich beginnt nun auch das Pigment auf dem Körper und eine schon früher sichtbare Ansammlung auf der Stirn deutlicher zu werden, was bei den 30 mm langen Larven erkennbar ist und noch besser bei der größten bisher bekannt gewordenen planktonischen Larve von 34 mm Länge (Fig. 72 f) hervortritt. Bei dieser ist das linke Auge nahezu auf der Kante angelangt. Die Brustflossen sind noch immer sehr groß, ebenso die Schwanz- flosse, welche hinten gerade abgeschnitten ist. Das stark vermehrte Pigment ist auf der rechten Körperseite reicher als auf der linken und verleiht dem inzwischen weniger durchsichtig gewordenen Fischchen ein marmoriertes Aussehen. Auch auf den unpaaren Flossen ist das Pigment sehr vermehrt und selbst auf der Schwanzflosse sind im basalen Teil derselben 2 kleine Ansammlungen aufgetreten. Die Körpergröße, in welcher die Metamorphose abgeschlossen ist und das Leben am Grunde beginnt, ist nicht bekannt. Fam. Pleuronectidae. 1 181 Platysomatichthys hippoglossoides Walb. (syn: Pleur. hippoglossoides Walb., Hippoglossus hippoglossoides Lillj., Pleur. pinguis Fabr., Hippogl. pinguis Reinh., Hippogl. groenlandicus Gthr) 1893. Petersen, C. G. Joh. Report danish biol. Station IV. p. 130, pl. II, Fig. 21 (?) 1904. Schmidt, Johs., Meddelelser f. lVvw. Fig. 74. Drepatvopsetta platessoides Fabr. a) Planktonisches Ei vom 23. 3. 86, schottische Ostküste; 2,3 mm groß, nach Cunningham. Pigment schwarz. b) ähnliches Ei weiter entwickelt vom 29.3. 88, nach Holt. c) Larve eben ausgeschl. aus künstl.' befrucht. Eiern vom 5. 4. 94; 4 mm lang; nach Mc Intosh 1. c. 1895. d) Larve von 2 — 3 Tagen aus Eiern v. d. Gr. Fischerbk. vom 26. 3. 00; 5 mm lang „Poseidon" Igt. Original. *) e) Larve mit resorb. Dottersack vom 10. 5. 00, aus Eiern v. d. Gr. Fischerbk. 5 mm lang. „Poseidon" Igt. Original. *) bei d) bis e) Pigment schwarz und gelb. f) Larve vom 17. 5. 02; 7,2 mm lang von 58** N. 5" O. „Poseidon" Igt. Original. g) „ „ 26. 5. 02; 9 mm lang; westl. Teil d. Gr. Fischerbk. „Poseidon" Igt. Original, h) „ „ 26. 5. 02; 11,3 mm lang von ebenda. Original. i) „ „ 10. 7. 04; 19 mmlang; nördliche Nordsee 58« 27,5 N. 1«48. O. „Poseidon" Igt. Original. k) „ „ 10. 7. 04; 25 mm lang von ebenda. Original. 1) „ „ 11. 7. 03; 31,5 mm lang von Süd-Island, letztes planktonisches Stadium. nach Petersen. *) Die charakteristische Anordnung des Pigments in Zonen ist bei der Reproduktion dieser Abbildungen leider zum Teil verloren gegangen. - I 188 E. Ehrenbaum. ein sehr wertvolles Merkmal zur Erkennung der Larven abgibt, während die Zahl der Flossenstrahlen A: 63 — 73 D: 76 — 93 vor Abschluß ihrer völligen Ausbildung nur mit Vorsicht als Merkmal zu benutzen ist. Die eigentümliche Zonenbildung des Pigments auf dem Hinterkörper tritt oft sehr wenig deutlich hervor und verschwindet bei älteren Larven mehr und mehr, obwohl gewisse Spuren fast immer erkennbar bleiben. Letzteres gilt besonders auch für die Pigmentansammlung am äußersten Ende der Chorda, die jetzt allmählich nach oben aufgebogen wird und der hypuralen Anlage der definitiven Schwanzflosse Platz macht. Larven, bei denen das linke Auge seine Wanderung begonnen hat, sind meist schon 20 mm und darüber lang; sie sind von Kyle und Petersen abgebildet, und auch hierneben ist eine derartige Larve von 25 mm Länge im Original abgebildet (Fig. 74 k), welche der „Poseidon" in der nördlichen Nordsee erbeutete. Derartige Formen sind vor der schottischen Küste schon Mitte Mai beobachtet worden; der „Poseidon" fand sie in der nördlichen Nordsee in großer Zahl während der ersten Hälfte des Juli. Zur selben Jahreszeit wurden auch die von Petersen abgebildeten Larven bei Süd-Island gefangen. Doch sind diese wesentlich größer als die Nordseeformen. Planktonische Larven von 31 mm Länge scheinen bei Island nichts ungewöhnliches zu sein, Petersen sagt sogar, daß er dort und im nördlichen Norwegen Individuen von 35 mm Länge gesehen habe, deren Metamorphose noch nicht abgeschlossen und die „teilweise" noch planktonisch waren. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß Drepanopseita ebenso wie einige andere Pleuronectiden z, B. PI. limanda das Leben am Grunde aufnimmt, ehe das linke Auge auf seiner Wanderung die Kante des Kopfes erreicht hat, d. h. ehe die Metamorphose abgeschlossen, und ehe das schwachpigmentierte Larvenkleid mit dem stärker pigmentierten Kleid der Bodenform vertauscht ist. Unter den zahlreichen älteren Larven, die mir aus dem Gebiet der nördlichen Nordsee zur Verfügung standen, habe ich im Extrem planktonische Formen von 26 mm Länge beobachtet und solche von 25 mm, die noch fast symmetrisch waren. Ebenso große Individuen der letzten Larvenstadien wurden auch am Boden zugleich mit zahlreichen Jung- fischen von Drepanopseita gefangen. Die kleinsten Bodenstadien, welche die larvalen Charaktere verloren hatten, maßen in der Nordsee 24, bei Island nach Petersen 31 mm. Sehr ähnliche kleinere Plattfische, welche in der Nord- see mit den Drepanopsetten zusammen gefangen wurden, erwiesen sich bei genauerer Prüfung in der Regel als Klieschen. In der Tat verursacht die sichere Unterscheidung der Entwicklungsstadien von Pleuron. limanda und Drepanopseita nicht geringe Schwierigkeiten. Die von Holt (1. c. Fig. 98—103) als Larvenstadien von Drepanopseita abgebildeten Formen sind wie Kyle und Petersen nachweisen konnten, zum Teil sicher, zum Teil wahrscheinlich Klieschen. Soweit es sich um planktonische Stadien beider Arten handelt, ist die verschiedene Größe ein sehr zuverlässiges Merk- mal; dagegen ist die Zeit des Vorkommens — in der Nordsee vorzugsweise Mitte Mai bis Mitte Juli — bei beiden dieselbe. Farn. Pleuronectidae. I 189 Unterfam. Bothina. Platophrys laterna (Walb). (syn : Pleuronectes laterna Walb., Pleur. diaphanus Shaw, Pleur. casurus Hanmer, Pleur. leotardi Risso, PI. arnoglossiis Bl., Arnoglossus laterna Gthr., Rhombus arnoglossus Yarr., Pleur. conspersus Canestr., Arnogl. lophotes Gthr., Rhombus soleaeformis Malm) 1888. Raffaele F., Mitteil. zooi. Stat. Neapel VIII. p. 49—53 tav. 1,30 III, 12, 16, (gehören wahrscheinlich alle zu PI. grohmanni) 1894. Petersen, C. G. Joh., Rep. Danish biol. Station IV. p. 45. 1897. Ehrenbaum E., Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland II. S. 298— 307 Taf. V, 25—29. 1898. Holt E. W. L, Journ. M. B. assoc. 2.s. V. p. 48—50, 135—6. 1899. Ho 11 E. W. L, Annales mus. d'hist nat. Marseille V, 2. p. 78—80 Fig. 77—84. 1900. Heincke Fr. und E. Ehrenbaum, Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgo- land III. S. 234—5. Die Lammszunge gehört im Gebiet der Nordsee, namentlich in einigen Teilen derselben, zu den häufigen Fischen, ist aber wegen ihrer geringen Körpergröße vielfach übersehen worden. Sie kommt auch an den westlichen und südlichen Küsten Skandinaviens sowie an den britischen, französischen und den Mittelmeerküsten vor. Mit Cunningham, Holt und Calderwood nehme ich an, daß PI. lophotes Gthr. als zu dieser Art gehörig anzusehen ist. Die Laichzeit fällt in der Nordsee in die Monate Juni bis Ende August. Die Eier sind die kleinsten schwimmenden Fischeier, welche in den nordischen Meeren beobachtet worden sind. Ihr Durchmesser beträgt 0,60 bis 0,76 mm; die kleine Ölkugel ist 0,11 bis 0,13 mm groß. Embryonales Pigment tritt verhältnismäßig spät auf und ist dann charak- teristisch rosenrot bis rostbraun (ähnlich wie bei Rhombus maximus), während schwarzes Pigment nur in Gestalt minimaler Pünktchen vorhanden ist. Die Totallänge der ausschlüpfenden Larve beträgt nur 2,6 mm, wovon 1,1 mm auf den präanalen Körperabschnitt entfallen. Die von braun- rotem Pigment umschlossene Ölkugel liegt am hinteren Ende des langge- streckten Dottersackes, unmittelbar vor der Ausmündung des Afters. Das Auge ermangelt zunächst noch des schwarzen Pigments und ist nur schwach braunrot gefärbt, ebenso wie die vor ihm liegende Nasengrube. Braunrotes Pigment findet sich außerdem an folgenden Punkten: auf der Stirn und von da in den benachbarten Flossensaum ausstrahlend, an der dorsalen Körper- kontur im präanalen Körperabschnitt in etwa 4 Tupfen mit gleichmäßigen Abständen, in der Mitte zwischen After und Schwanzspitze in einem Tupfen, dem je ein gleichartiger in den Flossensäumen darüber und darunter entspricht, I 190 E. Ehrenbaum. und endlich in dem dorsalen Flossensauin mit 2 Tupfen über der Aftergegend. Auch an der Umbiegungsstelle des Darms zum After ist ein kleiner Pigment- belag vorhanden. Die Resorption des Dottersackes vollzieht sich in wenigen Tagen und ohne erhebliche Verlängerung der Larve; das Auge wird dunkel und er- hält einen blaugrünen Schimmer; die Brustflossen vergrößern sich und nehmen ihren definitiven Platz ein. Das Pigment erscheint namentlich im Kopf, im Peritoneum und in der Mitte zwischen After und Schwanzspitze vermehrt und durch schwarze Chromatophoren verstärkt. Der Darm ist in seiner hinteren Hälfte schon in eine einfache Schlinge gelegt. Farn. Pleuronectidae. I 191 Fig. 75. Platophrys laterna (Walb). planktonisches Ei vom Juni bei Helgoland. Durchm. 0,63 mm; nach Heincke und Ehren- baum; Pigment nur zart rosenrot. b. eben ausgeschlüpfte Larve vom 10. 7. 95. 2,57 mm lang; nach Ehrenbaum, Pigment rosenrot und schwarz. c. Larve nach Resorption des Dotters, 4 Tage alt, vom 1.8.96; 2,83 mm Ig. OriginaL d. Larve vor Beginn der Flossenstrahlenbildung vom 14. 9. 95; 4,7 mm lang. e. symmetrische Larve mit ausgebildeten Flossenstrahlen vom 6.9. 95; 12 mm lang. f. Larve im letzten Stadium der Metamorphose vom 22. 8.; 18 mm lang. d— f nach Ehren bäum; alle von Helgoland. Pigment bei c— f rotbraun, gelb und schwarz. a. Die wenig größere Larve von 4,7 mm Länge (Fig. 75 d) zeigt schon ein wesentlich verändertes Aussehen. Namenthch auffallend ist der geißei- förmige Anhang, der auf dem Scheitel des Kopfes steht und der sich aus dem dorsalen Flossensaum herausgelöst hat, ferner die große Leber und die von derselben weit nach hinten gedrängte Schlinge des Darmes. Gerade über dieser Darmschlinge ist eine kleine Schwimmblase sichtbar. Die Verteilung des Pigments ist im wesentlichen unverändert, doch ist dasselbe intensiver geworden und durch Auftreten von gelben Farbtönen vermehrt. Zeigt sich schon bei diesem Stadium eine Zunahme der Körperhöhe, so ist das in der Folge noch mehr der Fall, und zugleich nimmt die Ausbildung der Flossen- strahlen — in der Schwanzflosse beginnend — ihren Anfang. Schon bei einer Körperlänge von 7 mm sind fast alle Flossenstrahlen und auch die Wirbel der Larven so weit ausgebildet, daß es leicht gelingt, deren Zahlen festzustellen und dieselben für die Identifizierung der Larve zu benutzen. Die normalen Zahlen sind: A: 59—71, D: 83—93, Vert: 10+29. Bei den nächst älteren Larven zeigt sich das Höhenwachstum weiter vermehrt, ohne daß die Symmetrie der Larve im Geringsten gestört wäre; namentlich der Eingeweidesack baucht sich stark nach unten vor. Der Geißel- anhang am Anfang der Rückenflosse ist mit diesem nach vorn auf die Stirn hinauf verschoben. Alles dies ist bei der 12 mm langen Larve (Fig. 75 e) vollkommen deutlich. Die Leber fällt wie früher durch ihre Größe auf, und auch die weit nach hinten belegene steile Darmschlinge nebst der Schwimm- I 192 E. Ehrenbaum. blase sind gegen frühere Stadien nicht wesentlich verändert. Die Brustflossen sind klein und ermangeln der Strahlen, die Bauchflosscn sind in Gestalt mini- maler Knospen eben angelegt. Der Habitus der Larven bleibt in der Folge ziemlich unverändert bis zum Beginn der Metamorphose, welche sich sehr schnell vollzieht und deren Hintritt in der Regel erst bei einer Körperlänge von 16 mm und darüber bemerk- bar wird. Bei einem 18 mm langen Fischchen (Fig. 75 f), welches ebenso wie die letzten Larvenstadien im August planktonisch gefangen wurde, war die Asymmetrie schon sehr ausgeprägt. Von dem Tentakel auf der Stirn war nur noch ein kümmerlicher Rest vorhanden. Der früher stark vorgewölbte Eingeweidesack war in die Körperkontur hineingezogen und dadurch das Ver- hältnis von Leber und Darm etwas, obwohl nicht wesentlich, verändert. Die Pigmentierung war etwas lebhafter; namentlich die Pigmentansammlungen längs der Basis der Flossenträger und der Flossensäume sowie längs der Wirbel- säule waren ausgeprägter und auf den unpaaren Flossen mit Einschluß der Schwanzflosse waren verschiedene kleine Pigmentgruppen neu aufgetreten. Die Wanderung des rechten Auges nach der linken Seite des Körpers war schon vollzogen; dieselbe geht in der zuerst von J. Steenstrup be- schriebenen, später von A. Agassiz genauer beobachteten Weise vor sich, indem der Interorbitalbalken mit beiden Augen eine Rotation um die Längs- achse des Körpers ausführt, wobei das rechte Auge unter der bereits nach vorn verlängerten Rückenflosse hindurchgeht. Es entsteht dabei ein kurzes Zwischenstadium, in welchem eine doppelte Orbitalöffnung für das rechte Auge vorhanden ist, so daß dasselbe durch willkürliche Drehung bald nach rechts, bald nach links gerichtet werden kann; später schließt sich dann die Augen- höhle der rechten Seite durch Überwachsung. Platophrys Grohmanni (Bonap.)- (syn: Pleuronectes grohmanni Morcau, Arnoglossus Grohmanni Bonap.). 1888. Graefe, Ed., Arbeiten a. d. zool. Institut Wien Bd. VII, 3. S. 1 1 Taf. XXIX, 3. 1888. Raffaele, F. Mitteil. zool. Station Neapel VIII. p. 41—53 tav. I, 30; HI, 12, 16, 18; IV 20 (gehören vielleicht z. T. zu P. laterna). 1898. Holt, E. W. L, Journ. M. B. Assoc. 2.s. V. p. 50, 136-7. 1899. Holt, E. W. L, Annales mus. d'hist. nat. Marseille V, 2. p. 81—82, Fig. 81—84. 1900. Heincke, Fr. u. E. Ehrenbaum, Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgo- land, Bd. IH. S. 235. PI. grohmanni ist der vorigen Art sehr ähnlich ; sie ist hauptsächlich im Mittelmeergebiet verbreitet, aber auch an der irischen Westküste häufig und im englischen Kanal nicht selten und kommt vermutlich auch in der südlichen und südöstlichen Nor:'::e vor. Fam. Pleuronectidae. I 193 Die Eier von 0,72—0,74 mm Größe (im Mittelmeer von 0,67—0,68 mm) mit einem Öltröpfciien von 0,12 mm wurden von Holt im Juli bei Plymouth beobachtet. Die Embryonen sowohl wie die eben ausschlüpfenden Larven ähneln denen von P. laterna in hohem Maße, unterscheiden sich aber dadurch, daß sie zwei postanale Pigmentansammlungen besitzen, von denen die zweite nahe der Schwanzspitze liegt. Der Ton des Pigments ist sehr ähnlich, aber bei PI. grohmanni vielleicht etwas lebhafter rot oder orange. Fig. 76. Platophrys grohmanni (Bp.). a) Larve kurz nach dem Ausschlüpfen; 2,3 mm lang. Plymouth; nach Holt 1. c Fig. 83. Pigment orangerot. b) Larve von Neapel, etwas über 5 mm lang. c) „ „ „ 6—7 mm lang. d) ältere Larve von Neapel, 20 mm lang. b— d nach Raffaele. Nord. Plankton. I 13 I 194 E. Ehrenbaum. Die eben ausgeschlüpfte Larve war 2,32 mm lang; sie stimmt mit PL laterna überein in dem einzeiligen Charakter der Chorda, in der feinen Zähnelung des Randes der Flossensäume und der vielfach netzförmig papillösen Be- schaffenheit der Epidermis. Ältere Larvenstadien sind nicht mit völliger Sicherheit bekannt; aber wahr- scheinlich gehören alle von Raffaele abgebildeten Larven dieser Gattung hierher. Danach scheint es, daß der Geißelanhang am Anfang der Rückenflosse (Fig. 76 b) wesentlich länger ist als bei PI. laterna und nicht wie bei dieser während der Metamorphose obliteriert, sondern bestehen bleibt und beim noch völlig symmetrischen 2 cm langen Fischchen, wie Graefe sagt, einen langen hahnenfederartig gebogenen und mit einem breiten Hautsaume versehenen Anhang bildet, um schließlich zum verlängerten zweiten Strahle der ausge- bildeten Rückenflosse zu werden. Vor diesem verlängerten Strahl gelangt als erster Strahl der Rückenflosse bei PL grohmanni ein kurzer stachelförmiger Strahl zur Ausbildung (Fig. 76c). Holt erwähnt (Report Sea and Inland fisheries of Ireland for 1901 p. 69), daß die planktonischen Larvenformen dieser Art eine außerordentliche Größe erreichen, welche über die Größe der Larven von Pleiir. cynoglossus hinausgeht. Rhombus maximus L. (syn: Rhombus aculeatus RondeL, Pleuronectes maximus L., Bothus maximus Coli.) 1891. Holt, E.W. L, Scient. transact. Roy. Dublin soc. 2. s. vol. IV. p. 469—71. pl. 48 fig. 18, pl. 49 fig. 25 und 25«. 1893. Canu, E. Annales d. 1. Station aquicole d. Boulogne s. m. vol. I. p. 131, pl. X, 1—5. 1894. Petersen, C. G. J., 4'" rep. Danish biol. Station p. 41—43, 131 ff., tab. I, 1—4. 1895. Mc Intosh, W. C, 13'" rep. fish, board f. Scotld., pt. III. p. 224—229, tab. VIII, 1 — 14. 1897. Ehrenbaum, E., Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland, Bd. II, 1. S. 282—90, Taf. V, 19—20; VI, 21. 1899. Holt, E. W. L, Annales d. mus. d'hist. nat. de Marseille V, 2. p. 65—66, pl. VIII, 85—88. 1900. Heincke, Fr. und E. Ehrenbaum, Wissensch. Meeresunters., Abt. Helgoland, Bd. IH. S. 230—1. Das Verbreitungsgebiet des Steinbutts reicht vom Mittelmeer — mit Einschluß der Adria und des schwarzen Meeres — nordwärts bis Bergen; bisweilen wird er sogar bei Lofoten noch gefangen; auch in der Ostsee ist er nicht selten und geht in derselben an der schwedischen Seite wie an der preußischen und russischen nordwärts bis zu den Alands-Inseln und darüber hinaus. Im Bereich der Nordsee und des englischen Kanals spielt er eine besonders große Rolle als Gegenstand der Fischerei. Farn. Pleuronectidae. I 195 Die Laichzeit des Steinbutts fällt im Nordseegebiet in die Monate April bis August. Das Ei hat einen homogenen Dotter und eine verhältnis- mäßig kleine Ölkugei von 0,15 bis 0,22 mm. Der Eidurchmesser beträgt 0,912 bis 1,195 mm; seine mittlere Größe geht von 1,09 im April und Mai auf 1,01 mm im August herab. Die Eihaut besitzt oft eine geflechtartige Struktur; im Embryo wird frühzeitig fein punktförmig schwarzes (Fig. 77a) und bald darauf auch rot- gelbes, später lebhaft rotbraunes Pigment ausgebildet; der After liegt in kleinem Abstände hinter dem Dottersack. (Fig. 77b). Die ausschlüpfende Larve ist nur 2,2 bis 2,8 mm lang (Fig. 77c); der After liegt ziemlich genau in der Mitte des Körpers; der Enddarm ist fadenförmig zart. Die Ölkugei liegt, von schwarzem und rotbraunem Pigment umgeben, .im hintersten Ende des Dottersacks, seltener in der Mitte des unteren Randes. Außerdem überzieht schwarzes und rotbraunes Pigment den ganzen Körper und in der Mitte des postanalen Körperabschnittes auch die Flossensäume; eine schwächere Ansammlung rötlichen Pigments befindet sich auch am Rande des dorsalen Flossensaumes in der Gegend über dem After; die Augen ermangeln zunächst noch des dunklen Pigments. Während der Resorption des Dottersackes, die etwa 7Tage in Anspruch nimmt, vergrößert sich die Larve auf 3,2 — 4,8 mm (Fig. 77d). Das Pigment ist sehr viel intensiver geworden, aber in der Verteilung im wesentlichen unverändert; neu ist nur eine Ausstrahlung des Kopfpigments in eine Wölbung des dorsalen Flossensaumes, dessen Vorderende bis zur Nase verlängert ist. Die äußerste Schwanzspitze der Larve ist fast ganz frei von Pigment. Bei den nächst größeren Larven von 5 — 6 mm Länge vermehrt sich (Fig. 77e) das dunkle Pigment stark gegenüber dem rotbraunen, welches jetzt im auffallenden Lichte einen mehr ockergelben Ton hat; die Schwimmblase wird deutlich, ebenso wie die Anfänge einer charakteristischen Bewaffnung des Kopfes — speziell der Dornen auf dem Kiemendeckel — und dann bereitet sich die Ausbildung der Strahlen in den unpaaren Flossen vor, zunächst in der hypuralen Schwanzflosse. Die 10 mm lange Larve (Fig. 77f) bezeichnet ungefähr das letzte der vollkommen symmetrischen Larvenstadien. Die Strahlen der unpaaren Flossen sind ziemlich vollständig ausgebildet, die Schwanzflosse in ihre definitive Stellung aufgerückt. Die Bewaffnung des Kopfes mit Dornen, welche auf dem Kiemendeckel, über der Orbita und am oberen Ende der Clavicula stehen, ist sehr ausgeprägt. Die Larve ist fast gleichmäßig dunkel pigmentiert und zwar auf beiden Seiten des Körpers; nur die Schwanzflosse bleibt meist ganz hell, desgleichen einige Teile der anderen unpaaren Flossen. Der Beginn der Asymmetrie kündigt sich durch leichtes Aufrücken des rechten Auges an (Fig. 77 g). Sowohl dieses wie auch frühere und die späteren Stadien werden am sichersten durch Zählung der Flossen- strahlen und der Wirbel identifiziert: A: 42—49, D: 57—68, Vert: 11 (12)-|- 19—20. 1 13* I 196 E. Ehrenbaum. Fam. Pleuronectidae. I 197 Fig. 77. Rhombus maximus L. a) Jugendlicher Embryo vom 25. 6. .90, planktonisch, irische Westküste. Durchm. 1,10 mm. Pigment schwarz. b) Embryo, 4 Tage älter als voriger, ebendaher. Pigment schwarz und rotbraun. a und b nach Holt 1. c. 1891. c) Larve eben ausgeschlüpft, 2,8 mm lg. vom 18. 6. 95. Helgoland. ) Pigment schwarz d) „ mit resorbiertem Dotter, 4,8 mm lg. vom 24. 6. 95. „ j und rotbraun. c und d nach Ehrenbaum. e) Larve aus der Nordsee, 5,5 mm lg. (im Präparat); nach Holt 1. c. 1899. f) Larve aus den dänischen Belten, 10 mm lg.; nach Petersen. g) Larve mit beginnender Asymmetrie vom 19.7.95. Helgoland. 12,7 mm lg. nach Ehren- baum, h) Stadium der Metamorphose mit Auge auf der Kante aus den dänischen Gewässern 21 mm lg. nach Petersen. Pigment: schwarz, orangegelb und silberweiß.*) *) Die charakteristische Verteilung des Pigments ist bei der Reproduktion zum Teil verloren gegangen. j 193 E. Ehrenbaum. Spätere Stadien der Metamorphose (Fig. 77h) werden in sehr wechselnden Größen bis zu 27 mm Länge, bisweilen auch noch wesentlich größer, planktonisch angetroffen. Die Bewaffnung des Kopfes nimmt mit der Weiter- entwicklung eher ab als zu. Die Pigmentierung ist äußerst variabel, aber meist sehr dunkel, auf der rechten Körperseite allmählich verblassend, bis- weilen auch in Streifen angeordnet, aber niemals in so regelmäßigen Quer- bändern wie beim Glattbutt. Neben schwarz findet sich orangegelbes Pigment und eine Anzahl rundlicher silberweißer Flecken, die über die Region der Flossenträger und den eigentlichen Körper verteilt sind. Die Schwimm- blase ist groß und meist sehr deutlich. Rhombus laevis Rondel. (syn: Pleuronectes laevis L., Pleuronectes rhombus L., Bothus rhombus Jord. Gilb. Pleuronectes passer Gronov., Rhombus barbatus Risso.) 1888. Raffaele, F. Mitteil. a. d. zool. Station Neapel VIII. p. 48—49 tav. IV, 8. 11. 12. 15. 18. 1890/4. Marion, A. F. Annales d. mus. d'hist. nat. d. Marseille T. IV. pl. II fig. 20 (irrtümlich als Trigla bezeichnet). 1891. Mc Intosh, W. C. 9'" ann. rep. fish, board. f. Scotld. pt. III. p. 317 pl. XIII, 1—3. 1892. Mc Intosh, W. C. W^ ann. rep. fish, board. f. Scotld. pt. III p. 294 pl. XIV, 9. XV, 1. XVI, 14—18. 1893 Canu, E. Annales d. I. Station aquicole de Boulogne s. m. vol I. p. 132 pl. XI, 1-4. 1894. Petersen, C. G. J. 4«^ rep. Danish biol. Station p. 43—44, 131 ff. tab. I, 5—8. 1897. Ehrenbaum, E. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. II. S. 291—7, Taf. VI, 22—24. Der Glattbutt hat eine ähnliche Verbreitung wie der Steinbutt. Auch er geht nordwärts bis Bergen, in der Ostsee aber ostwärts nicht über Schonen und Mecklenburg hinaus. Besonders häufig ist er im Kattegat. Die Laichzeit fällt ein wenig früher als die des Steinbutt. Für das Gebiet der Nordsee kommen die Monate März bis August in Betracht, be- sonders jedoch Mai bis Juli. Die Eier sind 1,24 bis 1,50 mm groß (wahrscheinlich auch noch kleiner) und von denen der Trigla-Arten schwer zu unterscheiden; doch ist ihre öl- kugel wie bei den Eiern aller Rhombus-Arten verhältnismäßig klein und mißt nur 0,21 bis 0,25 mm. Bei Embryonen von 5 Tagen, welche etwa die Hälfte des Dotters umspannen, machen sich die ersten Spuren von Pigment bemerkbar: sehr wenig schwarz und ein über das ganze Ei gleichmäßig verbreiteter gelblicher Schimmer, der von dem Auftreten zahlreicher dichter gelber Pigmentzellen auf Dotter und Farn. Pleuronectidae. I 199 Embryo herrührt. Das Pigment vermehrt sich nun sehr schnell. Zwei Tage später (Fig. 78a) sind schon zahlreiche schwarze und gelbe Chromatophoren sehr deutlich, und in der Folge nimmt dieses Pigment eine solche Intensität an, daß es darin die Embryonen der meisten anderen Arten übertrifft und sich dadurch schon dem unbewaffneten Auge verrät (Fig. 78 b). Neben dem ursprünglich vorhandenen schwarz und gelb, bemerkt man kurz vor dem Ausschlüpfen auch orangerote und bräunliche Farbtöne, die alle sehr brillant sind. Die ausschlüpfende Larve ("Fig. 78 c) ist etwa 4 mm groß und zeigt das Pigment in derselben Dichtigkeit und Brillianz wie der weitentwickelte Embryo. Die Verteilung auf Körper der Larve und Flossen ist sehr ähnlich wie beim Steinbutt; nur ist beim Glattbutt auch der Dottersack dicht mit Pig- ment umgeben. Die Ölkugel liegt ebenso wie boim Steinbutt am ventralen Rande oder am hinteren Ende des Dotters; die Augen sind zunächst noch nicht dunkel und der After liegt unweit des hinteren Dotterrandes etwa in der Mitte des Körpers. Während der Resorption des Dottersackes vergrößert sich die Larve nicht wesentlich; das vordere Ende der Rückenflosse wölbt sich über dem Kopf stärker, ebenso wie beim Steinbutt, und die Pigmentierung dieses Teils tritt deutlicher hervor. Die Schwimmblase wird deutlich und das schwarze Pigment erscheint im Peritoneum besonders dicht. Das Schwanzende bleibt frei von Pigment (Fig. 78 d). Die unmittelbar folgenden Stadien des Glattbutts sind wenig bekannt, obwohl sie durch die Beibehaltung der charakteristischen Pigmentverteilung leicht erkennbar sind. Eine 6,6 mm lange Larve vom 18. 8. 98 (Fig. 78 e) zeigt eine fast gleichmäßig über den Körper der Larve verteilte gelbe Grundfarbe nebst schwarzen Chromatophoren. Beide strahlen nur in einer auf der Mitte des postanalen Körperabschnittes liegenden Region auf die Flossensäume aus. Die Ausbildung der Flossenstrahlen nimmt eben ihren Anfang, am deutlichsten in der hypuralen Schwanzflosse; die Urochorda verläuft noch fast völlig gestreckt. Die Bewaffnung des Hinterkopfes und des Kiemendeckels mit Dornen ist ziemlich kräftig. Die Schwimmblase ist groß und deutlich, die Brustflossen klein und zart und ohne Strahlen. Auch bei den nächstfolgenden Stadien ist die Pigmentverteilung höchst typisch und bietet das beste Mittel zur Erkennung der Larven. Eine 9 mm lange Larve (Fig. 78 f) zeigt die Anordnung des Pigments im wesentlichen in völliger Übereinstimmung mit den jüngeren Stadien (Fig. 78 c und d), während der eigentliche Körper der Larve fast gleichmäßig mit Pigment bedeckt ist, greift letzteres auf die Flossensäume nur an 4 bestimmten Stellen über, wie aus der Fig. 78 f erhellt. Der Schwanz, in welchem die Urochorda schon ziemlich stark aufgebogen ist, bleibt pigmentfrei; die Flossenstrahlen in den unpaaren Flossen sind nahezu vollzählig ausgebildet, die Zahl der Wirbel ist genau kontrollierbar. Alles weist auf die Verhältnisse des aus- gebildeten Tieres hin: A: 54—61, D: 73— 83, Vert: 10— 1 1 -f 24—25. Im oberen und vorderen Teil des dunklen Eingeweidesackes ist die Anlage der I 200 E. Ehrenbaum. Farn. Pleuronectidae. I 201 Fig. 78. Rhombus laevis Rondel. a) Embryo von 7 Tagen künstlich befruchtet bei Aberdeen vom 29. 5. 92. Eidurchm. 1,33 mm. Pigment: schwarz und gelb nach Mc Intosh 1. c. 1892. b) Embryo von 2 Wochen künstlich befruchtet, schottische Küste vom 15. 5. 91. Eidurchm. 1,41 mm; Pigment: schwarz, gelb und orange; nach Mc Intosh 1. c. 1891. c) Larve 1 Tag alt vom 2. 3. 90, ca. 4 mm lg., Marseille; nach Marion. d) Larve mit resorbiertem Dottersack, 4,5 mm lg., vom3. 6. 94, Helgoland; nachEhrenbaum. Pigment bei c und d wie vorher. e) symmetrische Larve 6,6 mm lg. vom 18.8. 98 bei Helgoland. OriginaL f) symmetrische Larve mit Flossenstrahlen 9 mm lg. Helgoland; nach Ehrenbaum. g) asymmetrische Larve 19 mm lg. dänische Gewässer. Pigment: schwarz, orangegelb und silberweiß; nach Petersen, h) asymmetrische Larve mit veränderter Anordnung des Pigments, 28 mm lg-, März 1885 von Neapel; nach Raffaele. Schwimmblase sichtbar. Die Bauchflossen sind klein, treten aber durch ihre Pigmentierung deutlich hervor. Auf dem Kiemendeckel ist ein schwacher Besatz von dornigen Spitzen bemerkbar. Im weiteren Verlauf der Entwickelung kommt nun die Asymmetrie zum Durchbruch, indem das rechte Auge anfängt langsam aufzurücken, 1 202 £. Ehrenbaum. und zugleich erfährt die Pigmentierung eine erhebliche Verstärkung, indem zwischen den schon vorhandenen Pigmentausstrahlungen auf den unpaaren Flossen neue Ansammlungen eingeschoben werden (Fig. 78 g). Hierdurch erhält die Pigmentierung des Fischchens ein verändertes aber höchst charakteristisches gebändertes Aussehen, welches die Art leicht kenntlich macht und namentlich vom Steinbutt unterscheidet, mit dem diese Stadien vergesellschaftet angetroffen werden. Aus den 2 oberen und 2 unteren Ausstrahlungen werden zunächst 5 obere und 3 untere und später 7 obere und 4 — 5 untere. Neben dem dunklen Pigment ist gelbes und gelb- rotes Pigment vorhanden und ziemlich gleichmäßig über den ganzen Körper verstreut; außerdem bemerkt man zwischen den dunklen Pigmentbändern und im Verlauf der Seitenlinie eigentümliche silberweiße, blaugrün irisierende Flecke. Auf dem Kiemendeckel sind mehrere Reihen Dornen vorhanden, und ebenso sind jederseits hinter der Otocyste und auf der Crista über dem linken Auge einige dornige Spitzen sichtbar. Die Brustflossen entbehren noch lange Zeit der Strahlen, wenn die Strahlen in den anderen Flossen längst ausgebildet sind. Während der Metamorphose wachsen die jungen planktonischen Fischchen von 12 bis 26 mm und darüber heran; das Pigment der rechten Seite, welches beim 15 mm langen Tier noch ebenso ausgeprägt ist wie auf der linken Seite, tritt später mehr und mehr zurück. Die ältesten planktonischen Stadien zeigen eine gegen die jüngeren völlig veränderte Anordnung des Pigments (Fig. 78h). Die Gliederung in Bänder ist völlig geschwunden; die Färbung ist schwarz, weiß, chrom- und orangegelb; charakteristisch ist eine Anzahl ovaler weißer Flecke, von denen 7 in der Region der dorsalen, 5 in der der ventralen Flossenträger und einige weitere auf dem Körper und auf der Schwanzwurzel liegen. Im allgemeinen ähnelt die Pigmentierung sehr derjenigen gleichgroßer Steinbutt. Lepidorhombus whiff (Penn.) Walb. (syn: Pleuronecies whiff Walb., Pleuron. megastoma Donov., Rhombus mega- stoma Yarr., Zeugopterus megastoma Coli, Lepidorhombus megastoma Coli., Arnoglossus megastoma Day.) 1892. Mc Intosh, W. C, lO^i annual rep. fish, board f. Scotid. pt. III. p. 292—4 pl. XVI, 1 — 10. 1893. Holt, E. W. L, Transact. Roy. Dublin soc. 2. s. vol. V. p. 71—4. pl. VII, 56 pl. XV, 116—118. 1904. Petersen, C. G. Joh. Beretning fr. d. danske biolog. Station XII. (1902 u. 3) p. 28—30 pl. I Fig. 9 u. 10. Dieser Fisch lebt besonders im tiefen Wasser rings um die britischen Küsten herum und weiter südlich; an den norwegischen Küsten ist er nord- wärts bis zum Trondhjem-Fjord beobachtet; bei Island ist er häufig, im Skagerrak findet er sich selten, in der östlichen und südöstlichen Nordsee scheint er zu fehlen. Farn. Pleuronectidae. I 203 Die Laichzeit fällt an der irischen Küste in die Monate März, April und Mai; an der schottischen Ostküste wurde Ende Mai die künstliche Be- fruchtung mit Erfolg ausgeführt. Die Eier haben einen homogenen Dotter, sind 1,07 bis 1,22 mm groß und enthalten eine klare Ölkugel von 0,25 bis 0,30 mm. Auf der Innenfläche der Eihaut ist ein feines Maschenwerk von unregelmäßig verlaufenden Fältchen sichtbar. Die Entwickelung der Eier nahm Ende Mai nur 5—6 Tage in Anspruch; es entsteht ein allmählich sich vergrößernder perivitelliner Raum, und schon am 3. Tage umspannt der Embryo die Hälfte des Dotters; gleich darauf er- scheinen die ersten Pigmentzellen, die sich noch am selben Tage besonders in der Umhüllung der Ölkugel und im Schwanzteile des Embryo erheblich vermehren (Fig. 79 a). Das Pigment ist während der Embryonalzeit aus- schließlich schwarz. Auch die ausschlüpfende Larve, die fast 4 mm lang zu sein scheint, besitzt ausschließlich schwarzes Pigment. Dasselbe ist ziemlich gleich- mäßig über den Körper verstreut, und eine Anzahl zum Teil V förmiger Pigment- gruppen finden sich auf den Flossensäumen (Fig. 79b); auch die ellipsoidische ölkugel, welche am hinteren Dotterende liegt, ist von schwarzem Pigment umgeben. Die Augen sind zunächst noch farblos. Der After liegt eine Strecke vom hinteren Dotterrande entfernt. Am dritten Tage des Larvenlebens erscheint neben dem schwarzen Pigment auch gelbes und zwar besonders auf den Flossensäumen und in der hinteren Körperhälfte (Fig. 79 c). In der Folgezeit werden die Augen tiefschwarz und der Dotter nebst der Ölkugel schwindet. Die nächstfolgenden Entwicklungsstadien sind nicht bekannt. In neuester Zeit hat Petersen aus dem vom dänischen Forschungs- dampfer „Thor" gesammelten Material einige Entwicklungsformen beschrieben, die von ihm anscheinend mit Recht zu Lepidorhombus whiff gestellt worden sind. Diese Fischchen wurden am 11. September 1903 bei den Shetlands- Inseln in 64 Faden Tiefe mit dem Jungfischtrawl gefangen; sie waren noch glashell und trotz des frühen Entwicklungsstadiums, das sie repräsentierten, 13 und 14 mm lang. Sehr charakteristisch für sie ist das Vorhandensein von Dornen über der Otocyste, wie sie ähnlich auch bei Zeugopterus punctatus vorkommen, der aber in der angegebenen Größe seine Verwandlung in der Regel schon durchgemacht hat. Derartige Dornen auf der Otocyste fanden sich auch bei einigen frühen Bodenstadien von 27 — 32 mm Länge, welche bei Island in 120 bis 400 m Tiefe gefangen wurden, und welche unter anderem auch durch ihre Flossenstrahlen D: 90 — 96 A: 72 - 74 auf die Zugehörigkeit zu L. whiff hinwiesen. Da diese Exemplare im Hinblick auf den embryonalen Charakter ihrer Brustflossen das planktonische Leben erst eben absolviert haben konnten, so steht obige Bestimmung von Petersen in einem erheblichen Widerspruch zu den Angaben von Holt, der (1. c. Fig. 116) ein frühes Bodenstadium von angeblich L. iv/z/^ abgebildet hat, welches mit anderen ähnlichen am 19. August 90. an der irischen Westküste gefangen, erst 19 mm lang war und trotzdem in den Brustflossen die Charaktere der abgeschlossenen Metamorphose I 204 E. Ehrenbaum. Farn. Pleuronectidae. I 205 nach Petersen. Fig. 79. Lepidorhombus whiff (Penn) Walb. a) Embryo vom 3. Tage, künstl. befruchtet vom 30. 5. 92; Aberdeen. b) Larve aus diesen Eiern, 2 Tage alt vom 3. 6. 92, ca. 4 mm lang. Pigment bei a und b nur schwarz. c) Larve einige Tage alt. Aus derselben künstlichen Zucht, vom 7. 6. 92. Pig- ment schwarz und gelb. a— c nach Mc Intosh. d) Larve vom 11. 9. 03, 14 mm lang; Shetlandsinseln e) Jungfisch von 29 mm Länge im Sommer bei Island gefangen f) (?) Jungfisch vom 19. 8. 9J, 19 mm lang. Frühes Bodenstadium von der irischen Küste, möglicherweise Lepidorhombus boscii (Risso) ; nach Holt. aufwies. Petersen ist geneigt, die von Holt beschriebenen Formen zu der verwandten Art Lepidorhombus boscii (Risso) zu stellen, mit der sie auch in den Körperformen einige Ähnlichkeit haben sollen. Es bleibt dabei jedoch zu bedenken, daß L. boscii zwar von einigen Expeditionen südlich von Irland in nicht unbedeutenden Mengen aufgefunden worden ist (cf. Günther in Annais a. magazine nat. hist. IV. 1889 p. 418), daß Holt sie aber auf seinen Untersuchungsfahrten trotz spezieller Aufmerksamkeit vermißt hat. (Scient. transact Roy. Dublin soc. 2. s. V. (1895) p. 486). Unsre Kenntnis der Entwicklungsformen von Lepidorhombus whiff ist also einstweilen noch lückenhaft. An einer Anzahl von erwachsenen Exem- plaren, welche bei Island gefangen wurden, habe ich folgende Formel für Flossenstrahlen und Wirbel bestimmt: D: 85 -96, A: 67-75, Vert: 104-32—33. Gruppe der Zwergbutt. In den nordischen Gewässern kommen drei Arten von kleinen Plattfischen vor, die von den Engländern mit dem gemeinsamen Namen topknots bezeichnet werden; man könnte sie deutsch am passendsten Zwergbutt nennen. Sie gehören zwei verschiedenen Gattungen an und heißen Zeugopterus punctatus (Bl.) Scophthalmus norvegicus (Othr.) Scophthalmus unimaculatus (Risso). l 206 E. Ehrenbaum. Die Jugendformen dieser Arten sind zum größten Teil nicht so gut bekannt, daß eine Unterscheidung sicher gelingt. Die nicijt gleichmäßige Ver- breitung der drei Arten bildet nur ein unzuverlässiges Hilfsmittel für die Zuweisung der Larvenformen, da die Fische sich durch ihre Kleinheit und ihre Lebensgewohnheiten dem Fange entziehen und man über ihre Häufigkeit wenig genaues sagen kann. Von den Formen der Gruppe Rhombus und Platophrys unterscheiden sie sich durch den Mangel einer Schwimmblasen- Anlage, von Lepidorhombus whiff durch eine geringere Zahl von Wirbeln, speziell von Schwanzwirbeln. Die beiden Scop/ithalmus-Arinn unterscheiden sich von Zeiigopteriis piinctatiis durch eine geringere Zahl von Strahlen in den unpaaren Flossen, können aber von einander (in ihren Jugendstadien) bisher nicht unterschieden werden. Zeugopterus punctatus (BI.) (syn: Plcuronedes punctatus BL, Rhombus punctatus Gthr., Pleur. hirtus Abildg. Zeugopterus hirtus Gottsche.) 1890. Mc Intosh, W. C. and E. E.Prince. Transact. Roy. soc. Edinburgh XXXV. p. 852, pl. I, 6. pl. XIX, 1. (?) 1893. Holt, E. W. L., Transact. Roy. Dublin, soc. 2. s. vol. V. spezies X, p. 96, pl. II, 17—21 (?) species XI, p. 99, pL VIII, 62—64 (?), species XIV, p. 111, pL XIL 1894. Mc Intosh, W. C, 12'" annual rep. fish, board f. Scotld. pt. III. p. 222, pl. IV, 1—4 (?) 1894. Cunningham, J. T., Journ. M. B. assoc. n. s. vol. III. p. 202—5. 1894. Petersen, C. G. Joh., IV'" rep. Danish biol. Station p. 135, pl. II, fig. 15. 1899. Holt, E. W. L, Annales d. mus. d'hist. nat. de Marseille, voL V, 2. p. 70—74, pl. VIII, fig. 90 und 91. 1904. Petersen, C. G. Joh., Beretning fr. d. danske biol. Station XII. p. 24, fig. 1-5. Dieser von den Engländern als „Müllers topknot bezeichnete kleine Fisch ist am verbreitetsten an den britischen Küsten, besonders auf felsigem Grunde; er kommt aber auch sonst an den atlantischen Küsten Europas von der Biscaya bis nach Trondhjem vor; auch im Kattegat und südwärts bis zum Sund ist er beobachtet. Die Laichzeit scheint sich vom April bis in denjuni auszudehnen, dauert aber vielleicht auch bis zum August und beginnt bei Plymouth und südlicher schon im März. Die Eier sind 1,00 bis 1,07 mm groß mit homogenem Dotter und einem Öltröpfchen von 0,18 bis 0,20 mm. Es sind die größten unter den Eiern der top k not- Arten, und dies ist sicher, da Mc Intosh und Prince sie direkt vom laichreifen Weibchen gewinnen konnten. Indessen ist die künstliche Befruchtung niemals ausgeführt worden, und daher ist das Aussehen der Embryonen und der jüngsten Larven nicht sicher bekannt. Es kann sein, daß Fam. Pleuronectidae. I 207 die von Mc Intosh abgebildeten (1. c. pl. IV, 1—4) Formen hierher gehören oder vielleicht noch wahrscheinlicher die von Holt (I.e. 1893) als Sp. X, XI und XIV bezeichneten und abgebildeten. Mit etwas größerer Wahrscheinlichkeit kann erst eine 4,5 bis 5 mm lange Larve, die Holt im Mai 1897 bei Plymouth fing (Fig. 80c) hierher gerechnet werden. Dieselbe besitzt ein höchst charakteristisches streifig angeordnetes gelbes und schwarzes Pigment, namentlich auf den Flossensäumen, und zwei nicht minder charakteristische große Dornen, die auf dem Periotikum stehen. Dieselben Merkmaie haben auch ältere Larven von 5,9 und 10,6 mm Länge, welche Holt im Mai 1891 in den irischen Gewässern, und von 11 mm und darüber, welche Cunningham Anfang Mai am Strande bei Plymouth erbeutete. Die letzteren hatten wohl ihr pelagisches Leben schon absolviert. Die beiden ersteren (Fig. 80 d — f) zeigen besonders ausgeprägt die streifige Anordnung des gelben und schwarzen Pigments auf den Flossen und auch die Stellung der beiden großen Dornen jederseits hinter der Otocyste (Fig. 80 f), zu denen sich noch ein weiterer sehr kleiner Dorn über und hinter den Augen gesellt hat. Bei der 10,6 mm langen Larve sind auch die Flossenstrahlen schon größtenteils ausgebildet. Dies ist aber bei den von Cunningham beobachteten Formen in noch höherem Maße der Fall, so daß dieser Forscher für das eine Individuum die Zahl der Strahlen zu D: 90, A: 69 bestimmen konnte. Er findet, daß sowohl diese hohen Strahlenzahlen als auch die Form der von ihm beobachteten Fischchen am besten für die Zugehörigkeit zu Zeugopt. pundatus passen. Dasselbe muß ich von einem Exemplar im späten Stadium der Metamorphose sagen, welches am 19. August 1902 von uns am Nordrand der Gr. Fischerbank (auf der deutschen Termin-Station 6) gefangen und von mir genauer untersucht wurde (Fig. 80 g). Dasselbe war vorzüglich erhalten, maß im Präparat 11,7 (also frisch etwa 12,8) mm. Die Strahlenzahl betrug D:90, A:71, die Wirbelzahl Vert.: lO-j-26. Alle diese Zahlen passen am besten auf Zeug, pundatus. Auch für die Wirbel scheint dies der Fall zu sein, da A. W. Malm (Göteborgs och Bohusläns fauna p. 519) bei zwei erwachsenen Fischen dieser Art 10-1-26 und ll-|-25 zählte (während Günt he r allerdings 12-[-25 angibt).*) Als sehr charakteristisch muß im Hinblick auf die jüngeren Stadien (Fig. 80 d und e) auch die Verteilung des Pigments auf den unpaaren Flossen angesehen werden. Leider konnte das Vorhandensein der Dornen auf dem Epiotikum nicht mehr sicher ausgemacht werden, da das Fischchen erst als Balsampräparat untersucht wurde. Dennoch scheinen diese Dornen vorhanden zu sein, aber verhältnismäßig nicht mehr so groß und auffallend, wie bei den jüngeren Entwicklungsstadien. Das eben beschriebene Exemplar weicht in der Gesamterscheinung ziemlich stark ab von einigen anderen Individuen, welche etwa dasselbe Ent- wicklungsstadium repräsentieren und neuerdings auch für Zeug, pundatus in Anspruch genommen sind. Eins derselben von 1 1 mm Länge (D: ca. 87, A: ca. 62), welches Ende August an der schottischen Küste gefangen wurde, ist zuerst von Mc Intosh und Prince abgebildet (I. c. pl. XIX, 1) und als Rhombus *) Petersen [i. c. 1904J gibt für ein Exemplar 9 f-25 Wirbel an. I 208 E. Ehrenbaum. Fam. Pleuronectidae. I 209 Figur 80. Zeugopterus punctatus Bl. a) planktonisches Ei mit Embryo vom 18. 4. 91. Durchm. 1,01 mm. irische Küste; (fraglich ob hierher gehörig.) | Pigment b) Larve aus solchen Eiern, 2 Tage alt, 3,4 mm lang; [ schwarz und gelb. nach Holt 1. c. 1893. sp. X. ) c) Larve mit großen Dornen am Hinterkopf, 4—5 mm lang. Mai 1897 bei Plymouth, nach Holt 1. c. 1899 Fig. 90. d) Larve 7 mm lang von der irischen Küste, Mai 1891. ) X ipvf« ( Pigment schwarz und gelb. ^/ » lv^,0 n n iy n w n n n f f) Vorderkörper derselben Larve von oben gesehen; d— f nach Holt 1. c. 1893, pl. XII. g) (?) planktonische Larve in Metamorphose ca. 12,8 mm lang vom 19. 8. 02. Nordrand der Großen Fischerbank. Original*) (zweifelhaft ob hierher gehörig), h) Larve von Ende August 86, 1 1 mm lang. SO. der Isle of May; auf 22 Faden Tiefe, nach Mc Intosh und Prince. *) Die charakteristische streifige Anordnung des Pigments auf den Flossensäumen ist bei der Reproduktion großenteils verloren gegangen. Nord. Plankton I 14 1210 E. Ehrenbaum. maximus, später in dem Handbuch von Mc Intosh und Masterman (p. 351 pl. XIV, 8) als „topknof bezeichnet worden. Das zweite ca. 10 mm lange Fischchen wurde von Holt am 12. Oktober 97 an der irischen Küste in ziemlich beschädigtem Zustande gefangen (D: 98, A: 73) und ist von Petersen (I. c. 1904 Fig. 4) in einer kombinierten Abbildung (unter Benutzung der ersterwähnten Figur von P r i n c e) festgehalten worden. Diese Entwicklungsformen besitzen deut- liche Dornenpaare in der Gehörgegend und eine sehr auffallende Pigmentierung, welche in zahlreichen quer über die Flossen und zum Teil auch über den Körper verlaufenden dunklen Streifen besteht (Fig. 80 h). Außerdem sehen sie nach Petersen einem Jungfisch von Zeug, punctatus sehr ähnlich, welcher — nur 9,5 mm lang — von Holt am 11. 6. Ol am Grunde gefangen wurde und von Petersen (1. c. 1904 Fig. 5) abgebildet ist. Die erhebliche Abweichung dieser beiden Entwicklungsformen von der vorerwähnten in Fig. 80 g abgebildeten Larve, welche auch in einer gewissen Größen-Differenz zum Ausdruck kommt, bedarf noch weiterer Aufklärung unter Zuhilfenahme neuen Materials. Scophthalmus norvegicus (Gthr.) (syn: Pleuronectes cardina Fr., Rhombus cardina Nilss., Rhombus norvegicus Gthr., Zeugopterus norvegicus Coli., Lepidorhombus norvegicus Coli.) 1892. Cunningham, J. T., Journal M. B. association 2. s. vol. II, p. 325 — 7. 1893. Holt, E. W. L, Scient. trans. Roy. Dublin soc. 2. s. vol V. species XIH. p. 104 — 111, pl. XI (gehören vielleicht zum Teil hierher). 1894. Petersen, C. G. Joh., IV"^ rep. Danish. biol. Station p. 135, pl. 11, Fig. 16. 1 897. Ehrenbaum, E., Wissenschaftl. Meeresunters. Abt. Helgoland, Bd. II. S. 3 1 7. 1900. Heincke, Fr. und E. Ehrenbaum, Ebenda, Bd. III. S. 232. 1904. Petersen, C. G. Joh., Beretning fr. d. danske biologiske Station XII p. 24- 30, pl. I. Fig. 8 (Fig. 6 u. 7 7). Dieser als „Ekströms topknot" bezeichnete kleine Fisch ist an den nor- wegischen Küsten nordwärts bis zu den Lofoten nicht selten, auch im Kattegat kommt er vor, und ist bei Island beobachtet worden; neuerdings sind auch die Fundorte rings um die britischen Küsten herum sehr vermehrt worden, wennschon er im südlichen Teil derselben nicht so häufig zu sein scheint wie 5c. unimaculatus. Bei Helgoland ist er ziemlich zahlreich und da die beiden verwandten Formen hier zu fehlen scheinen, so konnten die Entwick- lungsformen mit ziemlicher Sicherheit bestimmt werden. Die Laichzeit dauert bei Helgoland von Mitte April bis Mitte August. Die Größe der Eier beträgt 0,72 bis 0,92 mm, die der verhältnis- mäßig sehr kleinen Ölkugel 0,094 bis 0,157 mm. In der Gefangenschaft ab- gelegte Eier entwickelten sich vollkommen normal und schlüpften schon 6 Tage nach der Ablage (am 21. Mai) aus. Farn. Pleuronectidae. I 211 Im Laufe der Entwicklung erscheint sehr zartes schwarzes und hell- gelbes Pigment, welches sowohl den Körper des Embryo als auch den Dotter überzieht und sehr fein verzweigt ist (Fig. 81 a) und zwar erscheint zuerst, wenn der Embryo den Dotter etwa zur Hälfte umspannt, punktförmiges schwarzes Pigment gleichzeitig auf dem Embryo und auf dem Dottersack. Beim weit entwickelten Embryo ist das Pigment im äußersten Schwanzteil an der Körperkontur etwas dichter angesammelt (Fig. 81 a u. b); auch macht sich in diesem Stadium meist eine feine netzartige Zeichnung auf der Ober- fläche des Körpers und des stark verkleinerten Dotters bemerkbar. Dieselbe ist jedoch nicht immer gleich deutlich und kommt auch bei den verwandten Formen vor. Gegen Ende der Embryonalzeit ist auch auf den Flossensäumen und namentlich am Rande derselben die Pigmentierung sehr ausgeprägt. Die an und für sich kleine Ölkugel verkleinert sich im Laufe der Entwicklung noch weiter. Die ausschlüpfende Larve ist nur 2,52 bis 2,76 mm lang. Die verkleinerte Ölkugel liegt gewöhnlich in der Mitte des ventralen Dotterrandes. Zartes dendritisches gelbes und schwarzes Pigment überzieht den ganzen Körper der Larve mit Einschluß des Dottersackes und der Flossensäume, auf dem Rande der letzteren ist es besonders ausgeprägt. Das Schwanzende der Flossensäume bleibt pigmentfrei, dagegen ist der Körper der Larve bis in die äußeiste Schwanzspitze pigmentiert. Die Augen sind noch nicht dunkel; die Brustflossenanlage ist deutlich. Der Enddarm verläuft in Gestalt eines sehr zarten Stranges zum After, der eine kleine Strecke vom Hinterrand des Dotters entfernt liegt. Die netzartige Zeichnung der Oberfläche ist wenig hervortretend. Das schwarze Pigment ist meist in Form feiner Punkte vorhanden, das gelbe in feinen Verzweigungen, die im auffallenden Licht grünlichgelb erscheinen. Die einen Tag alte Larve (Fig. 81c) ist schon 3,27 mm lang, wovon etwa 2 mm auf den postanalen Körperabschnitt entfallen. Der Dotter- sack mit der Ölkugel ist wesentlich verkleinert, so daß der After ein erheb- liches Stück vom Dotterrande abgerückt erscheint. Das Pigment ist unverändert; das punktförmige schwarze fängt an ebenfalls dendritisch zu werden; die Augen sind noch nicht dunkel und waren es auch 2 Tage später noch nicht. Die Larve mit völlig resorbiertem Dottersack (Fig. 81 d) von 3,58 mm Länge besitzt im wesentlichen dieselben Charaktere wie die vorigen, nur tritt jetzt eine schon vorher erkennbare Zone in der Mitte des poftanalen Körperabschnittes durch die Pigmentierung stärker hervor. Die Augen sind dunkel, die Brustflossen deutlich; der Darm ist im Begriff, sich in eine Schlinge zu legen. Alle diese Merkmale zeigt in deutlicherer Form eine am 15. 8. 99. planktonisch gefischte Larve von 5 mm Länge (Fig. 81 e), bei der die Pig- mentzone in der Mitte des 3,2 mm langen Schwanzabschnittes sehr ausgegrägt ist. Die nächstfolgenden Entwicklungsstadien sind nicht bekannt. Es ist möglich, daß einige der von Holt (1. c.) als species XIII und als Phryno- rhombus unimaculatus? beschriebenen und abgebildeten Formen hierhergehören ; namentlich die 2 bis 3 jüngsten Stadien (Fig. 88—90 1. c.) von 5,7 — 6,6 mm machen wegen der stärkeren Pigmentansammlung in der Mitte des postanalen J4* I 212 E. Ehrenbaum. Körperabschnittes den Eindruck. Auch Petersen (1904) nimmt dies an, doch ist es ganz ungewiß. Dagegen ist eine am 14. August 1892 bei Helgoland gefischte Larve von 9 mm Länge (Fig. 81 f), welche ein frühes Stadium der Metamorphose zeigt, ziemlich sicher als hierher gehörig anzusehen, obwohl ihr die bei den jüngeren Stadien so auffällige Pigmentzone auf dem Hinterkörper fehlt. Schwarzes Pigment ist bei ihr in sehr zarten Sternen und unregelmäßig über Körper und Flossen verstreut. Dornen auf dem Epiotikum wie bei Zeugopt. punctatus sind hier nicht vorhanden. Das Fehlen der Schwimmblase und die geringe Körpergröße beweist, daß sie nicht zu den Rhombus-Arten gehört. Die Zahlen der Flossenstrahlen und der Wirbel, welche sich leicht und genau zählen lassen: A: 66, D:80, Vert.: 10-|-26 weisen auf Sc. norvegicus hin, bei ^ ^^:^^^■>^.v>^^ Farn. Pleuronectidae. 1 213 Figur 81. Scophthalmus norvegicus (Gthr.) a) Embryo vom 5. Tage, künstliche Zucht. 20. 5. 03. b) „ „ 6. „ „ „ 21. 5. 03. Durchm. 0,78 mm. Pigment schwarz und hellgelb. c) Larve vom 2. Tage nach dem Ausschlüpfen vom 22. 5. 03. 3,27 mm lang. d) Larve mit resorbiertem Dottersack aus planktonisch gefischtem Ei, 3,58 mm lang; vom 22. 7. 95. e) planktonisch gefangene Larve vom 15. 8. 99. 5 mm lang. Pigment bei c— d schwarz und hellgelb. f) Larve in Metamorphose vom 14. 8. 92; 9 mm lang. a— f) Originale von Helgoland. welchem allgemein folgende Zahlen als charakteristisch festgestellt worden sind: A: 58— 68, D: 74—83, Vert: 9— 10+26. Allerdings sind die Zahlen für die Flossenstrahlen und wahrscheinlich auch die Wirbelzahl von Sc. unimacu- latus fast genau dieselben. Aber dieser Fisch ist bei Helgoland niemals gesehen, während 5c. norvegicus recht oft gefangen wird. Der deutsche Forschungsdampfer „Poseidon" hat auf seinen Fahrten im Juli 1903 und 1904 auf der südlichen und auf der nördlichen Schlickbank mehrere planktonische linksseitige Plattfischlarven im Stadium der Metamorphose gefangen, welche allem Anschein nach ebenfalls hierher gehören. Dieselben sind 9 bis 1 1,5 mm lang und stimmten in bezug auf Pigmentierung sowie Wirbel- und Flossenstrahlen-Zahl mit der vorerwähnten Larve gut überein. Das Pig- ment ist bei den konservierten Tieren nur in unregelmäßig verstreuten zarten schwarzen Pünktchen vorhanden, die besonders dicht auf der Analflosse und in der Region der zugehörigen Flossenträger stehen. Eins der Exemplare, welches in frischem Zustande beobachtet wurde, hatte auf dem Körper eine ziemlich gleichmäßige Punktierung von Chromgelb mit sehr wenig schwarz vermischt, auf den unpaaren Flossen rötliche Punkte mit dichteren schwarzen gemischt. Die Unterseite des Körpers (rechte) war ziemlich gleichmäßig rötlichgelb, Chromgelb und schwarz pigmentiert, aber intensiver als die Oberseite. Die einzelnen Exemplare zeigen folgende Zahlen: 9 mm lang, D: 75, A:62, Vert.: 10+25. 8,3 mm lang D: 82, A: 66, Vert.: 10+26; ein drittes Exemplar von 11,5 mm Länge ist etwas beschädigt und läßt nur in der Rückenflosse 8^ Strahlen, und außerdem eine Wirbelzahl von 9+26 erkennen. X 214 E. Ehrenbaum. Petersen (I. c. 1904) erwähnt einige anscheinend hierher gehörige Larven im Stadium der Metamorphose von ca. 10 mm Länge, welche er von Holt und von Collett erhielt, und von 11 mm Länge, welche von dänischer Seite bei den Shetlands-Inseln gefangen wurden, ferner ein frühes Boden- stadium von 13 mm Länge (1. c. Fig. 8), welches Collett an der norwegischen Küste erhielt. Bei diesem Jungfisch waren die Strahlen der Brustflossen und die Schuppen noch nicht ausgebildet. Scophthalmus unimaculatus (Risso). (syn: Rhombus unimaculatus Risso, Zeugopterus punciatus Yarrell, Phryno- rhombus unimaculatus Gthr., Pleuronectes unimaculatus Moreau, Zeugopterus unimaculatus Day.) 1886. Brock Geo., 4»^ ann. rep. fish, board l Scotland, p. 225—6, pl. IX. 1892. Mc intosh, W. C, W^ ann. rep. fish, board f. Scotland pt. III. p. 274—8, pl. XIV, 2—6; 8 und 11 (?) 1893. Holt, E. W. L, Scient. transact. Roy. Dublin soc. 2. s. vol. V. p. 101 und 104 (sp. XII u. XIII), pl. VIII, 66—68, XI, 88—93 (ob alle hierher gehörig?) 1897. Holt, E. W. L, Journal M. B. Assoc. n. s. voL V. p. 45 u. 128. 1899. Holt, E. W. L, Annales d. mus. d'hist. nat. d. Marseille vol. V, 2. p. 74—77, pl. VIII, 89. Dieser als Bloch's oder Risso's topknot bezeichnete kleine Fisch ist rings um die britischen Inseln herum und nordwärts bis zu den Shetlands-Inseln beobachtet, an den skandinavischen Küsten jedoch bisher nicht. Er kommt auch an den französischen Küsten und im Mittelmeer vor. Holt hat am 1. Juni 1897 an der Südwestküste Englands einige Eier künstlich befruchtet. Dieselben waren 0,90 bis 0,99 mm groß, hatten einen kleinen, perivitellinen Raum, homogenen Dotter und eine kleine bisweilen mattgelbe ölkugel von 0,16—0,18 mm Durchmesser. Im Laufe der Embryonalentwicklung zeigt sich schwarzes Pigment in feinen Pünktchen auf dem ganzen Körper des Embryos mit Ausnahme der Schwanzspitze und in geringerem Maße auch auf dem Dotter. Daneben wird ein diffuses hellgelbes Pigment sichtbar, welches die ganze Oberfläche des Embryos überzieht, ohne daß sich einzelne Chromatophoren unterscheiden lassen. Die Epidermis besitzt sehr kleine unauffällige Papillen. Nach Verlauf von 4 Tagen nach der Befruchtung schlüpft eine 2,38 mm lange Larve aus, deren präanaler Körperteil 1,07 mm lang ist (Fig. 82a). Das öltröpfchen liegt am hinteren Rande des Dottersackes, von welchem der After eine kleine Strecke entfernt ist. Die Chorda ist mehrzellig. Die Epi- dermis ist fein papillös und zeigt Spuren einer netzartigen Streifung. Das hellgelbe Pigment findet sich überall außer an der Schwanzspitze, besonders im Rumpf der Larve. Auf dem Dotter und den Flossensäumen hat es jetzt Farn. Pleuronectidae. 11215 Fig. 82. Scophthalmus unimaculatus (Risso). a) eben ausgeschlüpfte künstlich gezüchtete Larve vom 5. 6. 97. Plymouth; 2,38 mm lg. Pigment zart schwarz und hellgelb, nach Holt 1. c. 1899 Fig. 89. b) Larve von der irischen Westküste; Mai 1891 ca. 7,2 mm lang) zweifelhaft ob c) „ „ „ „ „ „ „ „ 9,8 „ „ i hierher gehörig. nach Holt 1. c. 1893 Fig. 90 u. 92. I 216 E. Ehrenbaum. die Form isolierter dendritischer Chromatophoren angenommen. Kleine und wenig zahlreiche schwarze Pigmentpünktchen finden sich überall, im dorsalen Flossensaum jedoch nur am Rande. Die nächstfolgenden Entwicklungsstadien sind nicht sicher bekannt. Wieweit die von Holt (1. c. 1893) abgebildeten 6 bis 9,37 mm langen Larven hierher gehören, die verschiedene Stadien der Metamorphose repräsentieren, ist nicht sicher zu unterscheiden. Man kann nur behaupten, daß sie entweder hierher oder zu Scophth. norvegicus gehören, vielleicht auch einige hierher, andere dorthin. Die Zahl der Flossenstrahlen, welche bei 5c. unimaculatus D: 70 — 80, A: 61 — 68 beträgt, bildet kein zuverlässiges Unterscheidungs- merkmal, und die Zahl und Gruppierung der Wirbel ist nicht bekannt. Das, was Holt sonst über die erwähnten Larven, speziell über die Pigmentverteilung bei ihnen sagt, paßt großenteils auch auf entsprechende Stadien von 5c. norvegicus. Die äußere Form der Larven, die Lagerung der Eingeweide, die Gestalt der Leber und auch der unbestimmte Charakter der Pigmentierung (cf. Fig. 82 b u. c) würde sich auch auf 5c. norvegicus beziehen lassen. Dennoch tut Petersen (1904) unrecht, die Zugehörigkeit dieser Formen zu 5c. norvegicus als erwiesen anzunehmen. Möglicherweise ist eine auffallend geringe Ausstattung der Augen mit schwarzem Pigment für die späteren Larvenstadien dieser Art charakteristisch. Ich beobachtete eine solche an einer Reihe von vielleicht hierher gehörenden Larven — meist im Stadium der Metamorphose — welche im August an den schottischen Küsten gefangen waren, und deren Durchsicht ich der Güte von Professor Mc Intosh zu danken habe. Diese Larven entbehrten auch des schwarzen Pigments auf dem Körper und den Flossen (speziell z. B. den Bauchflossen), wie es regelmäßig, wenn auch in unbestimmter Verteilung, bei entsprechenden Stadien von 5c. norvegicus vorzukommen scheint. Indessen ist es fraglich, ob 5c. unimaculatus an der schotfischen Ostküste vorkommt oder gar häufiger ist, und deshalb können jene Larven mit dem spärlichen Augenpigment auch sehr wohl zu 5c. norvegicus gehören. Fam. Gadidae. Für die Mehrzahl der Arten dieser wichtigen Familie, welche in den nordeuropäischen Meeren eine so große Rolle spielt, sind die Eier, Larven und Jugendformen jetzt bekannt; und zwar haben die Untersuchungen der dänischen Abteilung für die internationale Meeresforschung, besonders die Arbeiten von Johs. Schmidt*) volles Licht in diese bis vor kurzem sehr dunkle Materie gebracht. Nur einige Arten, welche in den großen Tiefen des nord- atlantischen Ozeans leben, sind in bezug auf ihre Entwicklungsformen noch ganz unbekannt, z. B. Mora mediterranea Risso Haloporphyms eques Gthr. Anümora viola Goode u. Bean u. a. Alle Gadiden haben, soweit bisher bekannt, einige gemeinsame Eigen- tümlichkeiten, die es erlauben, wenn auch nicht die Eier, so doch die weit entwickelten Embryonen und die jugendlichen Larven als Zugehörige dieser Familie zu erkennen. Das ist in erster Linie die eigentümliche Be- schaffenheit des Enddarms. Derselbe verläuft nicht wie bei fast allen andern Larven durch den embryonalen Flossensaum, und der After mündet nicht am Rande dieses Saumes aus, sondern oberhalb desselben und seitlich, so daß der Enddarm bei Profil-Lage der Larve blind zu endigen scheint. Eine weitere Eigentümlichkeit vieler — wenn auch nicht aller — Gadiden- larven besteht darin, daß der vorderste Teil (etwa Ys) des dorsalen Flossensaumes auffallend aufgebläht ist. Das Integument ist an dieser Stelle vom Kopfe abgehoben durch eine Art Lymphraum, der mit seröser Flüssigkeit gefüllt ist. Derselbe wird als Integumentbläschen oder sinus supra- cephalicus bezeichnet (die englischen Autoren sprechen von einer „supracephalic ampullation"). Dieses Bläschen vergrößert sich während der Dotterresorption und reicht nicht selten bis über die Region der Leibeshöhle nach hinten (vgl. darüber J. Ryder im XIII. Report U. S. Fish-Commission (1887) p. 495 ff. pl. I, 1 — 2). Ihr Vorkommen ist jedoch nicht auf die Gadidenlarven beschränkt (vgl. S. 51 dieser Arbeit)**). *) Meddelelser fra Kommissionen for havundersogelser. Ser. fiskeri. Bd. I. (1905) und Bd. II. (1907). **) Anm. s. auch Holt, E. W. L. in Proceed. zool. soc. of London 1898 p. 554 ff, über Scopelus. Eier und Larven von Fischen. Zweite Hälfte. I 218 E. Ehrenbaum. Neben diesen Merkmalen mag noch eine fast allen Gadiden-Larven eigen- tümliche fast rhombische Form des Kopfes erwähnt werden. J. Schmidt hat (a. a. O. Bd. 11 p. 17 — 19) eine Tabelle gegeben, nach der die Arten der Gattung Gadiis mit einiger Sicherheit von einander unter- schieden werden können, namentlich wenn die wesentlich der Pigmentanordnung entnommenen Merkmale durch diejenigen der Wirbelzahlen ergänzt werden. Die Gruppen, welche unterschieden werden, sind folgendermaßen charak- terisiert.*) 1. Hauptgruppe: Gadus morrhua, saida, virens, pollachius. Es sind 1 bis 3 postanale Pigmentbarren vorhanden; bei 8 — 20 mm Länge und mehr — bei pollachius schon mit 5 mm — auch ein mediolateraler Pigmentstrich. a. G. morrhua (Bauchwirbel 18 — 19 (20)) und saida. 3 postanale Pigmentgruppen, die letzte sehr klein; bei älteren Larven ist das Schwanzende nicht ohne Pigment und daher nicht in scharfem Kontrast zum Vorderteil; bei 20—30 mm Länge After unter D 2. b. O. virens (Bauchwirbel 23—25). 2 postanale Pigmentgruppen; bei älteren Larven (8 — 20 mm) das pigment- lose Schwanzende scharf gegen den vorderen Teil abgesetzt; bei 20 — 30 mm Länge After unter D 1. c. G. pollachius (Bauchwirbel 20—22). 1 sehr lange postanale Pigmentgruppe, welche das Schwanzende frei läßt; mediolateraler Strich schon bei 5 mm Länge vorhanden; bei 20—30 mm Länge After unter D 1. 2. Hauptgruppe: G. poutassou, lusciis, aeglefiniis, merlangus, minutus, esmarki. Keine postanalen Pigmentbarren; den Stadien von 8 — 30 mm fehlt der mediolaterale Pigmentstrich. a. G. poufassou, luscus. Das postanale Pigment ist weit vor dem Schwanzende plötzlich abge- schnitten. b. G. aeglefinus, merlangus, minutus, esmarki. Das postanale Pigment reicht fast oder ganz bis zur Schwanzspitze; eine ventrale Pigmentreihe ist besonders regelmäßig ausgebildet. «. G. aeglefinus. Ventrale Pigmentreihe bis zur Schwanzspitze ausgebildet, dorsale fehlend; Nackenpigment und peritoneales kräftig; bei älteren Larven (10—20 mm u. mehr) P.- und V.-Flossen lebhaft pigmentiert; After unter D 2, *) Anm.: Die Bestimmungstabelle ist hier nur im Auszug mitgeteilt. Farn. Gadidae. I 219 ß. G. merlangüs. Ventrale und dorsale Pigmentreihe ausgebildet, letztere weniger dicht und regelmäßig; später Flossen ohne Pigment, aber die Seiten des Körpers pigmentiert, After unter D 1; A 1 viel länger als A 2. ;'. G. minutus (Vert.: 48—51; Bauchw. 14—16) esmarki (Vert.: 52 — 55; Bauchwirbel 17—19). Dorsale Pigmentreihe in der Region über dem After unterbrochen, besteht aus wenigen, teilweise größeren, unregelmäßig angeordneten Chromatophoren; die Körperseiten bleiben auch später (10 — 20 mm) noch fast ganz frei von Pigment. A 1 wenig länger als A 2. 3. Hauptgruppe: Gad. argenteus. Nur ein sehr kurzer postanaler Pigmentstreifen ist vorhanden; der Körper ist kurz und plump. Gadus aeglefinus L. {syn: Morrhua aeglefinus Storer; Melanogrammus aeglefinus GUI) 1885. Cunningham, J. T. Quart, journ. micr. science. vol. 26. n. s. p. 2. Fig. 1-10. 1890. M^ Intosh, W. C. u. E. E. Prince, Transact. Roy. soc. Edinburgh vol. XXXV pt. III. p. 822 ff. zahlr. Abbild. 1893. Holt, E. W. L, Scient. transact. Roy. Dublin soc. vol. V. 2. s. p. 51 Fig. 48, 49. 1897. M^ Intosh, W. C, \b^^- ann. rep. fish, board f. Scotld. p. 196 pl. V. 1897. Hensen, V. u. C. Apstein, Wissensch. Meeresunters. Abt. Kiel. Bd. II. p. 36—37, 48—50, 65-69. Taf. III, 23. 1900. Heincke, Fr. u. E. Ehrenbaum, Ebenda, Abt. Helgoland. Bd. III. S. 239—243; 326 f. Taf. IX, 14. Textfig. 12. 1901. Hensen, V., Ebenda, Abt. Kiel Bd. V. S. 155-162. 1905. Schmidt, Johs., Meddelels. fr. kommissionen f. havundersogels. serie fiskeri Bd. I. p. 31—36. pl. II, 10—17. 1906. Schmidt, Johs., Ebenda, Bd. II. p. 5. pl. I, 17—18. Textfig. 10. 1909.*) Heincke, Fr., Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. X. Taf. XII, 1—6. Der Schellfisch ist eine nordatlantische Art, auf der amerikanischen Seite aber nicht so häufig wie auf der europäischen, wo sein Verbreitungs- gebiet von Spitzbergen und der Murmanküste bis in die Biskaya reicht; in der Ostsee kommt er nur ausnahmsweise vor und zwar im westlichen Teil; am häufigsten ist er in der mittleren und nördlichen Nordsee und bei Island. *) Erscheint demnächst. 1 220 E. Ehrenbaum. Fam. Gadidae. i 221 Fig. 83. Gadus aeglefinus L. a. Embryo vom 11. Tage] ^ j. I Künstl. Befruchtung vom 21./3. 98. Durchm. 1,51 mm, " .q' " I aus dem Skagerrak. d. Larve bald nach dem Ausschlüpfen, vom 13. Februar, 5 mm lang, aus planktonischem Ei bei Helgoland, a-d nach Heincke und Ehrenbaum. e. Larve nach Resorption des Dottersackes, 11 Tage alt, vom 24./4 86, nach E. Prince (Mc Intosh & Masterman). f. Larve, 5,5 mm lang, aus d. südl. Nordsee vom 27./4. 05. g. „ 8,5 „ „ „ „ „ „ „ 27./4. 05. h. „ 11,25 „ „ West-Island vom 3./7. 03. i. „ 15 „ „ „ „ 3./ 7. 03. k. „ 16 „ „40 Ml. östl. d. Orkney-Inseln. 27./6. 05. 1. Jungfisch, 26 mm lang, 40 „ „ „ „ „ 27./6. 05. m. „ 35 „ „ 30 Ml. südöstlich von Aberdeen. 29., 6. 05. n. „ 43 „ „. Süd-Island vom 18./7. 03. f-i und n nach Joh. Schmidt (1905) Fig. 12, 13, 17 (1906) 17. 18. k— m nach Heincke. 1 222 E. Ehrenbaum. Die Laichzeit des Schellfisches reicht nach schottischen Beobachtungen von Mitte Januar bis Mitte Juni; sie beginnt anscheinend schon etwas früher als beim Kabljau; als Hochzeit darf für die wichtigsten Gebiete Mitte Februar bis Mitte März angenommen werden. Der südliche Teil der Nordsee spielt als Laichgebiet keine oder nur eine untergeordnete Rolle. In größter Menge sind Schellfisch-Eier auf dem nördlichen Teil der Großen Fischerbank und in der nördlichen Nordsee über Tiefen von 80 bis 130 m zwischen dem 58^ und 60^' N. Br. gefunden worden. Auch bei Island und in seinen anderen Verbreitungsgebieten laicht der Schellfisch. Das Ei des Schellfisches entbehrt der ölkugel, hat einen homogenen Dotter und eine zarte Eihaut; es ist in der Nordsee 1,19 bis 1,67 mm groß und somit das größte unter den Eiern der Gadus-Gruppe; die mittlere Eigröße verringert sich vom (18.) Februar bis (12.) Mai von 1,526 auf 1,342 mm. In der Zwischenzeit wurden folgende mittlere Maße beobachtet, am 25. März 1900: 1,434 und am 18. April 1900: 1,398 mm. Die Inkubationsdauer beträgt unter Umständen ca. 3 Wochen, bisweilen aber, wenn das Wasser entsprechend wärmer ist, wahrscheinlich auch nur eine Woche. Bald nachdem ein gestreckter Embryo im Ei sichtbar ist, erscheint auch schwarzes Pigment, welches hauptsächlich die Körperkonturen begleitet, aber auch auf dem Körper verstreut ist und im allgemeinen wenig charakte- ristisch ist, so daß es nicht möglich ist, das Ei von dem gleichgroßen und ähnlich pigmentierten Kabljau-Ei zu unterscheiden. (Fig. a und b). Erst wenn der Embryo die ganze Eiperipherie umspannt, beginnt das Pigment in eigen- tümlicher Weise sich zu ordnen: In dem postanalen Körperabschnitt liegt dann auf der ventralen Seite eine Doppelreihe von Chromatophoren, und im Peri- toneum wie in der Nackengegend zeigen sich charakteristische Ansammlungen von Pigment. Die Mehrzahl der Chromatophoren ist auffallend groß und größer als beim Kabljau - Embryo (Fig. c). In diesem Stadium ist der Embryo in der Regel leicht und sicher kenntlich. Kurze Zeit vor dem Aus- schlüpfen pflegt auch noch tiefschwarzes Pigment in den Augen aufzutreten. Die ausschlüpfende Larve (Fig. d) ist etwa 4 mm oder etwas mehr lang, und etwa 1,5 mm davon entfallen auf den Vorderkörper bis zum seitlich ausmündenden After. Das Pigment ist nur schwarz und behält die charakte- ristische Verteilung, die schon der Embryo zeigte, auch während der Dotter- resorption und geraume Zeit danach bei. Das Nackenpigment und das Peritoneal- pigment ist gewöhnlich sehr deutlich und aus großen Farbzellen gebildet, und auch die längs des Schwanzes verlaufenden Pigmentreihen sind meist sicher erkennbar. Bisweilen sind aber alle oder einzelne dieser Pigmentgruppen namentlich die Reihe längs des Schwanzes bis zur Unkenntlichkeit blaß (Fig. f und g), so daß man Larven von Gadus merlangus vor sich zu haben glaubt. Indessen fehlt den Schellfisch-Larven das präanale Pigment (auf der ventralen Fläche des Eingeweidesackes), welches jene immer besitzen. Auch die dorsale Körperkontur ist bei den jungen Schellfischlarven — abgesehen von dem dichten Farn. Gadidae. I 223 Nackenpigment — frei von Chromatophoren; höchstens finden sich einige bis zur Höhe des Afters verlaufende zarte Ausläufer des Nackenpigments. Auch hierin unterscheidet sich also die Schellfischlarvc vom Wittling, bei dem eine mehr oder weniger lückenhafte dorsale Pigmentreihe vorhanden ist. Die allgemeine Form des Körpers ist charakteristisch plump infolge der außerordentlichen Kürze des präanalen Abschnitts. Bald nach der Dotterresorption gesellt sich zu dem schwarzen auch gelbes bis orangefarbiges meist diffuses Pigment, welches sich aber auf den Kopf, den vorderen Teil des Rumpfes und den Eingeweidesack beschränkt. Bei Larven von ca. 9 mm Länge (Fig. g) beginnt eine dorsolaterale Abzweigung vom Nackenpigment aufzutreten, und die frühesten Spuren der Flossenstrahlenbildung sind bemerkbar, werden jedoch erst bei den nächst- folgenden Größen (Fig. h von 11,25 mm) etwas deutlicher unter Vortritt der ersten Anal- und der zweiten Rückenflosse. Zugleich erscheinen zwischen den Strahlen von D 1 und D 2 und namentlich auch auf den Brustflossen (in Fig. h nicht genügend deutlich) kräftige schwarze Pigmentpünktchen. Auch die in- zwischen aufgetretenen Bauchflossen haben an der Spitze zwischen den Strahlen schwarzes Pigment. Der After liegt unter der vorderen Hälfte der zweiten Rückenflosse. Das Ende des Urostyls ist leicht nach oben gebogen. Letzteres ist bei der 15 mm langen Larve (Fig. i) sehr viel stärker der Fall. In den Flossen sind die Strahlen zum großen Teil wohl entwickelt; alle unpaaren sind aber noch durch den embryonalen Saum mit einander ver- bunden. Das Pigment ist außer in den P.- und den V.-Flossen besonders in D 1, D 2 und A 1 deutlich, in D 1 am stärksten. Das Körperpigment ist in den früher angedeuteten Linien stärker ausgebildet, besonders auch das dorsolaterale im Vorderkörper. In der Nordsee erreichen die Larven ein entsprechendes Stadium der Ausbildung schon bei geringerer Körperlänge; die nächste in Fig. k ab- gebildete 16 mm lange Larve aus der nördlichen Nordsee entspricht etwa einem 19 mm langen Stadium von Island. Die Ausbildung der Flossenstrahlen hat weitere Fortschritte gemacht, ihre charakteristische Zahl kann jetzt fest- gestellt werden. Sie beträgt nach Smitt: D: 14 bis 17 -f 20 bis 24 4- 19 bis 22; A: 21 bis 25 -|- 20 bis 24; P: 19 bis 21. Die unpaaren Flossen sind indessen noch nicht von einander getrennt. Die Pigmentierung ist auf allen mit Ausnahme von A 2 deutlich und auf den großen breiten bis über den Vorderrand von D 2 nach hinten reichenden P.-Flossen besonders intensiv, desgleichen auf den großen V.-Flossen. Das dorsolaterale Pigment verbreitet sich in mehr oder weniger ausgeprägtem Maße von vorn ausgehend auch über den Hinter- körper. Bei dem 26 mm langen Jungfisch (Fig. I) ist die Trennung der un- paaren Flossen eine vollkommene; alle mit Ausnahme von A 2 sind pigmentiert, die Schwanzflosse jedoch sehr schwach. Die V.-Flossen reichen nach hinten bis zum After. Das Körperpigment erscheint vermehrt. I 224 E. Ehrenbaum. Bei dem 35 mm langen Fische he n (Fig. m) sind alle unpaaren Flossen — auch A 2 — pigmentiert, und das Pigment auf den Körperseiten beginnt sich zu Flecken zusammenzuballen, deren vorderster unterhalb von D 1 dem charakteristischen schwarzen Fleck entspricht, der den ausgebildeten Schellfisch auszeichnet. Die in Fig. n abgebildete 43 mm lange Form von Island entspricht in der Ausbildung der vorerwähnten aus der Nordsee; sie entbehrt des Pig- ments auf A 2. In einer Größe von 3 bis 4 cm beginnt der junge Schellfisch den Boden aufzusuchen und hält sich dann wahrscheinlich zeitweise am Boden, zeitweise in höheren Wasserschichten auf. Jedoch setzt der Schellfisch — im Gegen- satz zum Kabljau — das pelagische Leben noch geraume Zeit nach Erlangung seiner vollständigen Ausbildung fort bis zur Größe von 1 1 cm und mehr. Diese jungen Schellfische leben wie andere junge Gadiden stets in Ge- sellschaft von Quallen, besonders von Cyanea-Arten. Sie verbleiben dabei auf ihrer Geburtsstätte in der offenen See, ohne sich wie z, B. der Kabljau und der Köhler dem Lande oder dem Flachwasser erheblich zu nähern. Gadus inorrhua L. (syn: Gadus callarias L., G. macrocephalus TU., Morrhua americana Storer.) 1866. Sars, G. O.*) Forhandl. i vidensk. selskabet Christiania. Aar 1865. p. 237—249. 1880. Earll, R. E. Report U. S. fish commission f. 1878 vol. VI. p. 685—740. 1884. Ryder, J. A. Ebenda, report for 1882 vol. X p. 455-605. pl. I— XII. 1890. M" Intosh, W. C. and Prince, Transact. Roy. soc. Edinburgh vol. XXXV pt. 3. p. 812 ff. pl. XVll, 8; XIX, 2~3 u. 8. 1 897. MM n 1 s h , W. C, 1 5 '" annual report fish, board f. Scotld. pt. III p. 1 94- 1 95. pl. VI, 5 6. 1897. Hensen, V. u. C. Apstein. Wissensch. Meeresunters. Abt. Kiel Bd. II. S. 36, 46—48, 59-65. Fig. 18—21. 1900. Heincke, Fr. u. E. Ehrenbaum. Ebenda, Abt. Helgoland. Bd. III S. 243-247. Fig. 47. 1901. Masterman, A. T. Transact. Roy. soc. Edinburgh vol. 40. p. 1—9. pl. I u. II. 1904. Ehrenbaum, E. u. S. Strodtmann. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. VI. S. 88. Fig. 6. S. 96-98. 1905. Schmidt, Johs. Meddelelser. fr. kommissionen f. havundersogelser. serie fiskeri Bd. I. p. 9—12. pl. I, 1-9. 1906. — Ebenda Bd. II. p. 4-5. pl. I, 25—27. *) Die vorzüglichen Abbildungen der Entwicklungsstadien des Kabljau von G. O. Sars sind erst in neuster Zeit durch J. Hjort veröffentiiclit worden (vgl. Aarsberetning vedk. Norges Fiskerier. Bergen 1907. 2. Hefte pag. 356 ) Farn. Gadidae. I 225 1906. Strodtmann, S. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. VII. S. 153-155. 1909. Heincke, Fr. Ebenda Bd. X. Taf. XI. 1—6. Der Kabljau, der wichtigste und einer der häufigsten Fische der nörd- lichen Hemisphäre, hat sein Hauptverbreitungsgebiet im atlantischen Becken, spielt aber auch im pazifischen eine große Rolle. Im Atlantik reicht sein Gebiet von Grönland und Spitzbergen im Norden bis Kap Hatteras und zur Biskaya im Süden; in der Ostsee dringt er bis in den Finnischen und Bottnischen Busen vor. Die Hauptfanggebiete dieses Fisches stellen zugleich die wichtigsten Laichplätze dar; es sind die Neufundlandbänke und die Bänke vor der amerika- nischen Ostküste, ferner Island, Lofoten, die Nordsee und die Ostsee im Westen und in ihren tieferen Teilen, wie z. B. dem Bornholmer Becken, der Danziger Tiefe, Gotlandtiefe u. s. w. In der Ostsee scheint die untere Grenze des Salzgehalts, in dem Dorsch-Eier noch schweben können, bei 10 bis 11 %o zu liegen, viel- leicht auch noch niedriger; denn in den finnischen Gewässern sind sicher dort geborene Dorschlarven bis herab zu 9 mm Länge beobachtet. Die Nordsee ist mit Ausnahme des Flachwassergebiets (innerhalb der 20 m Linie) und des nördlichen tiefsten Teils jenseits des 60^' Grades n. Br. in ihrer ganzen Aus- dehnung als Laichgebiet anzusehen, besonders die Tiefen von 40 bis 100 m. Als Laichzeit kommt bei Zusammenfassung der verschiedenen Gebiete ziemlich das ganze Jahr in Betracht. In den amerikanischen Gewässern soll nach Earll das Laichen schon Anfang September beginnen, im Dezember im vollen Gange sein, aber seinen Höhepunkt doch erst im Februar und März erreichen. Diese beiden sind auch die Hauptmonate für die meisten euro- päischen Gewässer, in denen das Laichen in der Regel nicht vor Januar beginnt und gewöhnlich im Mai zu Ende geht. Doch soll z. B. bei Bohuslän das Laichen erst im Mai beginnen, und Fulton hat auch in der Nordsee, am nord- östlichen Abfall der Großen Fischerbank nach der norwegischen Rinne, noch im September zahlreiche laichende Kabljau konstatiert (Publications de circon- stance No. 8). In der westlichen Ostsee erfolgt das Laichen vom Februar bis Mai, weiter ostwärts dagegen vom Mai bis August. Das Ei des Kabljau hat einen homogenen, glashellen, bisweilen creme- farbigen Dotter ohne Ölkugel und ist bei Zusammenfassung der Beobachtungen von allen Gebieten 1,16 bis 1,82 mm groß. Im Nordseegebiet sind Maße von 1,16 bis 1,60 mm beobachtet und während des Verlaufs der Laichzeit ein Herabgehen des mittleren Durchmessers von 1,46 mm in der ersten Hälfte Januar auf 1,30 mm gegen Ende April; dazwischen liegen folgende mittleren Maße: 1. Februar (Ol): 1,452 15. März (00): 1,413 25. „ (Ol): 1,456 31. „ (00): 1,391 Nord. Plankton. I 15 I 226 E. Ehrenbaum. In der westlichen Ostsee haben die Eier Durchmesser von 1,25 bis 1,67, in der Bornholnitiefe von 1,38 bis 1,89; die Maße (und Mittel) betragen in mm Anfang März im Mai im August in der westl. Ostsee 1,38—1,67 (1,510) 1,25—1,60 (1,420) in der Bornholmtiefe 1,60—1,89(1,758) 1,38-1,82(1,641). Die Inkubationsdauer ist beim Kabljau-Ei etwa dieselbe wie beim Schellfisch-Ei. Das im E m b r y o nach Streckung desselben auftretende Pigment ist schwarz, punktförmig und ziemlich gleichmäßig über den Körper verteilt. Erst kurze Zeit vor dem Ausschlüpfen (Fig. a) ordnet sich das Pigment in sehr charakteristischer Weise in 4 — 5 getrennte Gruppen, deren vorderste in der Region der Brust- flossen, deren zweite über dem After liegt, während die 2-3 anderen in ziemlich gleichmäßigen Abständen auf den Schwanz verteilt sind. Die 5. nahe der Schwanzspitze liegende Gruppe ist nicht immer ganz deutlich. Die Inten- sität des Pigments und die Ausbreitung der Chromatophoren über die zwischen den Gruppen liegenden Körperzonen ist eine sehr wechselnde. Kurze Zeit vor dem Ausschlüpfen erhalten auch die Augen tiefschwarzes Pigment. Die ausschlüpfende Larve ist etwa 4 mm lang und ebenso wie der weit entwickelte Embryo pigmentiert (Fig. b). Der Enddarm reicht — wie bei allen Gadiden — nicht bis zum Rande des Flossensaumes und der After mündet seitlich aus. Die Brustflossen sind groß und deutlich. Nach der Resorption des Dotters ist die Larve etwa 4,5 mm lang (Fig. c). Sie ist besonders charakterisiert durch die im allgemeinen schwache D Farn. Gadidae, I 227 I « Fig. 84. Gadus morrhua L a. planktonisches Ei mit weitentwickeltem Embryo von Helgoland. Durchm. 1,35 mm. nach Heincke u. Ehrenbaum. b. eben ausgeschlüpfte Larve, ca. 4 mm lang, nach Masterman. c. Larve von 4,5 mm, Süd-Island vom 5./6. 03. Südl. Nordsee vom 27./4. 05. Süd-Island vom 5./6. 03. West-Island vom 27./6. 04. Südl. Nordsee vom 27./4. 05. West-Island vom 27./6. 04. c-h nach joh. Schmidt (1905) Fig. 1, 2, 4, 7. (1906) Fig. 25, 27. i. Jungfisch, von 26 mm, ca. 30 Ml. SO von Aberdecn, 29./6. 05. k. ,, „ 6i „ „ o\j „ „ „ „ 2y./D. 05. l. „ „44 „ „ Große Fischer-Bank 19.;6. 05, i— 1 nach Heincke. I 15* d. ') „ 5,5 e. „ „ 6,5 f. „ ,, 11 h. » „ 12 „ 20 I 228 E. Ehrenbaum. Pigmentierung und unterscheidet sich dadurch von den sonst sehr ähnUchen G. virens und G.polladiiiis. In vielen Fällen erlaubt die kleine bisweilen äußerst zarte Pigmentansammlung auf der ventralen Seite der Schv^anzspitze die Kabljau- larven sicher zu erkennen; doch fehlt dieselbe bisweilen, namentlich bei den Nordseelarven (vgl. Fig. d), und dann ist die Unterscheidung sehr erschwert. Bei G. virens fehlt aber das präanale Pigment und bei G. pollachius ist das Pigment sehr dunkel, zu einer langen Barre verschmolzen und hinten scharf abgeschnitten. Bei G. morrhua pflegt außerdem das postanale Pigment auf der ventralen Seite stärker und bisweilen bis zur Verschmelzung der beiden vor- deren Gruppen ausgebildet zu sein, bei G. virens auf der dorsalen. Die 6,5 mm lange Larve (Fig. e) zeigt die eben erwähnte Ver- schmelzung der postanalen Pigmentgruppen vollzogen; die Hauptsache aber ist das Auftreten einer als mediolateral zu bezeichnenden Pigmentlinie im postanalen Körperabschnitt, welche in der Region der Seitenlinie verläuft und von nun an bestehen bleibt. Sie darf als besonders charakteristisch für die Gruppe morrhua virens, pollachius und saida angesehen werden. Auch etwas dorsolaterales Pigment beginnt aufzutreten. Das gelbe Pigment, welches bei diesen und späteren Stadien sichtbar ist, ist besonders auf der Rücken- und auf der Bauchfläche angesammelt und läßt die mediolaterale Gegend zunächst noch frei. Bei einer Körperlänge von 9 mm werden die Anfänge der Strahlen- bildung in den unpaaren Flossen bemerkbar, doch sind erst bei 11 mm Länge (Fig. f) die ersten Strahlen erkennbar (ausgenommen in D. 1). Zugleich be- ginnt das Urostyl sich leicht aufzubiegen. Das Pigment ist auf den vorher angedeuteten Linien weiterentwickelt, doch ist die ursprüngliche Anordnung in Gruppen kaum mehr erkennbar. Das Pigment auf der Unterseite der Schwanz- spitze ist gewöhnlich in Form einer einzelnen Chromatophore vorhanden. Bei 13 mm Länge — entsprechend etwa der Nordseelarve von 12 mm (Fig- g) — beginnt auch die Strahlenbildung in D 1. Alle unpaaren Flossen bleiben noch durch verbindende, wenn auch niedrige Säume vereinigt. Die Bauchflossen beginnen aufzutreten, sind aber erst bei Stadien von 16 mm deutlich sichtbar. Bei 16 mm Länge ist auch das gelbe Pigment auf den Seiten vermehrt und in der Abdominalgegend macht sich ein silberner Schimmer bemerkbar. Bei 20 mm Länge (Fig. h) haben alle Flossen mit Ausnahme von D 1 annähernd ihre definitive Strahlenzahl; sie sind ziemlich vollständig von einander getrennt und frei von Pigment. Die Schwanzflosse ist hinten ganz gerade ab- geschnitten. Der After liegt unter dem Vorderende von D 2. Auf den seit- lichen Körperflächen ist das Pigment etwas ausgeprägter als früher. Das 26 mm lange Fischchen aus der Nordsee (Fig. i) entspricht etwa der 30 mm langen atlantischen Form und zeigt erhebliche Fortschritte gegen die vorhergehenden. Nachdem D 1 sehr in die Höhe gewachsen und die Strahlen auch in ihr ausgebildet sind, kann man für alle Flossen die definitiven Farn. Gadidae. I 229 Strahlenzahlen feststellen, dieselben betragen nach Smitt: D: 12 bis 15 -f- 16 bis 20 +16 bis 20; A: 17 bis 20+ 16 bis 19; P: 18 bis 21. Die Zahl der Rumpfwirbel beträgt 18 bis 19 (20). Auch in den ziemlich großen V-Flossen sind Strahlen sichtbar, ebenso wie in den Brustflossen. In mehreren unpaaren Flossen ist etwas Pigment vorhanden, besonders in Dl, D 2 u. AI. Die Pigmentierung der Körperseiten ist sehr vermehrt, und es zeigen sich die ersten Anfänge zu der späteren gewürfelten Anordnung. Das gelbe Pigment ist ziemlich gleich- mäßig über den Körper verbreitet; das Abdomen hat einen silbernen Schimmer. Der charakteristische Bartfäden tritt deutlich hervor. Die 33 und 44 mm langen Jungfische aus der Nordsee (Fig. k u. 1) zeigen weitere Veränderungen, namentlich den Übergang des Körperpigments in die charakteristische gewürfelte („tesselated") Anordnung, die man auch als schachbrettartig bezeichnen kann. Dieselbe ist bei dem 33 mm langen Fisch- chen schon deutlich erkennbar, was in den dänischen Gewässern schon bei 25 mm der Fall sein soll, bei den atlantischen Formen aber frühestens bei 35 mm Länge. Von den unpaaren Flossen ist Dl, D 2, D3 und AI deutlich pigmentiert. Die pelagisch lebenden jungen Kabljau halten sich wie auch andere junge Gadiden vorzugsweise unter Schirmquallen auf, obwohl nicht so aus- schließlich wie z. B. junge Schellfische. Die jungen Kabljau verschwinden aus den höheren Wasserschichten gewöhnlich schon bei einer Länge von 25 bis 30 mm. Größer als 50 mm werden sie dort überhaupt kaum angetroffen. Mit dem Aufsuchen der unteren Wasserschichten vollzieht sich zugleich eine Ausbreitung von den Geburtsstätten in der Richtung auf flachere Gebiete, die sich während des ganzen ersten Lebensjahres fortsetzt. Schon von Mitte Mai an finden sich Jungfische von 25 mm Länge und darüber in Landnähe bis nahe der 20 m Kante; und von Mitte Juni findet man die Stadien von 40 mm Länge aufwärts noch mehr in Landnähe und auch in den Flußmündungen, z. B. in der Elbe bis aufwärts zum Nordostseekanal. Diese Bewegung ist jedoch weniger eine Auswanderung als vielmehr eine Ausbreitung, und die verschiedenen Jugendformen sind auf den Geburtsstätten selbst auch zu finden. Gadus saida Lepechin. (syn: Boreogadus polaris GUI, G. aeglefinus Fabr., Merlangus polaris Sab., G. fabricii Richards., G. agilis Rhdt, G. glacialis Peters.) 1904. Jensen, Ad. S. Meddeleleser om Grönland voL XXIX p. 266— 270 ff. pl. XI, 1; XII, 1. 1905. Schmidt, Johs. Meddelser fr. kommissionen for havundersegelser. Serie fiskeri. Bd. I. p. 24—28. pl. I, 19—24. Der „Polardorsch" ist eine kleine rein arktische Gadiden-Art, die in den nördlichen Eismeeren von Grönland bis Sibirien und an den Küsten des 230 E. Ehrenbaum. arktischen Nordamerika mit Einschluß des Beringsmeeres vorkommt; ferner ist sie an der Murmanküste, im Weißen Meer und vereinzelt auch bei Island beobachtet. Die Laichzeit muß im Hinblick auf die Daten, an denen die jugend- lichen Larven beobachtet wurden, etwa in den Mai und Juni fallen. Über die Laichplätze ist Näheres nicht bekannt. Auch die Eier sind nicht bekannt, — doch sind sie sicher planktonisch und wahrscheinlich den Kabljaueiern sehr ähnlich — namentlich in der embryo- nalen Pigmentierung. Die jugendliche Larve von 6,5 mm Länge (Fig. a) — die jüngste bekannte Form — ist außerordentlich schlank im Verhältnis zu anderen Gadiden- larven und weniger weit entwickelt als diese bei gleicher Länge. Die An- ordnung des postanalen Pigments ähnelt im allgemeinen der des Kabljau, doch ist die kleine Pigmentgruppe in der äußersten Schwanzspitze hier meist dorsal und ventral ausgebildet statt wie beim Kabljau nur ventral; und auch in den Fig. 85. Gadus saida Lepecliin. a. Larve 6,5 mm lang, Nord-Island v. 2./ 7. 03. n n » n n n d. „ 16 „ „ Ost-Grönland 3./8. 9L e. Jungfisch 46 mm lang, „ 7./8. 00. a— e nachjohs. Schmidt (1905) Fig. 19 21; 23-24. Farn. Gadidae. ^ 231 beiden großen postanalen Pigmentgruppen überwiegt das dorsale Pigment über das ventrale. Das Auftreten der mediolateralen Pigmentlinie ist bereits durch einige sehr minimale Chromatophoren angedeutet. Die postanalen Pigment- gruppen der dorsalen Seite sind im Begriff mit einander zu verschmelzen und stehen nach vorn zu durch eine Chromatophorenreihe mit dem Pigment der Occipitalgegend in Verbindung. Auch das Peritoneum ist pigmentiert, aber präanales Pigment fehlt. Die folgenden Stadien von 8 (Fig. b) und 11 mm Länge (Fig. c) zeigen wesentlich keine anderen Veränderungen als ein stärkeres Hervortreten der mediolateralen Linie und ein weiteres Verschmelzen der postanalen Pig- mentgruppen. In der Schwanzflosse sind die ersten Spuren der Flossenträger erkennbar. Erst bei einer Längevon 16 mm (Fig. d) fängt auch in den anderen unpaaren Flossen die Ausbildung der Flossenträger an sich vorzubereiten, von den Flossenstrahlen selbst sind jedoch außer in der Schwanzflosse nur in der ersten Analflosse einige wenige im Entstehen begriffen. Diese auffallend späte Ausbildung der Flossenstrahlen darf nach Schmidt als allgemein charakteristisch für arktische Larvenformen angesehen werden. Die nächstfolgenden Entwicklungsstadien sind noch unbekannt. Die Jugendform von 46 mm Länge (Fig. e) hat vollständig aus- gebildete Flossen mit den Strahlen in definitiver Zahl: D: 12 bis 14+ 14 bis 18 + 18 bis 23; A: 14 bis 19 + 19 bis 22; P: 18 bis 20. Die Schwanzflosse ist deutlich ausgeschnitten, was für die ausgebildete Form im Unterschied vom Kabljau charakteristisch ist. Die Bauchflossen sind lang und die äußersten stark ver- längerten Strahlen reichen bis fast zum After. Alle unpaaren Flossen mit Ein- schluß der Schwanzflosse sind ziemlich reich pigmentiert; auf den Seiten des Körpers ist der mediolaterale Pigment-Strich sehr deutlich; im übrigen ist das Körperpigment sehr intensiv ausgebildet, läßt aber die für den Kabljau charakte- ristische gewürfelte Anordnung vermissen. Im allgemeinen sind die großen Augen, die außerordentlich schlanke Form des Körpers und die ausgeschnittene Schwanzflosse gute Erkennungs- merkmale für diese Art. Gadus merlangus L. fsyn: G. euxinus, Nordm. Merlangus vulgaris Krey.) 1889/90. Cunningham, J. T. Journal of the marine biological association vol. I. n. s. p. 46. Fig. 33, 34. 1890. M'= Intosh, W. C. u. E. Prince, Transactions Roy. society of Edin- burgh vol. XXXV. pt. 3. p. 789 und 824. pl. XVI, 2; XVII, 12. 1893. Holt, E. W. L, Scientific transact. Roy. Dublin society voL V. 2. s. p. 53 Fig. 50. I 232 E. Ehrenbaum. 1897. M«^ Intosh, W. C. IS*^' annual report fisliery board f. Scotland pt. 111. p. 201—5. pl. VI, 1—4. 1900. Heincke, Fr. u. E. Ehrenbaum, Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgo- land Bd. 111. S. 249-254 u. 327. Taf. IX, 7—13. 1901. Masterman, A. T. Transactions Roy. society Edinburgh vol. XL. pt. 1. p. 9-14. pl. 111. 1905. Schmidt, Johs., Meddelels. fr. Kommissionen f. havundersogelser. serie fiskeri Bd. I. p. 37—40. pl. II, 1-9. 1906. Schmidt, Johs., Ebenda Bd. 11. p. 6. pl. 1, 24. 1909. Heincke, Fr. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. X. Tal. XIII, 1-6. ■ Der Wittling ist eine an den Westküsten Europas vom Nordkap bis ins Mittelmeer verbreitete Form. In der Ostsee dringt er ausnahmsweise bis Gothland vor, und nordwestwärts geht er bis Süd-Island; an der amerikanischen Küste fehlt er. Er ist häufig in den britischen, skandinavischen, dänischen Gewässern, und besonders in der südlichen Hälfte der Nordsee und im Kanal. Seine Laichzeit ist eine sehr ausgedehnte und reicht von Ende Januar bis in den Juli (August?) hinein. Die Hochzeit fällt in der südlichen Nordsee in den März und April. Der Wittling laicht fast überall, wo er vorkommt; in der Ostsee vielleicht nicht oder in unerheblichem Maße; in der Nordsee aber in deren ganzer Aus- dehnung bis nahe zum 61 ^ n. Br., aber mit Ausnahme der flachen Küstenzone. Bevorzugt beim Laichen ist die Zone östlich und südlich der Doggerbank von 40 bis 50 m Tiefe. Fam. Gadidae. I 233 Fig. 86. Gadus merlangus L. a. Ei mit Embryo aus dem Plankton bei Helgoland vom 30./1. 98. Durchm. 1,195 mm. b. Dasselbe Ei einen Tag später. c. Larve aus diesem Ei, eben ausgeschlüpft, vom 1./2. 98. 3,16 mm lang. d. Larve kurz vor Abschluß der Dotterresorption vom 17./2. 98, 4 mm lang. Helgoland. a— d. nach Heincke und Ehrenbaum. e. Larve 6,5 mm lang, Südwest v. Island vom 2./7. 04. f. „ 8,5 „ „ Südliche Nordsee „ 27./4. 05. g. „ 8 „ „ Südwest V. Island „ 2./7. 04. h. „ 11 „ „ Süd-Island „ 12./7. 04. i. „ 16 „ „ Faxebucht (Island) „ 4./7. 03. e— i. nach Johs. Schmidt (1905) Fig. 1, 3, 5, 7. (1906) Fig. 24. k. Jungfisch 23 mm lang vom 28./6. 05. 1. „ 40 „ „ 30 Ml. SO V. Aberdeen vom 29./6. 05. k— 1. nach Heincke. I 234 E.. Ehrenbaum. Das Ei des Wittlings hat einen homogenen Dotter ohne Öl und ist 0,97 bis 1,32 mm groß. Der mittlere Eidurchmesser durchläuft in der Nord- see während der Laichzeit folgende Stufen: 20. Februar (Ol): 1,213 mm 1. Juni (00): 1,062 mm 28. März (00): 1,182 mm 15. „ (04): 1,043 mm 2. Mai (00): 1,103 mm Die Inkubationsdauer beträgt in der Hochzeit etwa 12—15 Tage. Die Pigmentierung des Embryos ist zunächst nur schwarz und der- jenigen des Kabijau sehr ähnlich; aber noch ehe der Embryo den Dotter zu ^/4 umspannt, tritt — zunächst äußerst zart — gelbes Pigment auf, welches sich in der Folgezeit schnell vermehrt und nicht nur wie das schwarze auf den Körper des Embryos beschränkt ist, sondern auch Flossensäume und Dotter- sack besetzt (Fig. b); übrigens ist es charakteristisch, daß häufig — obwohl nicht regelmäßig — auch einige schwarze Pigmentsterne vom Körper auf den Dottersack ausstrahlen (Fig. a). Kurze Zeit vor dem Ausschlüpfen er- halten auch die Augen etwas dunkles Pigment. Die ausschlüpfende Larve ist 3,2 bis 3,5 mm lang (Fig. c) und entspricht in der Pigmentierung dem Embryo; die Augen sind noch nicht aus- gefärbt; der Enddarm erreicht nicht den Rand des Flossensaumes. Während der Resorption des Dottersackes (Fig. d) erreicht die Larve eine Länge von ca. 4 mm, die Augen werden dunkel, und beide Pigmentarten nehmen lebhaftere Töne an, wobei sie sich in der Peritonealgegend und an den Körper- konturen ansammeln, ventral wesentlich intensiver und weiter nach hinten reichend als dorsal und die Körperseiten fast frei lassend. Auch die Occipital- und die Abdominalgegend besitzt schwarzes Pigment, und eine präanale Pig- mentreihe ist besonders ausgeprägt. Die Flossensäume enthalten nur gelbes bis gelbrotes Pigment, die Brustflossen sind groß. Eine 6,5 mm lange Larve von Island (Fig. e) zeigt im Wesentlichen dieselben Charakterzüge in der Pigmentierung und auch eine 8,5 mm lange Larve aus der südlichen Nordsee (Fig. f), obwohl bei dieser, wie auch bei anderen Gadiden in dieser Gegend, das Pigment nur schwach ausgebildet ist und längs des Rückens fast völlig verschwindet. Ferner finden sich bei dieser Größe die ersten Flossenstrahlen in der Schwanzflosse und die erste Andeutung der Flossen- strahlenträger bei den anderen unpaaren Flossen. Bei lebhafter pigmentierten Larven dieser Größe (Fig. g) ist auch schon dorsolaterales und ventrolaterales Pigment auf den Körperseiten vorhanden, während die mediolaterale Region frei bleibt. Wie in früheren Stadien ist es charakteristisch, daß das Pigment an der dorsalen Körperkontur, welches nach vorn bis zum Nackenpigment reicht, nicht so weit nach hinten geht wie das auf der ventralen Seite. Die präanale Pigmentreihe ist fast immer sehr deutlich. In der Folge macht die Ausbildung der unpaaren Flossen weitere Fort- schritte, und bei 11 mm Länge (Fig. h) sind schon in allen Flossen mit Aus- Farn. Gadidae. I 235 nähme von D 1 mehr oder weniger Strahlen erkennbar, ohne jedoch bis zum Flossenrand zu reichen; in den Analflossen sind auch Spuren von Pigment bemerkbar. Die Bauchflossen sind vollkommen deutlich. Der After liegt er- kennbar vor der zweiten Rückenflosse. Bei der 16 mm langen Larve (Fig. i) sind in allen unpaaren Flossen Strahlen vorhanden, und sie sind nur noch durch niedrige Zwischenstücke des embryonalen Flossensaumes verbunden. Alle mit Ausnahme der Schwanzflosse sind jetzt pigmentiert; aber alle sind noch sehr niedrig, besonders D 1. Die charakteristische Länge von A 1 ist deutlich erkennbar. Bauch- und Brust- flossen haben kein Pigment. Das Pigment auf den Körperseiten ist unverändert in der Verteilung; der mediolaterale Teil bleibt frei von Pigment, auch von gelbem. Bei dem 23 mm langen Fischchen aus der Nordsee (Fig. k) sind die unpaaren Flossen ziemlich vollständig von einander getrennt; A 1 ist auf- fallend lang und niedriger als A 2. Die Schwanzflosse ist am hinteren Rande sehr wenig ausgeschweift. Die Bauchflossen enthalten Strahlen; der After liegt unter der Mitte von D 1. Bei den größeren jungen Wittlingen vermehrt sich das Körper- pigment sehr, und auch die mediolaterale Zone bleibt nicht mehr frei, obwohl sie immer schwächer pigmentiert ist. In der dorsolateralen Gegend ordnet sich das Pigment zu einer Anzahl dichterer von einander getrennter Flecke. Die unpaaren Flossen behalten ihre Pigmentierung. Bei dem 40 mm langen Jungfisch (Fig. 1) sind die Flossenstrahlen der Zahl nach leicht bestimmbar; ihre Formel lautet (nachSmitt): D: 13 bis 15 -f 20 bis 25 -f 19 bis 22; A: 31 bis 38 -f 20 bis 24; P: 19 bis 20. Die Bauchflossen reichen nach hinten etwas über den After hinaus. Der After liegt unter dem vorderen Drittel von D 1. Längen von 4 bis 5 cm bezeichnen die Grenze, in der die jungen Witt- linge frühestens am Meeresboden angetroffen werden. Sie haben aber die Gewohnheit, länger und bis zu erheblicherer Körpergröße in den höheren Wasserschichten zu verweilen als fast alle ihre Verwandten. Dabei breiten sie sich ähnlich wie die jungen Dorsche von den Laichplätzen aus auf flachere Meeresteile aus und auch bis ins Wattenmeer und die Flußmündungen. Die Größen von 2 bis 5 cm Länge findet man im Sommer häufig und zahlreich in Gesellschaft von Quallen in den höheren und mittleren Wasserschichten. Aber auch Größen von 10 bis 15 cm und mehr werden ebendort angetroffen. Die- selben wechseln anscheinend zwischen Boden- und pelagischem Leben. Gadus luscus L. (sijn: G. barbatus L, G. minutus Steind.) 1889/90. Cunningham, J. T., Journal of the marine biological association vol. 1. n. s. p. 46. Fig. 35. u. p. 375. I 236 E. Ehrenbaum. 1897/99. Holt, E. W. L. Ebenda vol. V. p. 138—141 u. 156 ff. 1900. Heincke, Fr. u. E. Ehrenbaum, Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgo- land Bd. 111. S. 254—6, Taf. X, 18—21. (ob richtig bestimmt?) 1905. Schmidt, Johs. Meddelelser fr. kommissionen f. havundersegelser. Serie fiskeri Bd. I. p. 54—57. pl. III, 20—24. Textfig. 13. 1906. — Ebenda Bd. II. p. 9—11. Fig. 13—16. 1909. Heincke, Fr. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. X. Taf. XIII, 7—9. Dieser durch seine hohe und gedrungene Körperform leicht kenntliche Gadide hat sein Hauptverbreitungsgebiet an den englischen und französischen Küsten des Kanals; sein Gebiet dehnt sich aber von hier sowohl südwärts über die französische und spanische Westküste wie nordwärts über die briti- schen Küsten aus und geht östlich an den Küsten des Kontinents entlang bis in die Gegend von Helgoland. An den dänischen und schwedischen Küsten Fam. Gadidae I 237 Fig. 87. Gadus luscus L. a. Eier von 1,1 J mm Durchmesser aus einer am 6.2. 08 bei Nord- Minder ausgeführten künstlichen Befruchtung; 4 und 5 Tage alt. b. eben ausgeschlüpfte Larve aus solchen Eiern, vom 17./2. 08, ca. 3 mm lang. c. ältere Larve aus solchen Eiern 3,3 mm lang; vom 28./2. 08. a— c. Originale. Pigment schwarz mit gelblichem Schimmer. d. Larve 4 mm lang, Englischer Kanal vom 30/6. 05. e. „ 7,25,, „ „ „ „ „ „ f. „ 13 „ „ „ „ bei Plymouth, vom 12.'5. 02. g. „18 „ „ „ „ ,. „ „ 25.;5. 97. h. Jungfisch 30 mm lang, Oster Ems vom 15./6. 04. h. nach Heincke. i. „ 50 „ „ Englischer Kanal bei Plymouth vom Juli 04. d -g. und i. nach Joh. Schmidt (1905) Fig. 20, 24. (1906) Fig. 13, 14, 16. I 238 E. Ehrenbaum. ist G. luscus ein seltener Gast. Im Mittelmeer ist er ziemlich häufig. Er be- vorzugt den Aufenthalt auf rauhem und felsigem Grunde. Die Hauptlaichzeit fällt im Kanal und in der südwestlichen Nordsee in die Zeit von Mitte Januar bis März oder April; in der südöstlichen Nordsee, wo das Laichen wohl nur in geringem Umfange erfolgt, liegt sie später und bei Helgoland anscheinend im Juni bis August. Das Ei hat einen homogenen Dotter, ist frei von öl und hat einen Durch- messer von 0,97(0,90) bis 1,23 mm. Gelegentlich einer künstlichen Befruchtung am 6. 2. in der südwestl. Nordsee (Nord-Hinder) fand ich Größen von 1,07 bis 1,23 mm, im Mittel 1,14. Cunningham hat an reifen Ovarialeiern im Kanal am 8. April Größen von 1,05 bis 1,15 konstatiert, ich selbst bei Helgoland am 26. Juni: 0,97 bis 1,13, im Mittel 1,06 mm. Die Embryonalentwicklung konnte erst in neuester Zeit am künstlich befruchteten Ei verfolgt werden; und nach diesen Erfahrungen ist es keines- wegs sicher, daß die von Holt und mir für G. luscus in Anspruch genommenen Embryonen und jüngsten Larven richtig identifiziert sind. Es bleibt noch fest- zustellen, ob dieselben vielleicht zu G. minutus gehören, was wohl möglich ist. Die bereits erwähnte von mir am 6. 2. 08 bei Nord-Hinder an einem sehr reichhaltigen Material ausgeführte Befruchtung ergab zahlreiche Embryonen und Larven von durchaus normalem Ansehen; die Inkubationsdauer betrug 10 bis 12 Tage, Am 4. Tage war ein gestreckter Embryo vorhanden, der etwa die halbeDotterperipherie umspannte (Fig.a) und am 5. und 6. eine an Intensität schnell zunehmende Zahl von schwarzen Chromatophoren, die, wie in der Profillage des Embryos erkennbar, fast ausnahmslos an der dorsalen Körperkontur an- gesammelt waren und nur an ein oder zwei Punkten in den Körper hinein- strahlten. Die Embryonen haben in diesem Stadium eine täuschende Ähnlich- keit mit gleichaltrigen Flunder-Embryonen, deren Eidurchmesser ja aber gleich- zeitig etwas kleiner ist. Wenn der Embryo in der Folge in die Länge wächst, so bleibt die Spitze des Schwanzes frei von Pigment. Der Körper des Embryos erscheint matt cremefarbig, doch sind gelbe Chroma- tophoren nicht erkennbar. In der Gegend der Otocysten strahlen bisweilen' einige schwarze Chromatophoren in wenig auffälliger Weise auf den Dotter über. Die ausschlüpfende Larve (Fig. b) ist nahezu 3 mm lang oder etwas weniger. Die Augen sind noch fast völlig pigmentfrei. Sonst ist schwarzes Pigment in Form feiner dendritischer Chromatophoren fast über den ganzen Körper verstreut, mit einer gewissen Tendenz, sich, wenn die Larve im Profil gesehen wird, an den Körperkonturen dichter zu sammeln, und zwar dorsal mehr als ventral. Das letzte Drittel des postanalen Körperabschnitts ist pigmentfrei. Der ganze Körper der Larve mit Einschluß des Dotter- sackes und der Flossensäume hat einen sehr zarten gelblichen Schimmer, der von zahlreichen äußerst feinen gelben meist knopfförmigen Chromatophoren herrührt, die bei stärkerer Vergrößerung — bald mehr, bald weniger — er- kennbar sind, am deutlichsten aber erst bei absterbenden Larven hervortreten. Fam. Gadidae. • 239 während sie am lebenden Tier um so matter zu sein sciieinen, je lebens- kräftiger das betreffende Individuum ist. Während der Resorption des Dottersackes, die bei den künstlich erbrüteten Larven im Februar über 10 Tage in Anspruch nahm, nehmen zu- nächst die Augen dunkles Pigment an. Das schwarze Pigment des Körpers zieht sich noch ausgeprägter als vorher an die Körperkonturen zurück; an der dorsalen reicht es ein wenig weiter nach hinten und ist überhaupt dichter als an der ventralen, wo in der Regel sogar eine kurze Strecke des vorderen Postabdomens frei bleibt. Die mediolaterale Körpergegend bleibt bis auf je eine Brücke in der Aftergegend und im Postabdomen fast ganz pigmentfrei. Die pigmentfreie Schwanzspitze verlängert sich, so daß bei der Larve von 3,3 mm Länge (Fig. c), deren Postabdomen 2,04 mm lang ist: 0,9 mm, also fast die Hälfte des letzteren pigmentfrei ist. Im übrigen hat das schwarze Pigment im Peritoneum und namentlich über dem Hinterkopf eine erhebliche Vermehrung erfahren. Die Brustflossen sind groß, und im vorderen Ende des dorsalen Flossensaumes ist ein umfangreicher sinus supracephalicus entstanden (vgl. S. 217). Die nächstfolgenden Entwicklungsstadien sind von J. Schmidt in lückenloser Reihe bis zur ausgebildeten Form verfolgt worden. Die 4 mm lange Larve (Fig. d) läßt noch vollkommener als vorher die höchst charakteristische Anordnung des Pigments erkennen, die die ganze hintere Hälfte des postanalen Körperabschnitts frei läßt, wobei das dorsale und ventrale Pigment hier ziemlich scharf abgeschnitten erscheinen. Die medio- laterale Gegend ist fast pigmentfrei. Sonst ist eine präanale Pigmentreihe deutlich, und die Abdominal- und die Occipital-Gegend besitzen ebenfalls Pigment. Bei 7,25 mm Länge (Fig. e) fängt die charakteristische hohe Körper- form schon an, sich bemerkbar zu machen. Die Flossenstrahlenbildung ist in allen unpaaren Flossen mit Ausnahme von D 1 in Vorbereitung. Die Regionen der Flossenstrahlenträger sind auffallend scharf begrenzt und von fast genau drei- eckiger Form mit hohem Vorderteil. Die ersten Spuren der Bauchflossen werden sichtbar. Das postanale Pigment greift auch auf die Körperseiten über. Der pigmentfreie Schwanzteil entbehrt auch des gelben Pigments, das in dem ganzen übrigen Körper mehr oder weniger vorhanden ist. Das 13 mm lange Fischchen (Fig. f) zeigt eine auffallend kurze und hohe Körperform. Der Hinterrand der Schwanzflosse ist fast gerade; vom embryonalen Flossensaum sind nur mehr Reste vorhanden. Die Strahlen der unpaaren Flossen sind gut ausgebildet; auf A 1 sind minimale Spuren von Pigment bemerkbar. Der After liegt unter der hinteren Hälfte von D 1. Das Körperpigment ist vermehrt, aber in der Verteilung unverändert. Beim 18 mm langen Fischchen (Fig. g) sind die Strahlen der un- paaren Flossen annähernd in den definitiven Zahlen vorhanden. Dieselben betragen D: 12 bis 14 + 22 bis 26+18 bis 20; A: 27 bis 32 +18 bis 21. Auf den distalen I 240 E. Ehrenbaum. Enden der beiden vorderen Rückenflossen und der ersten Afterflosse sind scharf begrenzte und lebhaft gefärbte Pigmentflecke vorhanden, die außer- ordentlich charakteristisch sind. Das Körperpigment ist wenig verändert; es reicht wie bei den früheren Stadien ventral etwas weiter nach hinten als dorsal, auch läßt es dauernd einen medioiateralen Streifen frei. Bald nachdem die Länge von 20 mm und mehr erreicht ist, beginnt das Leben am oder in der Nähe des Bodens. Dabei scheint der Aufenthalt in schwächer salzigen Buchten und Flußmündungen bevorzugt zu werden. Ich fing z. B. ein Dutzend junger G. luscus von 30 bis 90 mm Länge am 15. Juni 04 in der Emsmündung auf 13 m Tiefe. Das Körperpigment breitet sich etwas weiter aus, und auch der Schwanzteil bleibt nicht ganz ohne Pigment und er- scheint daher nicht mehr so abgeschnitten wie in früheren Stadien. Bei der 30 mm langen Form aus der Emsmündung (Fig. h) ist das erkennbar. Die größte Höhe des Körpers liegt etwa beim After, der seiner- seits ziemlich genau unter der Mitte (oder wenig davor) der hohen ersten Rückenflosse liegt. Die Bauchflossen sind lang und reichen bis über den After hinaus. Bemerkenswert ist, daß bei diesem sowohl wie bei jüngeren und älteren Stadien der Ansatz der letzten Afterflosse weiter nach hinten reicht, als der Ansatz der letzten Rückenflosse (Fig. h). Die Schwanzflosse ist leicht ausgeschnitten und behält diese Form jetzt bei. Der Bartfaden ist aus- gebildet. Die Körperform ist nicht mehr ganz so steil wie früher. Eine 50 mm lange Bodenform (Fig. i) läßt die weitere Vermehrung und Ausbreitung des Pigments über den Körper und sämtliche unpaaren Flossen erkennen. Erwähnenswert ist die noch jetzt vorhandene Verschmelzung der beiden Analflossen, welche auch bei allen jüngeren Stadien erkennbar .ist, und welche ein gutes Unterscheidungsmerkmal von O. minutus darstellt. Ein nicht minder gutes Merkmal bietet die außerordentliche Länge von A 1. Diese Flosse ist bei jungen G. luscus von 50 mm an aufwärts fast so lang wie die Entfernung vom After bis zur Schnauzenspitze, bei G. minutus dagegen erheblich kürzer. Gadus minutus O. F. Müller. (syn: G. luscus Bl. — nee G. minutus Moreau, nee Morua capelanus Risso.) 1888. Raffaele, Fed. Mitteilungen a. d. zoolog. Station zu Neapel Bd. VIM. p. 36 f. tav. II, 20—21. (betrifft die gleichnamige Mittelmeerforni). 1891. Marion, A. F. Annalcs d. mus^e d'hist. nat. de Marseille T. IV. fasc. 1. p. 118. pl. 1, 11 u. 13; II, 14—15. (betrifft die gleichnamige Mittel- meerform). 1893. Holt, E. W. L. Scient. transact. Roy. Dublin society. 2. s. vol. V. p. 52 pl. VI, 51—52 (?) 1893. Mc Intosh, W. C. ll**" annual report fishery board f. Scotland pt. III. p. 239. pl. Vlll, 1—8. Farn. Gadidae. I 241 1905. Schmidt, Johs. Meddelelser fr. kommissionen f. havundersogelser. serie fiskeri Bd. I. p. 46-54. pl. III, 16—19. Textfigur 14. 1906. — Ebenda Bd. II. p. 6—9. pl. I, 19—23. Der Zwergdorsch kommt in fast allen Teilen der Nordsee vor; er ist häufig an den skandinavischen Kattegat- und Skagerrak-Küsten und geht an den norwegischen Küsten nordwärts bis Trondhjem; ferner findet er sich in den britischen Gewässern an der französischen Nordküste und an der Süd- küste der Nordsee bis nach Helgoland; vereinzelt geht er bis Färöer und bis in die westliche Ostsee. Der im Mittelmeer ungemein häufige G. minutus ist mit der Nordseeform allem Anschein nach nicht identisch. Als Laichzeit kommt nach bisherigen sicheren Beobachtungen März b is J uni in Betracht. Die Eier haben kein Öl, einen homogenen Dotter und etwa die Größe von Flunder-Eiern; an sicher identifizierten Eiern (künstlich befruchteten oder reifen Ovarial-Eiern) sind Maße von 0,95 bis 1,07 mm konstatiert worden. Über die Art der embryonalen Pigmentierung gehen die Ansichten etwas auseinander. Einige Autoren sind geneigt, nur schwarzes Pigment als vorhanden anzunehmen, entsprechend dem an der Mittelmeerform beobachteten Verhalten. Indessen erscheint es richtiger den Angaben von Mc Intosh zu folgen, des Einzigen, der Embryonen und Larven — wenn auch nicht sehr lebensfähig aussehende — aus künstlich befruchteten Eiern zu züchten im- stande war. Danach ist neben dem schwarzen Pigment auch reichlich gelbes vorhanden, besonders auf Kopf, Körper, Dotter und einem Teil der Flossen- säume (Fig. a), und da das schwarze Pigment sich vorzugsweise längs der postanalen Körperkonturen und im Peritoneum geordnet findet, so ist die Ähnlichkeit mit Wittlingslarven sehr groß. Die Augen sollen schon vor dem Ausschlüpfen einen charakteristischen Silberglanz besitzen. Einige schwarze Chromatophoren greifen auf den Dottersack über, und nach dem Verschwinden des letzteren ist präanales Pigment vorhanden. Dabei verblaßt das gelbe Pigment bis zum Verschwinden (Fig. b). Die frühesten planktonisch gefangenen Larven von 6,5 mm Länge (Fig. c) stimmen nach Schmidt in der Anordnung des Pigments befriedigend mit jenen künstlich gezüchteten Larven überein. Das Pigment ist sehr zart, läßt die Seiten ganz frei und beschränkt sich auf die Körperkonturen; es ist demjenigen von G. esmarki sehr ähnlich, auch darin, daß das vordere ventrale Ende des postanalen Pigments in zwei Äste gegabelt ist (von unten gesehen). Ventral ist das postanale Pigment sehr viel dichter als dorsal. Die Anlage der Flossenstrahlenträger ist bereits sichtbar, in der Schwanzflosse sogar schon einige Strahlen. In den folgenden Stadien macht die Ausbildung der Flossenstrahlen weitere Fortschritte, und bei 8,5 mm Länge (Fig. d) sind mit Ausnahme von D 1 schon in allen Flossen einige Strahlen erkennbar; das Pigment ist oft sehr Nord. Plankton. I 16 I 242 E. Ehrenbaum. spärlich ausgebildet und fehlt in manchen Körperregionen bisweilen. Die Bauch- flossen beginnen zu erscheinen. Die Augen sind auffallend groß und stark konvex. Bei 9,5 mm Länge (Fig. e) reichen viele der Flossenstrahlen schon bis zum Rande des Flossensaumes. Der After liegt etwa gerade unter der Ein- senkung zwischen den beiden ersten Rückenflossen. Bei 13 mm Länge sind die einzelnen unpaaren Flossen ziemlich deut- lich von einander getrennt. Bei einem 16 mm langen Fischchen (Fig. f) ist die Schwanzflosse am Hinterrande schon leicht ausgebuchtet; alle Flossen sind verhältnismäßig weiter in der Entwicklung als bei gleich großen G. esmarki. Die Bauchflossen sind noch sehr klein. Pigment fehlt auf den Flossen. Das 23 mm lange Fischchen (Fig. g) wurde schon in der Nähe des Bodens angetroffen, aber noch planktonisch. Bei ihm sind die Flossenstrahlen annähernd in definitiver Zahl vorhanden: D: 12 bis 15 + 19 bis 25 + 19 bis 24; A: 25 bis 31 + 20 bis 22; P: 17 bis 19. Die beiden Analflossen sind ziemlich gleich lang und deutlich von einander getrennt (zum Unterschied von G. luscus). Die Bauchflossen sind noch sehr klein. Der Vorderkörper ist sehr gedrungen, der Hinterkörper sehr schlank. Das Pigment ist im wesentlichen unverändert, geht aber von der Ventrallinie etwas weiter auf die Körperseiten hinauf; auch im Schwänze wird seitliches Pigment sichtbar. Von 25 mm Länge ab dürfen die jungen G. minutus als Bodenfische angesehen werden. Das Pigment auf den Körperseiten beginnt nur langsam sich zu vermehren, und erst bei dem 50 mm langen Fischchen (Fig. h) hat die Pigmentierung einen ziemlich hohen Grad erreicht, wennschon sie im Ganzen immer zart bleibt. Auch die Rückenflossen, erhalten jetzt etwas Pig- ment in charakteristischer Verteilung. Die Bauchflossen sind nun wesentlich Farn. Gadidae. I 243 Fig. 88. Gadus minutus O. F. Müller. a. Larve, einige Tage alt, aus künstlich befruchteten Eiern, Firth of Forth den 16./6. 92 ca. 2,5 mm lang. b. gleichartige Larve, einige Tage älter, vom 18./6. 92. a. und b. nach Mc Intosh, Pigment schwarz und gelb. c. Larve 6,5 mm lang vom 30./6. 05, Englischer Kanal. d. „ 8,5 „ „ „ 30./6. 05, e. „ 9,5 „ „ „ 30./6. 05, „ „ f. „16 „ „ „ 29./6. 05, g. Jungfisch 23 mm lang vom 24./5. 97, „ „ (b. Plymouth). h. „ 50 „ „ „ 23./9. 03, Südliches Norwegen (Sondeled Fjord). ?-h. nach J. Schmidt (1905): Fig. 17, 19. (1906) Fig. 19, 21-23. 16* I 244 E. Ehreribaum. länger und reichen bis zum After. Dieser liegt unter der hinteren Hälfte von D 1. Der Bartfaden ist deutlich und wesentlich größer als beim gleich langen G. esmarki. Bei den jüngeren Stadien ist, wie bereits angedeutet, die Unterscheidung von den sehr ähnlichen Jugendformen von G. esmarki nicht immer mit Sicher- heit durchzuführen. Hier muß in vielen Fällen die Verschiedenheit in der Lage der Laichzeit — G. minutus laicht später — und in dem Verbreitungs- gebiet zu Hilfe genommen werden. Beide Formen schließen sich jedoch in ihrer Verbreitung keineswegs aus, wenn auch G. esmarki z. B. in der südlichen Nordsee fast vollständig fehlt. Ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal ist aber die Zahl der Rumpfwirbel. Dieselbe beträgt bei G. minutus 14 — 16, bei G. esmarki dagegen 17 — 19. Gadus virens L. (syn: G. carbonarius L, G. colinus Lacep., Merlangus purpureus Mitch., M. leptocephalus Dekay, Pollachius carbonarius Gilt.) 1892. Mc Intosh, W. C. 10"^ annual report fishery board f. Scotland pt. IlL p. 287. 1893. — Ebenda 11 'h report p. 242, pl. IX. 1894. — Ebenda 12'" report p. 218 ff. pl. II. pl. III, 5 u. 6 (nicht 7). 1900. Heincke, Fr. u. E. Ehrenbaum, Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. III. S. 247 f. Textfig. 14. 1905. Schmidt, Johs. Meddelelser fr. kommissionen f. havundersogelser. serie fiskeri Bd. I. p. 12—16. pl. I, 10—18. 1909. Heincke, Fr. Wissensch. Meeresunters. Abt. Helgoland Bd. X. Taf. XII, 7-10. Der Köhler ist eine nordatlantische Form mit ähnlicher Verbreitung wie der Kabljau. An den europäischen Küsten reicht sein Gebiet von der Murmanküste und Finmarken bis zur Biskaya, auf der amerikanischen Seite von Neufundland bis Massachusetts. Besonders häufig ist er bei Island, den Färöer und in der nördlichen Nordsee, sehr viel seltener in der südlichen. Durch das Skagerrak gelangt er ins Kattegat, aber äußerst selten bis in die westliche Ostsee. In den nordeuropäischen Gewässern fällt die Laichzeit in die Monate Januar bis April mit der Hochzeit um Anfang März; bei Island scheint sie später zu liegen. Sie verläuft wahrscheinlich ziemlich schnell und schneller als beim Kabljau; für Massachusetts gibt Earll auch November und Dezember an. Das Laichgebiet des Köhlers ist wesentlich beschränkter als sein Ver- breitungsgebiet, da dieser Fisch im allgemeinen Tiefen von mindestens 150 m zum Laichen aufsucht. Die Nordsee selbst kommt daher als Laichgebiet wenig in Betracht, sondern hauptsächlich ihre nördlichen und nordöstlichen Ränder, Farn. Gadidae. I ^45 die den Abfall des Nordseeplateaus nach dem Skagerrak, der norwegischen Rinne und der atlantischen Tiefe darstellen; ähnHches gilt für die Westküste und den südlichsten Teil der Nordwestküste von Norwegen und darf auch für den Norden und Westen der britischen Inseln sowie die Umgebung der Färöer und Islands angenommen werden. Von diesen Laichplätzen aus ver- breiten sich die Jugendformen in höchst auffälliger Weise über die benach- barten Küsten Großbritanniens und Norwegens (nordwärts bis Finmarken), in sehr viel geringerem Maße auch in das Skagerrak und vereinzelt in die süd- liche Hälfte der Nordsee. Das Ei des Köhlers ist frei von Öl, hat einen homogenen Dotter und einen Durchmesser von 1,03 bis 1,22 mm, d. h. Maße, die sehr genau mit denen des Wittlings-Eies übereinstimmen. Doch scheint das mittlere Maß des Wittlings-Eies um ein Geringes größer zu sein (ca. 0,03 bis 0,04) als das gleichzeitiger Köhler-Eier. Nordöstlich der Shetlands-Inseln auf einem bevor- zugten Laichplatz des Köhlers wurden am 7. März (05), also zur Hochzeit, Eigrößen von 1,10 bis 1,22 und im Mittel 1,150 mm von mir beobachtet. Die Embryonen des Köhlers sind in ihrer Pigmentierung deutlich verschieden von denen des Wittlings, da sie des gelben Pigments völlig ent- behren; sie zeichnen sich vor anderen Gadiden (namentlich den ähnlichen G. esmarki) durch eine auffällige Breite des Embryonalleibes aus. Ebenso wie beim Wittling finden sich bisweilen kleine Ausstrahlungen des Pigments auf den Dotter (Fig. a). Das vorhandene Pigment ist zunächst fein punkt- förmig und fast gleichmäßig verteilt, bei älteren Embryonen dagegen in Form großer Chromatophoren vorhanden. Letztere finden sich dorsal reichlicher als ventral, und namentlich ist eine dorsale Ansammlung in der hinteren Hälfte des postanalen Körperabschnitts frühzeitig erkennbar. Die ausschlüpfende Larve (Fig. b und c) zeigt diese Gruppierung etwas deutlicher; sie entbehrt noch des Augenpigments und ist ca. 3,4 bis 3,8 mm lang. Der nicht bis zum Flossenrand reichende Enddarm liegt wenig vor der Mitte des Körpers, doch wächst der postanale Körperabschnitt bald stärker in die Länge. Der Ansatz des" dorsalen Flossensaumes liegt auffallend weit nach hinten, etwa über den Brustflossen. Sehr bald nach dem Ausschlüpfen der Larve und noch während des Beginnes der Dotterresorption vollzieht sich eine charakteristische Umwandlung in der Anordnung des Pigments (Fig. d): während und zum Teil ehe die Augen sich dunkel färben, schließt sich das Pigment des postanalen Körperabschnitts zu zwei ausgeprägten Barren zusammen, die zunächst dorsal noch mit einander verbunden bleiben, wie denn überhaupt ein Überwiegen des Pigments in der dorsalen Körperhälfte für die Jugend- Stadien von G. virens charakteristisch ist. Auch bei der vorübergehend eintretenden Trennung der beiden Pigmentzonen bleiben ihre dorsalen Abschnitte immer länger als die ventralen (Fig. e). Bei den sonst sehr ähnlichen Kabljaularven waltet das umgekehrte Verhältnis ob; auch fehlt den Köhlerlarven immer die minimale Pigmentansammlung auf der Unterseite der Schwanzspitze, die beim 246 E. fihrenbaum. Kabljau meist vorhanden ist. Im Kopf und im Peritoneum ist das Pigment ähnlich ausgebildet wie beim Kabljau; das präanale Pigment auf der Unter- seite des Körpers ist sehr zart. Schon bei 6 bis 7 mm Länge tritt der für die Köhlerlarve ebenso wie für den Kabljau charakteristische mediolaterale Pigmentstreifen auf, der in der Folge an Deutlichkeit noch zunimmt (Fig. f). Bei 9 mm Länge fängt die Ausbildung der unpaaren Flossen an sich vorzubereiten. Das postanale Pigment hat denselben Charakter behalten; es ist dorsal verschmolzen und viel intensiver als ventral; von den ventralen Gruppen ist die erste hinter dem After besonders zart. Zwischen den dorsalen Farn. Gadidae. I 247 Gadus virens L. vom 21./2. und 24/2. 94. Fig. 89. 2 Eier mit Embryonen; Durchm. 1,16 mm, künstlich befruclitet d. 15./2. 94 a. d. schottischen Westküste b. Larve ca. 4,3 mm lang aus derselben Befruchtung am 5. Tage nach dem Ausschlüpfen 3./3. 94. a-b. nach Mc Intosh. c. und d. 2 Larven ca. 3,6 und 3,9 mm lang aus planktonischen Eiern nördlich der Shetlands-Inseln über 138 m Tiefe, vom 8/3. 05. c. und d. Originale. e. Larve von 4 mm Süd-Island 5./6. 03. f. » n 9 g- n y> 12,5 h. i. Jungfisch , » 11 , 20 , 25 k. , 33 West- 27./6. 04. „ 4./7. 03. „ 3./7. 03. NO. der Shetlands-Inseln vom 22./6. 05 4 Ml. NO. von Yell Isld. vom 24./6. 05 i — k. nach Heincke. e—h.nachjoh. Schmidt (1905) Fig.lO, 12, 14, 16. Bei f. und folgenden Stadien ist gelbes Pig- ment auf den Seiten vorhanden. i 248 E. Ehrenbaum. und ventralen Gruppen ist zartes gelbes Pigment vorhanden, aber nicht auf dem auch sonst pigmentfreien Schwanzteil. Auch in dem pigmenttreien Raum zwischen der ersten und zweiten postanalen Barre ist dieses gelbe Pigment sehr schwach; und da hier auch der mediolaterale Pigmentstrich unterbrochen ist, so erscheint diese Stelle als ein runder heller Fleck, der für G. virens höchst charakteristisch ist. Dieser helle Fleck und der pigmentfreie Schwanz sind auch der 12,5 mm langen Larve noch eigen (Fig. g), bei der die Ausbildung der unpaaren Flossen schon erhebliche Fortschritte gemacht hat. Das gelbe Pigment ist vermehrt. Der After liegt kurz vor dem Anfang der zweiten Rückenflosse. Bei 15 mm Länge sind in allen unpaaren Flossen — auch in D 1 — Strahlen in Ausbildung begriffen und reichen zum Teil bis zum Rande des Flossensaumes. Die Bauchflossen sind deutlich; die Schwanzflosse ist am Hinterrande ganz leicht ausgebuchtet. Bei 20 mm Länge (Fig. h) sind die unpaaren Flossen alle deutlich von einander getrennt. Die erste Afterflosse ist auffallend niedrig und deutlich länger als die zweite. Die beiden ersten Rückenflossen besitzen schwarzes Pigment zwischen den Strahlen. Das Pigment auf den Körperseiten wird dichter und dringt auch weiter nach hinten vor. Dieser letztere Prozeß ist bei 25 mm Länge (Fig. i) soweit fortge- schritten, daß höchstens noch die äußerste Schwanzspitze des Körpers frei von Pigment, der seitliche helle Fleck aber nicht mehr zu erkennen ist. In allen Flossen ist jetzt mehr oder weniger Pigment vorhanden, am wenigsten in A 2. Bei dem Fischchen von 33 mm Länge (Fig. k) zeigen sich noch einige weitere Veränderungen. Alle unpaaren Flossen sind nun reichlich pig- mentiert, die Schwanzflosse aber sehr wenig. Die erste Rückenflosse ist höher als die andern; unter ihrem hinteren Drittel liegt der After. Der Abstand des Afters von der Schnauzenspitze ist etwa ebenso groß wie seine Entfernung von dem vorderen Ansatz der Schwanzflosse; beim Kabljau reicht die entsprechende Länge vom After bis zur Schwanzflosse, beim Pollack nur bis zur Mitte von A 2. Die Bauchflossen sind kurz und reichen etwas mehr als halb bis zum After. Das Pigment ist ziemlich gleichmäßig dicht auf dem Körper, außer auf der präanalen Bauchfläche. Die Rückenfläche ist besonders dunkel pigmentiert; Nacken und Seiten haben auch schwaches gelbes Pigment, die Abdominal- gegend einen silbernen Schimmer. Für die Flossenstrahlen werden folgende Zahlen angegeben: D: 12 bis 14 + 19 bis 24+19 bis 22; A: 23 bis 27+20 bis 23; P: 19 bis 20. Die Zahl der Rumpfwirbel beträgt 23 bis 25. Die Größen von 30 bis 50 mm Länge repräsen- tieren den Beginn des Bodenlebens. In diesen und größeren Abmessungen werden die jungen Köhler im Sommer zahlreich im flachen Wasser in Küstennähe an- getroffen, — aber anscheinend nicht in der südlichen Hälfte der Nordsee und auch nicht im Kattegat. Hierher scheinen sie erst in einem späteren Jahrgang zu gelangen. Farn. Gadidae. I 249 Gadus pollachius L. (syn: G. lycostomus Faber, Merlangus pollachius Kr^y.) 1889,90. Cunningham, J. T. Journal of the marine biol. assoc. n. s. vol. I. p. 46. Fig. 33 LI. 34? (vielleicht richtiger pollachius als merlangus) 1892. Mc Intosh, W. C. 10"^ annual report fishery board f. Scotland pt. III. p. 288. 1893. — Ebenda 11'" report p. 246. 1896. — Ebenda 14'" report p. 171. pl. V, 1—4. •1897/99. Holt, E. W. L. Journal of the marine biological association n. s. vol. V. p. 141. 1900. Heincke, Fr. u. E. Ehren bäum. Wissensch. Meeresuntersuchungen Abt. Helgoland Bd. III. S. 120 f. 1905. Schmidt, Jobs. Meddelelser fr. kommissionen f. havundersegelser. serie fiskeri Bd. I. p. 17-24. pl. I, 25-30. Der „Pollack" bevorzugt den Aufenthalt auf felsigem Grund; er ist daher in der offenen Nordsee selten, aber an vielen Punkten der Küsten häufig. Besonders zahlreich findet er sich im Gebiet des englischen Kanals; von hier reicht seine Verbreitung südwärts bis zur iberischen Halbinsel. An vielen Punkten der Küsten von Frankreich sowie von Großbritannien und Irland, nord- wärts bis zu den Shetlands kommt er regelmäßig vor, auch an den skandi- navischen Küsten des Kattegats und Skagerraks ist er nicht selten und gelangt von hier vereinzelt in die Ostsee (bis nach Mecklenburg) und nordwärts bis Trondhjem und ausnahmsweise bis Finmarken. In der südlichen Nordsee, speziell bei Helgoland, scheinen nur Jugendformen vorzukommen. Die Laichzeit fällt im Kanal in die Monate Februar bis April mit dem Maximum im März; in den nördlicheren Gewässern liegt sie später; hier er- folgt das Laichen auch noch den ganzen Mai hindurch. Die Laichplätze sind entsprechend dem Aufenthalt der erwachsenen Fische in Küstennähe zu suchen. In der offenen Nordsee scheinen die Eier in nennenswerten Mengen nicht vorzukommen. Das Ei des Pollacks hat kein Öl und einen homogenen Dotter; es ist etwa so groß wie das des Wittlings und des Köhlers; an künstlich befruchteten Eiern wurden Maße von 1,10 bis 1,22 (1,30?) mm im März und Mai beobachtet. Normale Embryonen und normal ausgeschlüpfte Larven sind bisher nie- mals beobachtet, und sicher identifizierte planktonische Entwicklungsformen sind nicht abgebildet worden.*) Aus den etwas abnormen Stadien (Fig. a), die Mc Intosh (1896) aus künst- *) Die von Holt (1897,99) erwähnte Larve aus planktonischen Eiern von 1,40 bis 1,45 mm kann schon wegen der Größe der Eier schwerlich ein G. pollachius gewesen sein; auch die angebliche Ähnlichkeit mit der Schellfischlarve spricht durchaus dagegen. Aber Cunningham's Abbildungen von G. merlangus gehören vielleicht hierher. I 250 E. Ehrenbaum. Fig. 90. Gadus pollachius L. a. Embryo vom 5. Tage, künstlich befruchtet, aber nicht völlig normal, 6.5.96. Eidurch- messer 1,14 mm; nach Mc Intosh. b, Larve von 7,25 mm vom 15./6. 06, Südnorwegen (Sondeled Fjord). 8./5. 97, Englischer Kanal (Eddystone). 8./6. 97, „ „ (Plymouth). 14./7. 07, südlich der Kl. Fischerbank. Original. 15./7. 04, Südnorwegen (Sondeled Fjord), b— d und f nach J. Schmidt (1905) Fig. 25, 26, 28,30. Alle mit intensivem orangegelbem Pigment neben dem schwarzen. c. 11,75 „ d. Jungfisch „ 18,25 „ e. 20 „ f. „ r, 32 „ Farn, üadidae. I 251 lieh befruchteten Eiern erhielt, darf man schließen, daß nur schwarzes Pigment vorhanden ist. Wahrscheinlich ist dasselbe sehr zart und blaß und in wenig charakteristischer Weise über Kopf und Körper des Embryo bezw. der Larven verteilt, nur die Schwanzspitze freilassend. Die Augen werden wahrscheinlich erst während der Dotterresorption dunkel und zugleich findet vermutlich — ähnlich wie bei G. virens — eine charakteristische Gruppierung des Pigments statt. Die junge Larve von ca. 4 mm Länge ist den entsprechenden Stadien vom Kabljau und vom Köhler in gewissem Grade ähnlich, insofern als man sich die bei diesen beiden Arten vorhandenen zwei postanalen Pigmentbarren ver- schmolzen denken kann. Es ist nämlich bei G. pollachiiis nur eine sehr lange vom After bis weit nach hinten reichende Pigmentbarre vorhanden, deren Chromatophoren hauptsächlich an der dorsalen und der ventralen Körper- kontur angesammelt sind. Der Schwanzteil der Larve ist wie bei G. virens pigmentfrei und ermangelt auch der minimalen Pigmentansammlung auf seiner ventralen Seite, die die jungen Kabljaularven auszeichnet. Auch im Nacken und im Rumpf (über dem Abdomen) ist etwas Pigment vorhanden. Das peri- toneale Pigment ist deutlich und auch einige präanale Chromatophoren. Bei der 7,25 mm langen Larve (Fig. b) ist die Region der Flossen- strahlenträger bereits schwach angedeutet, besonders bemerkenswert ist aber das dichte und dunkle Pigment, namentlich die lange Pigmentbarre des posta- nalen Körperabschnittes, welche dorsal bis zum Occipitalpigment reicht. In der Region der Seitenlinie ist eine sehr auffällige mediolaterale Pigmentlinie hervorgetreten. Neben dem schwarzen Pigment ist frühzeitig lebhaft und intensiv orangegelb gefärbtes vorhanden. Die 11,75 mm lange Larve (Fig. c) besitzt schon in allen unpaaren Flossen mit Ausnahme von D 1 und am zahlreichsten im Schwänze einige Flossenstrahlen. Die Schwanzflosse ist hinten gerade abgeschnitten; die Bauch- flossen beginnen eben hervorzutreten. Das Pigment des Körpers ist vermehrt und greift namentlich auf die Seiten desselben über. In der Folge vollzieht sich die völlige Trennung der unpaaren Flossen, und bei dem 18,25 mm langen Jungfisch (Fig. d) ist der embryonale Flossen- saum ganz verschwunden; zugleich ist Pigment auf allen A- und D-Flossen erschienen, am stärksten auf D 3 und A 2. Die Basis von A 1 ist erheblich länger als die von A 2. Die Bauchflossen sind kurz und breit (nicht zuge- spitzt wie bei G. virens); der After liegt unter dem vorderen Drittel von D 1. Das Körperpigment ist weiter vermehrt, aber die Schwanzspitze ist immer noch frei davon und erscheint wie abgeschnitten. Das Fischchen von 20 mm Länge (Fig. e) zeigt, daß sich nun das Pigment auch auf die Schwanzspitze verbreitet, so daß diese bei ca. 23 mm Länge in der Regel ganz pigmentiert ist. Diese Größe bezeichnet zugleich das jüngste Bodenstadium; doch werden noch erheblich größere Exemplare auch planktonisch angetroffen. Dieselben verbreiten sich von den Geburtsstätten ziemlich weit auf benachbarte Gebiete; I 252 E. Ehrenbaum. und speziell in der südlichen Hälfte der Nordsee, östlich bis nach Helgoland, wo ein Laichen des Pollacks nie stattfindet, trifft man die lebhaft orangegelb gefärbten Fischchen nahe der Oberfläche unter treibenden Tangstücken bis zu Größen von 40 mm Länge und oft vom Bord des Schiffes aus dem bloßen Auge auffällig, mit einer gewissen Regelmäßigkeit an. Das junge Bodenstadium von 32 mm Länge (Fig. f) besitzt die Flossen- strahlen in der definitiven Zahl: D: 1 1 bis 13 + 17 bis 21 + 16 bis 20; A: 24 bis 34+ 16 bis 21; die letzte Zahl — A 2 in der Regel weniger als 20 — ist be- sonders charakteristisch. Die Zahl der Rumpfwirbel beträgt 20 bis 22. Die Bauchflossen reichen etwas mehr als halb bis zum After. Das Pigment ist sehr intensiv und dunkel auch auf der Schwanzspitze und namentlich auch auf allen unpaaren Flossen. Der mediolaterale Pigmentstrich ist noch deut- lich, später aber nicht mehr so regelmäßig vorhanden. Gadus esmarki Nilss. (syn: Gadus minutus Esm.) 1893. Holt, E. W. L. Transact. Roy. Dublin soc. 2. s. vol. V, p. 54, Fig. 46, 47 (gehört jedenfalls nicht hierher). 1905. Seh midt, Johs. Meddelelser fra kommissionen for havundersogelser. Serie fiskeri Bd. L p. 40—45. pl. III, 1—9. Textfig. 12 u. 15. Das außerordentlich häufige Vorkommen dieses kleinen Gadiden in den nordischen Meeren ist erst seit kurzer Zeit bekannt. Sein Hauptverbreitungs- gebiet ist die nördliche Hälfte der Nordsee mit Einschluß des Skagerraks, die nördlichen und westlichen Küsten der britischen Inseln, die Färöer und die Süd- und West-Küsten von Island und andererseits die norwegischen Süd- und Westküsten bis zum Trondhjem-Fjord. Auf diesem an Ausdehnung beschränkten Gebiet ist der Fisch fast über- all sehr häufig, und wahrscheinlich laicht er auch überall, wo er vorkommt — vielleicht mit einer gewissen Bevorzugung der offenen See. Die Laichzeit fällt in der Nordsee in die Monate Januar bis April und erreicht ihre Höhe im Februar und März; bei Island scheint sie bis Juni an- zudauern. An künstlich befruchteten Eiern habe ich im Januar Durchmesser von 1,13 bis 1,19 und Anfang März von 1,03 bis 1,13, an planktonischen um Mitte Februar 1,00 bis 1,13 und im Mittel 1,084 mm beobachtet. Der Dotter der Eier ist homogen und ohne öl. Das embryonirte Ei ist bisher nicht beschrieben worden; der von Holt als hierher gehörig angesehene Embryo nebst Larve ist irrtümlich benannt, da gelb unter den embryonalen und frühen larvalen Pigmenten nicht vertreten ist. Das schwarze Pigment des Embryos ist sehr zart und besteht aus kleinen Chromatophoren, deren Anordnung zunächst wenig Charakteristisches bietet. Der Körper des Embryos ist schmäler als der von G. virens, welcher vielfach Fam. Gadidae. ' ' 253 gleichzeitig angetroffen wird; auch ist der Eidurchmesser geringer als bei G. virens. Gegen Ende der Embryonalzeit findet sich das postanale Pigment etwas vermehrt (Fig. a), und kurz vor dem Ausschlüpfen, wie auch bei der eben ausgeschlüpften Larve (Fig. b) zeigt sich, daß das postanale Pig- ment sich hauptsächlich an den Körperkonturen ansammelt, und zwar ventral mehr als dorsal (während bei der Köhlerlarve das dorsale überwiegt). Die Augen werden erst während der Dotterresorption dunkel. Der Dottersack ist ganz frei von Pigment. Gelbes Pigment fehlt noch völlig. Der Ansatz des dorsalen Flossensaumes liegt weit nach hinten, etwa über den Brustflossen. Die Größe der ausschlüpfenden Larve beträgt ca. 3,2 mm. Dieses Maß erhöht sich während der Dotterresorption auf etwa 4 mm. Die Augen sind dann dunkel und das Körperpigment intensiver. An der ventralen Körperkontur ist postanal eine sehr dichte und kontinuierliche Reihe von Chromatophoren angesammelt, nach vorn den After nicht ganz er- reichend und sich in der Nähe desselben gabelnd. Dorsal findet sich eine ähnliche aber viel weniger dichte Reihe von Chromatophoren, die bis zum Nacken nach vorn verläuft, die aber in der Mitte meist eine mehr oder weniger große Unter- brechung aufweist. Die Schwanzspitze ist frei von Pigment, aber das Perito- neum und die Umgebung der sehr früh deutlichen Schwimmblase haben eben- falls schwarzes Pigment. Nach dem Verschwinden des Dottersackes tritt auch präanales Pigment hervor, und neben dem schwarzen beginnt gelbes Pigment auf dem Körper zu erscheinen. Die 6 bis 7 mm lange Larve (Fig. c und d) zeigt wesentlich die eben charakterisierte Anordnung des Pigments. Die Ähnlichkeit mit dem Wittling ist auffallend, doch sind die Chromatophoren größer und weniger zahlreich, und das dorsale Pigment im Vorderkörper ist schwächer entwickelt als bei jenem. Die 8,5 mm lange Larve (Fig. e) läßt die früheste Anlage der Flossen- strahlenträger erkennen, die in der Folge zur Ausbildung gelangen, so daß bei 13 mm Länge in allen unpaaren Flossen schon eine Anzahl Strahlen sicht- bar ist. Die Bauchflossen treten hervor. Das Pigment behält im wesentlichen seinen Charakter bei: wenige aber meist große Chromatophoren, ventral zahl- reicher als dorsal, die Seiten des Körpers fast ganz frei bleibend. Indessen stehen die Chromatophoren weniger auf der ventralen und dorsalen Körper- kante als vielmehr unmittelbar daneben. Bei der 16 mm langen Larve (Fig. f) ist der verbindende embryonale Flossensaum noch vorhanden, aber die erste Rückenflosse ist, wenn auch niedrig, so doch deutlich von den anderen getrennt; alle Flossen sind pigment- frei. Die Schwanzflosse ist an ihrem hinteren Rande schon leicht konkav. Die Anordnung des Körperpigments ist unverändert; doch erscheinen einige der postanalen Chromatophoren noch etwas weiter auf die Seiten des Körpers hinaufgerückt; und obwohl die mediolateralen Flächen in der Hauptsache frei bleiben, so treten in dem Schwanzteil derselben doch vereinzelte Chromato- phoren hervor. I 254 E. Ehrenbaum. Beim 23 mm langen Fischchen (Fig. g) sind alle iinpaaren Flossen deutlich von einander getrennt; die Bauchflossen sind noch sehr klein, kürzer als der halbe Augendurchmesser. Der ganze Körper hat eine sehr schlanke Form, was ihn von dem ähnlich pigmentierten G. minutus ebenso wie die Größe der Augen und die Höhe von D 1 unterscheidet. Dennoch ist dieser Unterschied sehr gering, und die Gefahr der Verwechslung beider Formen, die vielfach zusammen vorkommen, ist sehr groß. Sie wird am sichersten durch Berücksichtigung der Zahl der Rumpfwirbel vermieden, welche bei G. esmarki 17—19, bei G. minutus nur 14 — 16 beträgt. Bei 28 mm Länge beginnt je ein Pigmentstern an der Basis der Strahlen in D 2 und A 2 hervorzutreten; später verbreitet sich das Pigment weiter über die Flossen. Erst bei einem 54 mm langen Bodenstadium (Fig. h) ist auch auf dem Körper das Pigment vermehrt und verbreitet sich namentlich vom Rücken her auch über die Seiten. Die Bauchflossen sind jetzt länger und reichen fast bis zum After. Die Flossenformel lautet: D: 14 bis 16 + 22 bis 26 + 24 bis 27; A: 26 bis 30 + 24 bis 30. Farn. Gadidae. I 255 '^■-•:-.-:..:JZ^ Fig. 91. Gadus esmarki Nilss. a. planktonisches Ei vom 6./2. Ol aus der nördlichen Nordsee, Durchmesser 1,04 mm. b. Larve aus solchem Ei bald nach dem Ausschlüpfen; 3,2 mm lang. a. und b. Originale. c. Larve 6 mm lang vom 27./6. 04, West-Island. d. „ 6,75 e. „ 8,5 f. „ 16,5 g. Jungfisch 23 h. „ 54 27./6. 04, „ „ 4./7. 03, Faxebucht (Island). 4./7. 03, West-Island. 18./7. 03, Süd- „ 29./8. 04, Faxebucht (Island). c-h nach J. Schmidt (1905) Fig. 1, 2, 5, 7, 9. Textfig. 12. I 256 E. Ehrenbaum. Gadus poutassou Risso. (sijn.: Gadus merlangiis Risso, Merlangus poutassou Risso, M. vernalis Risso, M. albus Yarr., M. communis Costa, Gadus melanostomus Nilss.) 1905. Schmidt, lohs. Meddelelser fra kommissionen f. havundersogelser. Serie fiskeri Bd. I, p. 57—63. Textfigur 16. pl. III, 10—15. 1906. — Ebenda Bd. II. p. 1 1 f. Fig. 28-32. Gadus poutassou erreicht Längen von 30 bis 40 cm und gehört mithin zu den kleineren Gadiden. Seine eigentliche Heimat ist der offene Ozean von Island südwärts, wahrscheinlich über Gibraltar hinaus. Ursprünglich ist er aus dem Mittelmeer beschrieben, doch ist er auch in den tiefen Gewässern vor den skandinavischen Küsten nicht selten, von Finmarken im Norden bis Bohuslän im Süden, und in Küstennähe gerät er öfters auch auf flachere Gebiete. Es ist wahrscheinlich, daß die erwachsenen Fische nicht in gleichem Maße an die Nähe des Bodens gebunden sind wie andere Gadiden; von den Jungfischen ist sicher, daß sie sehr lange — bis zu Größen von 15 cm und darüber — in den höheren Wasserschichten verweilen. Das Laichgebiet ist nicht ebenso ausgedehnt wie das Verbreitungs- gebiet, scheint vielmehr auf den offenen Ozean beschränkt zu sein und zwar nordwärts bis etwa zum 62 '* N. Br. Die Laichzeit fällt wahrscheinlich in die ersten Frühjahrsmonate. Die Eier sind nicht bekannt. Die jüngsten bisher beobachteten Larvenstadien waren 4 bis 5 mm lang und wurden von J. Schmidt im offenen Ozean über Tiefen von 1000 bis 1500 m gegen Ende Mai und Anfang Juni erbeutet. Die junge Larve (Fig. a) ähnelt in der Form dem Wittling; das Pigment ist im postanalen Kürperabschnitt sehr charakteristisch verteilt, so daß dorsal und ventral ein kräftiger Pigment- strich vorhanden ist, die aber beide etwa die Hälfte des postanalen Körper- abschnitts ganz frei lassen, der kürzere ventrale Strich noch etwas mehr als der dorsale. Die Körperseiten sind noch ganz frei von Pigment, aber in der Occipital- und in der Abdominal-Gegend ist Pigment vorhanden. Bei 7 bis 8 mm langen Larven (Fig. b und c) zeigen sich die ersten Anlagen der Flossenstrahlenträger und einige Flossenstrahlen in der Schwanz- flosse; das Körperpigment breitet sich etwas mehr auf die Seiten aus, und dorsal erscheint das Pigment zwischen der Occipital- und der Postanal-Gegend kontinuierlich. Neben dem schwarzen tritt gelbes Pigment auf, doch fehlt auf dem unpigmentierten Sahwanzende auch dieses. Bei der 14 mm langen Larve (Fig. d) hat die Ausbildung der Flossen- strahlen erhebliche Fortschritte gemacht. D 1 (noch ohne Strahlen) und D 2 liegen dicht zusammen, D 3 dagegen in erheblichem Abstände von beiden, was sehr charakteristisch ist. In D 3 und A 2 haben die Flossenstrahlenträger je eine Chromatophore. Die Bauchflossen sind sehr klein. Das Pigment auf Farn. Gadidae. I 257 den Körperseiten ist sehr vermehrt, aber durch einen mediolateralen pigment- freien Streifen unterbrochen. Das Schwanzende erscheint noch immer wie abgeschnitten durch seine Pigmentiosigkeit. Die Schwanzflosse ist hinten leicht konkav; bei 20 mm Länge ist sie aber schon deutlich gegabelt. Der After liegt unter dem Vorderteil von D 1. Bei 20 mm Länge ist die Trennung der unpaaren Flossen von einander schon eine vollkommene; sie sind meist pigmentfrei. Bei 25 mm Länge beginnt der helle mediolaterale Streifen im postanalen Körperabschnitt zu verschwinden und auch die Schwanzspitze sich mit Pigment zu bedecken. Das Pigment an der ventralen Körperkontur ist namentlich in dem hinteren Abschnitt sehr ausgeprägt. Die Abdominalgegend hat einen silbernen Schimmer. Im allge- meinen ist jetzt viel Ähnlichkeit mit G. merlangus vorhanden. Der 32 mm lange sehr schlanke Jungfisch (Fig. e) läßt die Flossen- strahlen in annähernd definitiver Zahl erkennen: D: 12 bis 13+ 12 bis 14+21 bis 24; A: 34 bis 39 + 23 bis 27; P: 20. Die Bauchflossen reichen nahezu bis zum After. Das Seitenpigment ist sehr dicht und erstreckt si